Per saß am Küchentisch, vor ihm standen Kaffee und Haferflocken. Er hatte nichts
gegessen. Er starrte auf den Fernseher, wo gerade seine Ex-Partnerin Marie inteviewt
wurde, die ihre erste Single ihrer neuen CD präsentierte. Sie sah frisch und
gebräunt aus, mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Der Journalist machte Witze
mit ihr, darüber wie lange sie schon im Geschäft war und mit so viel Erfolg..ob
sie ein Geheimrezept hätte? Sie brauchte ihn offensichtlich nicht, dachte Per
bitter. Seit sie beschlossen hatten, aufzuhören, nach dem riesigen, schlimmen
Streit über Musik und auch über Roxette, hatten sie nicht mehr miteinander gesprochen.
Wenn sie sich auf Parties trafen, war es elend, manchmal saßen sie sogar am
gleichen Tisch. Er erwischte sich oft dabei, wie er kurz davor war, zu ihr zu
gehen und sie anzulächeln. Marie hatte diese Ideen nicht. Sie hatte mit allen
Spaß – nur nicht mit ihm. Micke und Åsa hatten versucht, den Streit der beiden
wieder zu kitten, aber beide hatten eine Versöhnung verweigert, sie waren zu
sauer aufeinander, zu verletzt. Mehr als zwei Jahre waren in der Zwischenzeit
vergangen und es war Vieles passiert. Åsa hatte sich in einen anderen Mann verliebt,
den sie auf einer Kunstausstellung kennengelernt hat.
Per war so geschockt und überrascht, dass die Scheidung schon fast vorbei war, bevor er es wirklich realisiert hatte. Aber es schmiss ihn nicht komplett vom Stuhl. Sie teilten sich die Erziehung ihres Sohnes und blieben Freunde. Per mochte Åsas Freund sogar. Er fühlte sich nicht nach einer Frau. Er war beschäftigt mit seiner Solokarriere und wurde ein noch begehrterer Popsänger. Nun gewann er die Preise auch alleine. Irgendwie wurde er jetzt ärgerlich. Was Per nicht wusste oder sogar ahnte, war, dass auch Marie Eheprobleme hatte.
Es begann mit der Produktion der CD. Sie war ungeduldig, irritiert und wollte mehr und mehr alleine sein. Eines Nachts kam sie von ihrem Fitnessstudio nach Hause und ging geradewegs in ihr Studio und schrieb ein Lied über ihre verlorene Freundschaft mit Per. Es war ein langsames Lied, traurig und hatte irgendwie eine kalte Melodie, hoffnungslos, man hörte nur Maries Stimme und ein Klavier. Sie musste ihn endlich aus ihrem System kriegen und zwar für immer. Sie hasste es wirklich, ihn zu sehen. Sie versuchte bei jedem Treffen, nichts zu fühlen, aber es funktionierte nie. Ihr wurde warm und kalt. Ihr Herz hämmerte und sie wollte schreien, dass er ihr endlich aus dem Weg gehen solle.
Nachdem Micke den Song das erste Mal gehört hatte, sah er rot. „Das ist ein Liebeslied, Marie“, sagte er lauter als es notwendig war. Sie tat es mit einem Geräusch ab, aber wurde rot und hoffte, er würde das als Ärger auffassen. „Ein Liebeslied? Ich bitte dich“, antwortete sie. “Ok, Du benutzt das Wort Liebe nicht, aber jedes andere Wort, was es ausdrückt.” „Diskutieren wir das ernsthaft?“, fragte sie verärgert. „Ich meine nur, irgendwas stimmt mit dir nicht. Warum gehst du nicht weiter zur Therapie, dieses Mal um dein Problem mit Mr. „wir-sagen-seinen-namen-nicht-in-diesem-haus“ endlich zu lösen. Sie wollte etwas nach ihm werfen. „Nimm diese Worte zurück. JETZT! Das meine ich ernst!”, sagte sie mit einer eiskalten Stimmen, die nicht nur Micke überraschte. „Oder was?“ „Nimm es einfach zurück.“ „Zuerst gibst du es zu.“ “Was?” Sie stemmte ihre Hände in ihre Hüften, stolzierte in seine Richtung und stellte sich direkt vor ihn. „Dass du…dass du..oh, verdammt. Du weißt, es fühlt sich hier nicht richtig an..” “Ich werde gar nichts zugeben. Warum versuchst du auf einmal, mich zu erpressen?“ „Vergiss es, ok? Ich habe nie etwas gesagt. Sorry.” Micke verließ das Studio, schloss leise die Tür hinter sich. Er entschuldigte sich später natürlich, aber Marie war verletzt.
Als er sie in der Nacht festhalten wollte, rutschte sie von ihm weg. Jetzt war er mehr denn je überzeugt, dass Marie Gefühle für Per hatte. Er nahm seine Decke und sein Kissen und ging ins Wohnzimmer. Das war praktisch das Ende ihrer Beziehung, Micke, der das gemeinsame Bett verließ. Sie ließ ihn auch nie wieder hinein. Sie beschlossen die Scheidung nur wenige Wochen später. Micke blieb in der Nachbarschaft, mietete sich ein großes Appartement. Josefin und Oscar hatten Schwierigkeiten, sich darauf einzustellen, genau wie ihre Elten. Die Veröffentlichung der CD wurde natürlich verschoben. Glücklicherweise drehte ihr die Presse keinen Strick draus als sie die Fakten auf dem Tisch hatten. Sie hatten gelernt, dass die Kinder geschützt werden mussten.
Per hörte davon von Niklas, dessen Ex-Frau eine von Maries engsten Freundinnen war. Es war nur am Telefon, so dass er seine Augen schließen konnte, sich auf die Lippe biss und kurz hoch und runter sprang. „Das ist so traurig“, sagte er in den Hörer und wechselte dann das Thema zu etwas anderem. Marie saß alleine in ihrem Studio; endlich konnte sie ihre Arbeit fortsetzen. Das Erste, was ihr in die Hände fiel, war der Song über Per und sie. Sie hatte ihn „it slut av vägen“ genannt, das Ende des Weges. Plötzlich entschied sie sich, ihn auf CD zu brennen. Sie holte einen Umschlag und sendete ihn Per am nächsten Tag.
Er hatte die CD wochenlang nicht angefasst, da er nicht wusste, von wem sie war. Es war spät in der Nacht und er saß an seinem PC, er legte die CD ein. Sein Gesicht wurde fahl und er krallte sich am Tisch fest, so hart, dass er sich fast geschnitten hätte, ohne es mitzubekommen. Er würde sie umbringen. Musste sie ihm noch mehr weh tun? Diese Worte und die Art, wie sie sie sang... Als er ins Bett ging, verfolgte ihn Marie immer noch, aber dieses Mal nicht kämpfend und schreiend, nein, es war viel schlimmer. Sie lag in seinen Armen, wundervoll nackt, flüsterte sanfte Worte, machte Liebe mit ihm. Als Per aufwachte, sah er, wie schlimm sein Bett aussah..wie ein junger Schuljunge..und dann kamen die Bilder des Traumes wieder zu ihm zurück. Er schauderte. Sie war der Teufel in Person einer Frau für ihn…heiß und verboten.
Die nächsten Wochen verbrachte er mit der Tourvorbereitung. Im Januar würde die schönsten Konzerthallen seines Landes besuchen..ein lang erwartetes Event von den Fans. Per bekam eine Einladung zu der Weihnachtsfeier von Thomas Johansson von EMI. Er rief seinen alten Freund an und und sagte ihm seine Teilnahme zu. Marie bekam dieselbe Einladung, eine unter vielen. Sie entschied sich dafür, hinzugehen, auch wegen Efva und Eva, ihre besten Freundinnen, die auch dort sein würden. Beide, Per und Marie, hatten sehr flüchtige Gedanken darüber, einander wieder zu begegnen. Per rang sich selbst das Versprechen ab, sich zu benehmen und nichts zu sagen. Marie war die Sache unangenehm. Sie hoffte, er würde sie nicht ansehen und ja, hoffentlich auch nicht „hallo“ sagen.
Schicksal war wohl etwas anderes: sie trafen sich bereits im Parkhaus, direkt vor dem Aufzug, allein. Per hatte bereits den Knopf gedrückt um den Aufzug zu rufen, als er Schritte hörte, IHRE Schritte, er wollte wegrennen. Sie grüßten sich nicht, aber Per ließ sie zuerst in den Aufzug hineingehen, sie bemerkte das. Per trug einen einfachen schwarzen Anzug, ein weißes Hemd, eine rote Weihnachtskrawatte und italienische Schuhe. Marie hatte sich für einen roten Cocktail-Dress entschieden, er hatte die gleiche Farbe wie Pers Krawatte. Um sich vor der Kälte zu schützen, hatte sie einen schwarzen Wintermantel an. Mist, sie sahen schon wieder wie ein Paar aus. Plötzlich stoppte der Aufzug, das Licht ging aus. Marie schrie, griff automatisch nach Per und hielt ihn fest wie ein Rettungsseil.
Er hielt sie für ein paar Sekunden in seinen Armen, die wie eine Ewigkeit schienen bis sie wussten, dass sie ok waren. Sie ließ ihn los als hätte er Feuer gefangen. “Tut mir leid”, murmelte sie. “Nichts passiert”, antwortete er. Die Ruhe wurde unerträglich, nachdem nichts passierte. Per schaltete sein Handy an und wollte telefonieren, aber er hatte kein Netz. Aber mit dem Licht des Handys konnte er zumindest den Alarmknopf finden und drücken. Es war ein altes Gebäude, es gab keine Verbindung zu der Aufzugzentrale und sie wussten nicht, ob sie jemand gehört hatte. “Ich denke, wir sollten uns hinsetzen”, sagte Per. “Ja”, antwortete Marie replied und legte ihren Mantel auf den Boden. „Du kannst dich auf meinen Mantel setzen, wenn du willst, es ist kalt.“ „Danke“. “Kann ich dich etwas fragen?”, Marie wusste, dass sie seltsam klingen musste. “Wenn du willst..” “Hast du die CD bekommen?” “Ja.” Er sagte das mit so einem unterdrückten Ärger, dass es ihr Angst machte. “Ich wollte dir diesen Song geben..weil er uns ist.....weißt du” , fuhr sie fort. Erst jetzt verstand er es, allein deswegen, wie sie es sagte. “Du.....Du...vermisst mich? Was wir hatten?”, fragte er sanft nach. “Nein....ich habe schon früher darüber nachgedacht..die alten Zeiten..als es richtig gut war. Nicht die letzten zehn Jahre. Ich spürte, dass es keine Freundschaft mehr zwischen uns gab.” “Der Streit.. Das war die schlimmste Erfahrung, die ich jemals machen musste.” “Für mich auch. Ich bemerkte es, als ich das Lied schrieb.”
“Warum ist deine Ehe kaputt gegangen? Das wollte ich fragen...” Marie konnte es ihm nicht sagen, daher blieb sie still. „Ich wollte nicht zu privat werden“, sagte er dann. „Ich kann einfach nicht darüber reden.“ „Ist er gut zu dir?“ „Wir kommen klar. Wie geht’s Åsa und Gabriel?“ “Ok, wir leben nicht so weit weg voneinander.“ „Micke und ich auch nicht.“ Per begann, sich etwas zu entspannen. „Ich bin irgendwie froh, dass wir wieder miteinander reden.“ „Ich auch.“ „Was denkst du? Ob wir zusammen Abendessen gehen können im neuen Jahr?” Marie schloss ihre Augen. „Nein, sorry, aber nein. Es hat so lange gedauert, dich aus meinem System zu verbannen, ich, ich fühle nicht, dass wir...” „Was meinst du mit „aus deinem System“?“ Marie blieb eine Antwort erspart, da genau in diesem Moment das Licht wieder anging und der Aufzug sich bewegte.
Sie standen auf und erreichten die Etage der Party. Die Leute sahen sie an, wie sie zusammen den Aufzug verließen, aber wendeten sich wieder ab, weil Per und Marie sich so schnell wie möglich in verschiedene Richtungen verabschiedeten. “Gehts dir gut?” wollte Efva wissen, nachdem Marie innerhalb kürzester Zeit ein ganzes Glas Champagner geleert hatte. “Perfekt, alles bestens, danke. Ich habe Hunger. Können wir zum Buffet gehen?” Efva glaubte ihrer Freundin nicht ein Wort. Den ganzen Abend verhielt sich Marie absolut normal, lachte, plauderte, drank, aß. Sie tanzte mit beiden Eva’s, mit Thomas und anderen Leuten, die sie kannte.
Und dann kam Per an den Tisch und fragte sich nach einem Tanz. Er tanzte eigentlich nie, obwohl Åsa ihn immer dazu zwingen wollte. Marie nahm das Angebot an. Sie durfte jetzt nicht wählerisch sein und Aufsehen erregen. “Du schuldest mir noch eine Antwort?”, flüsterte er, während sie sich zu Sinatra bewegten. Sie wurde steif. „Nein.“ Per lachte. “Wovor hast du Angst? Du warst nie ein Feigling.” “Wirst du jetzt still sein und tanzen bitte?” “Wie du willst, aber das hier ist nicht vorbei, glaub mir.” Sie tanzten den nächsten Tanz und danach noch einen. „Ich muss gehen“, sagte Marie. „Ich werde morgen nach Malmö fliegen, um Promotion zu machen.“ „Ich werde dich zum Auto bringen.“ „Ok.“ Sie verabschiedete sich und ihre Freunde sahen sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. Marie schüttelte ihren Kopf und verließ den Raum mit Per. Marie führte sie zu ihrem Auto. “Es war schön, dich zu sehen”, sagte sie und lächelte. „Du wirst mir nichts verraten, oder?“, fragte Per. Sie schüttelte ihren Kopf. “Es würde nichts bringen, wenn ich es täte, glaub mir.” Mit einem Blick, den sie nicht deuten konnte, fasste er ihre Arme. Ihre Augen wurden größer und dann fühlte sie seine Lippen auf ihren. Er schmeckte nach Champagner und etwas Süßem, sein Kuss war es auf jeden Fall. Sein Daumen strich über ihren Mund, als er seinen Kopg wieder hob. „Fröhliche Weihnachten Marie“, flüsterte er und wendete sich mit seinen jugendlichen großen Schritten ab.
Nach Hause fahren fiel ihr nicht leicht. Sie saß vor ihrem Schlafzimmerspiegel, nur in ihrer Unterwäsche. Mechanisch entfernte sie das Make-Up, legte Nachtcreme auf und dann sah sie im Spiegel, dass sie lächelte. Sie legte sich ins Bett, rückte ihr Kissen zurecht und war schneller eingeschlafen als viele Male zuvor. Per war auf die Party zurückgegangen und ging direkt zu Thomas. „Ich werde gehen. Danke für die Einladung und fröhliche Weihnachten.“ “Sicher, dir auch. Grüße Åsa von mir“, sagte sein alter Freund und klopfte ihm auf die Schulter. „Werde ich tun.“ Er ging auch an den Tisch der beiden Efva’s. Eva hatte ihren Kopf auf der Schulter ihrer Frau und sie war offensichtlich bettreif. Während sie Eva’s Haar streichelte, suchte Efva Pers Blick. „Habt ihr wieder gestritten?“ “Nein, ich denke, wir..ich bin froh..wir haben etwas miteinander geredet..es war gut”, sagte er und lächelte sein schüchternes Jungenlächeln. Efva lächelte zurück. „Wundervoll. Hab schöne Weihnachten”, sagte sie. “Ihr auch, machts gut. Und grüße die schlafende Schönheit.”
In seinem Appartement angekommen, schnappte er sich ein paar Klamotten und packte sie in seine Lieblingsreisetasche. Sein MP3-Player und der Kulturbeutel waren auch schnell gepackt. Dann rief er die Fluggesellschaft an, um einen Flug nach Malmö am nächsten Tag zu buchen und dann rief er das teuerstes Hotel an und buchte eine elegante Suite. Er wusste, dass Marie gewöhnlich dieses Hotel wählte. Er wollte sie wirklich überraschen, sie von den Socken hauen. Als er später in seinem Bett lag, fragte er sich, warum er auf einmal so sicher war, dass er das richtige tat. Er kuschelte sich in seine Decke und gestand sich leise ein, dass er sie einfach nur wieder festhalten wollte. Marie gähnte als sie das Flugzeug gegen 9 Uhr verließ. Der Kaffee war einfach zu schwach gewesen. Sie rief ein Taxi, welches sie zum Hotel brachte. Sie checkte ein und ging dann direkt die Straße hinunter zu ihrem ersten Interview. Es war eine lokale Radiostation, ein kleines Haus im Zentrum. Marie war schon einmal dort gewesen. Sie mochte die jugendliche Atmosphäre und wurde mit gutem Kaffee und heißen Brötchen begrüßt. Die Show verlief leicht. Natürlich brachten sie sie zum Singen. Es war lustig. Sie durfte außerdem ein paar Songs auswählen. “Und jetzt haben wir hier etwas Nettes aus den Neunziger Jahren, gesungen von meiner Lieblingsband Gyllene Tider…Kung av Sand“, lachte sie in das Mikrofon.
Per saß im Taxi zum Hotel und der Fahrer hatte den Sender “Malmö Fun” eingeschaltet. Er hörte, was sie sagte. Er wurde rot und der Fahrer drehte sich zu ihm um und grinste. Als er eingecheckt hatte und sein Gepäck weggebracht hatte, beschloss er, shoppen zu gehen. Er musste noch ein paar Stunden warten, bis Marie frei war. Per triumphierte immer noch wegen seinem Triumph über Dimberg, die ihm erst die Daten von Marie’s Plan heute nicht faxen wollte. Er hatte sie dann mit einer Einzelheit aus ihrem Liebesleben mehr oder weniger erpresst. Sie gab nach und er hatte die Daten innerhalb von fünf Minuten. Ha! Er blieb die meiste Zeit in „skivakademien.” Er hörte sich eine Tonne CDs an und kaufte mehr als die Hälfte von ihnen. Fröhlich verließ er das Geschäft und ging direkt in den nächsten Laden, der ein Schuhladen war. Per kam am späten Nachmittag ins Hotel zurück, vollbepackt mit Taschen, Tüten und Boxen und sehr hungrig. Er merkte, dass es bereits stockdunkel war. Marie war schon lange fertig. Er ließ sich von der Rezeption ihre Zimmernummer sagen, was ohne Probleme ging. Die weibliche Angestellte hatte ihn mit einem Zwinkern begrüßt: „Ihre andere Hälfte ist bereits eingetroffen, Zimmernummer 2002“, sagte sie bevor er gefragt hatte. „Danke“, murmelte er bloß.
Er klopfte an ihre Tür. „Ich komme“, hörte man von innen und dann öffnete sich die Tür. Sie hatte mit dem Abendessen gerechnet, aber stattdessen stand Per vor der Tür. „Hej“, sagte er, „störe ich dich?“ Er sah, dass sie nur Jogginghosen trug und ein blaues Baumwollshirt. „Nein“, antwortete sie automatisch, „komm rein. Hej Per.“ Einen Moment nachdem sie die Tür geschlossen hatte, klopfte es erneut, dieses Mal war es ihr Essen. Per sah sich an, was sie bestellt hatte und nahm dasselbe. Er liebte Brüsseler Sprossen mit Schinkenwürfeln und Kartoffeln, mit Käse gegrillt. „Soll ich eine Flasche Wein bestellen? Oder Bier“, fragte er. Der Kellner wartete geduldig. “Bier dann bitte, dunkles für mich, normales für ihn. Sie setzten sich an den gedeckten Tisch, Marie begann zu essen.
Per erzählte ihr, was er heute gemacht hatte, von seinem ulkigen Shopping-Abenteuer. Plötzlich hob sie ihren Kopf. „Warum bist du hier?“ “Du weißt es.” “Ich weiß, dass es wegen mir ist, aber warum?” Ich habe dir gestern gesagt, dass ich dich privat nicht mehr sehen möchte.” „Aber du hast mich hereingelassen.“ „Es war…ich wollte keine Szene machen.“ Per biss sich auf die Lippe. „Höflichkeit also.“ Sie nickte. „Und jetzt wo du hier bist, will ich wirklich wissen, wieso bist du hier, willst du mir ein geschäftliches Angebot machen? „Nichts Geschäftliches. Ich werde nie wieder Geschäfte mit dir machen, glaub mir.“ „Oh ja?“, sagte sie mit einem ironischen Lächeln. „Ja, ich bin wegen unserer Auflösung hier und weil wir seit zwei Jahren nicht mehr miteinander geredet haben. Es hat mich verletzt wie noch nie etwas zuvor und es hat mein Leben verändert. Du denkst ich bin es nicht wert, deiner nicht würdig, du hast das so deutlich gemacht.“ „Ich musste, Per“, antwortete sie, ruhig und vernünftig, ohne den Klang ihrer Stimme zu erheben. „Ich wäre gestorben, wenn ich weitergemacht hätte. Nicht mein Körper, aber meine Seele. Für dich war ich nur jemand, mit dem du Geld verdienen konntest, jemand, von dem du dachtest, du würdest ihn gut genug kennen um ihn zu manipulieren und jemand, von dem du wusstest, er würde dich nicht betrügen. Du hast schon lange davor aufgehört, mich zu sehen. Mich, Marie, dein Freund, die dich liebte. Als nichts mehr davon übrig blieb, habe ich beschlossen, dass ich alleine sein muss. Der Streit, deine Beschuldigungen, ich wäre nicht professionell, ich hätte keinen Geschäftssinn, keine Ambitionen mehr die Band betreffend, das alles war das Ende. Ich wäre früher oder später sowieso zu dir gekommen.“ Per wollte etwas sagen, aber er konnte nicht.
Seine Augen waren feucht. Er versuchte, zu schlucken. Marie erschreckte sich. Sie nahm seine Hand und die erste Träne fiel auf ihre Haut. Das hatte sie nicht gewollt. „Bitte..weine nicht. Das ist albern. Es ist so lange her. Ich wusste nicht, dass es dir so viel ausmacht, ich dachte, dich interessiert nur dein Bankkonto. Er starrte sie nur an, kleine Flüsse rannen seine Wangen herunter. Marie wurde rot, sie fühlte sich unbehaglich. „Ich verstehe nicht“, flüsterte sie. “Hast du dich nicht gefragt, warum ich dich geküsst habe?” Ihre Gesichtsfarbe wurde noch intensiver. „Es war nur ein kleiner Kuss. Es hat mich nicht gestört.”
Ein Klopfen an der Tür rettete Marie vor einer weiteren spontanen Aktion von Per. Sein Essen und ihr Bier waren da. „Schau“, begann er, als sie wieder alleine waren, „lass mich dir etwas sehr klar machen, kristallklar sogar. Ich will dich, Marie.“ Sie wollte etwas sagen, aber er stoppte sie mit erhobener Hand. „Hör mich an. Ich will dich und nur in dem einen Sinne..als Frau. Ich liebe dich. Ich schäme mich wegen der vertanen Zeit des Denkens und Erinnerns, die es gebraucht hat, bis ich sah, wie es wirklich mit dir ist. Der ganze Scheiß wegen dem Geschäft..es war ein Vorwand..um mit dir sein zu können, immer. Es hört sich blöd an, aber ich befürchte, es ist die brutale Wahrheit. Ich werde diesen Raum nun verlassen, ich kann nicht essen..sorry, ich..nein, es tut mir nicht leid, dass ich herkam, um mit dir zu reden. Aber ich hoffe, dass es irgendwas ändern wird. Du kannst mir vertrauen. Machs gut.“ Per stand auf und war schon fast an der Tür, als er sich rumdrehte. Marie starrte in die Luft. Er hätte sie fast schon wieder geküsst, aber dann ging er sehr schnell, bevor er sich ein weiteres Mal demütigen würde.
Marie war nicht in der Lage, sich zu bewegen. Sie hatte nur einen Gedanken. Er liebte sie, Er liebte sie. Er sagte, dass er sie liebte. Sie ging zu Bett...es war nicht einmal acht Uhr. Ihre Kinder riefen an. Sie sprach ein paar kurze Sätze und versprach zum Mittagessen zu Hause zu sein. Sie hörte sich ihre Geschichten über Hausaufgaben und Freunde an und was sie mit Micke gemacht hatten. Micke. Er würde..sie hatte keine Ahnung wie er reagieren würde, wenn er überhaupt etwas sagen würde. Er wusste es…dann auf einmal konnte sie wieder klar denken. Sie zog es in Betracht, ernsthaft in Betracht, mit Per zusammen zu sein. Irgendwie…würde das..aufregend werden..sie kicherte und dann schlief sie ein.
Am Flughafen trafen sie sich wieder. „Hej“, sagte sie, neben ihm stehend. „Hej“, antwortete er. Sie zündete sich eine Zigarette an und Per hustete. „Willst du, dass ich sie ausmache? Sag es einfach.“ „Nein“, murmelte er und ging zur Wartezone. Ein paar Minuten später war ihr Flugzeug fertig und sie gingen an Bord. Per wusste nicht, dass Marie die Fluggesellschaft angerufen hatte und einen Sitz neben ihm verlangt hatte. Er war nicht erfreut, als er aufstehen und sie vorbeigehen lassen musste. Sie berührte seine Schultern. Er hätte fast vor Wut geknurrt. Marie wollte ihn boxen. Er benahm sich wie ein Kind. Sie nahm an, dass er es bedauerte, ehrlich zu ihr gewesen zu sein. Er dachte, sie mache sich über ihn lustig. Aber sie hatte einfach gute Laune….weil sie etwas wusste, was er noch nicht wusste. Und es ihm erzählen…sie war so ungeduldig. Sie ignorierte ihn. Per versuchte, seine Papiere zu lesen, aber die Buchstaben verschwammen vor seinen Augen. Marie hörte Musik, schaut aus dem Fenster. “Kung av sand ist immer noch dein Lieblingslied?”, fragte er plötzlich. Sie drehte sich zu ihm. “Ja, warum?” “Ich habe dich gestern im Radio gehört...” “Ah.” “Ich mag deine neue CD. Darf ich wissen, warum „Slut av vägen“ nicht drauf ist?” Marie wurde rot. “Zu persönlich. Es gehört zu uns und zu sonst niemandem.” “Das scheint dir wichtig zu sein.” “Was willst du damit sagen?” Er presste seine Lippen aufeinander. “Das, ein weiteres Mal, ich dich nicht verstehe.” Sie sah ihn an. “Ich würde es dir gerne erklären, aber nicht hier, nicht in einem Flugzeug.” Per war frustriert. “Sicher...”
Den Rest des Fluges schwiegen sie. In Arlanda angekommen ging jeder zu seinem Taxi, verabschiedeten sich gerade noch so voneinander. Marie war den ganzen Tag mit ihren Kindern beschäftigt. Sie hatte ihnen Mittagessen gekocht und am Nachmittag gingen sie Schlittschuhlaufen. Erst am Abend erlaubte sie sich, an Per zu denken. Er hatte Gabriel bei sich und sie sahen Cartoons an, kochten zusammen und redeten über Autos. Per brachte seinen Sohn ins Bett, las ihm eine Geschichte vor. Das Telefon klingelte, als er es sich gerade mit einem Buch, einem Glas Wein und klassischer Musik auf der Couch bequem gemacht hatte, “Ja?” antwortete er. “Ich bin’s. Wie geht’s dir?” Sein Herz fing an, unregelmäßig zu schlagen. “Okay. Und du?” “Nicht so gut. Ich muss dich sehen. Kann ich morgen abend zu dir kommen?” Sie klang ernst und hektisch und unsicher. “Ja, ich werde zu Hause sein.” “Okay... bis dann.” “Okay, bye.” “Bye.”
Marie zitterte. Was, wenn er plötzlich seine Meinung geändert hatte? Er konnte so kalt und so hart sein. “Mamma...Mamma”, Oscars verängstigte Stimme weckte Marie am Morgen. Sie saß kerzengerade im Bett. “Was ist passiert?” Er machte seinen Mund weit auf. “Mein Zahn! Ich verliere einen Zahn!” Er wackelte an ihm mit einem Finger. „Schau!” Marie seufzte. “Hey! Bald wirst du ein großer Junge sein..du verlierst deine Babyzähne.” Das war das Richtigste, was sie sagen konnte. Plötzlich grinste ihr Sohn: „Cool.“ Er kletterte in ihr Bett. „Wir müssen aufstehen“, sagte sie. Aber Oscar kuschelte sich an seine Mutter. Für ein paar Minuten waren sie eine Einheit. Marie dachte, wie schnell ihre Kinder doch wuchsen. Es würde nicht lange dauern, bis er es nicht mehr wollen würde, dass seine Mutter so nah ist.
„Wo gehst du heute Abend hin?“, fragte Josefin von der Badezimmertür aus. Sie schaute zu, wie ihre Mutter sich zurecht machte. „Ich werde mich mit PG treffen. Soll ich ihn von dir grüßen?“ “Ja. Warum triffst du dich mit ihm?“ Marie zuckte innerlich. Ihre Tochter war so clever. “Weil wir zusammen Abendessen werden und uns etwas unterhalten. Es ist eine Weile her, seit wir das das letzte Mal getan haben, weißt du.” “Habt ihr euch vertragen?” “Haben wir. Es hat etwas gedauert, aber jetzt sind wir wieder gut miteinander.” „Das ist schön. Du bist wirklich hübsch, Mamma.“ “Danke Schatz.” “Denkst du, PG wird dich küssen?” Marie wurde rot. “Was?” Josefin kicherte. “Ich wünsche mir, er würde..weißt du.....” “Warum? Was geht in deinem Kopf vor, Kind?” Das Mädchen zuckte mit den Schultern. “Ich mag ihn sehr.” “Das weiß ich. Aber was hat das mit dem Küssen auf sich?” “Das würde bedeuten..dass er dein Freund wird..und er kann kommen und mit uns leben....” “Josefin!” “Mamma!” Und dann jagte Marie ihre laut lachende Tochter durch das Haus.
Sie fuhr zur Per, hörte ihre neue CD. Sie versuchte, nicht nervös zu sein, aber in ihrem Bauch..da waren viel zu viele Schmetterlinge. Per schaute fern, zappte von Kanal zu Kanal und sah dauernd auf die Uhr. Wo war sie? Marie klingelte. Ihr Mund war so trocken. “Ja?” “Hej...” “Komm hoch”, sagte Per. Sie hatte eine Jeans und eine weiße Bluse an. Obendrüber trug sie eine warme Jacke. Ihr Haar war zerzaust vom starken Wind. Er hätte fast geseufzt, so süß war sie. “Hej, nochmal”, begrüßte sie ihn und sah, dass er eine enge Lederhose trug, einen schwarzen Pullover mit V-Ausschnitt und barfuß war. “Hej... willst du was trinken?” Er führte sie ins Wohnzimmer. “Nur Wasser. Ich habe nichts gegessen.” “Ich auch nicht. Ich denke, dann wäre es besser, wir gehen in die Küche.” “Mach dir keinen Stress, Per.” “Nein, ich habe Hunger und du auch. Ich habe Gemüsesuppe von gestern, frisches Brot, etwas Käse und grünen Salat. Ist das ok für dich?“ Sie nickte und fing nebenbei an, den Tisch zu decken.
Es fühlte sich so schön an, so familiär, Dinge zu tun, die sie früher schon bei ihm zu Hause tat. Per betrachtete sie, während er die Suppe erhitzte. „Wie geht’s den Kindern?“, fragte er. „Fein. Josefin lässt grüßen.“ “Grüße sie zurück. Ich würde sie gerne wiedersehen, wirklich..” Marie stellte die Gläser an ihren Platz und ging zu ihm. „Du wirst, bald..komm am 25. vorbei, an Weihnachten“, antwortete sie. „Ist das ein Teil von dem, was du mir im Flugzeug nicht sagen wolltest?“ „Ja“, flüsterte sie und spielte mit einem Knopf an ihrer Bluse, „und der andere Teil ist, dass ich dich auch liebe, Per.“ Sie stand so nah an ihm, dass sie fühlen konnte, wie ihm die Luft wegblieb. Sie sah ihn an. Er war komplett überrascht. Er hatte sich alles vorgestellt, aber nicht das. Er dachte, sie wollte ihre Freundschaft erneuern. „Ich verstehe nicht ganz“, sagte er. „Das ist ok“, sagte sie und legte ihre Finger auf seine Wange. „Lass uns essen. Ich habe Hunger.“
Sie setzten sich hin, aßen das einfache, aber leckere Essen und redeten wieder über die Kinder. Marie räumte die Spülmaschine ein, während Per Kaffee kochte. „Willst du einen Film ansehen? Ich habe verschiedene DVDs“, fragte er. „Warum nicht“, antwortete Marie. Er ließ Marie einen Film auswählen, sie wollte einen Actionfilm sehen und entschied sich für “True Lies” mit Jamie Lee Curtis und Arnold Schwarzenegger. Er brachte sie zum Lachen. Sie kannten ihn beide noch nicht. Marie stand auf.
„Ich fahre jetzt nach Hause, Per“, sagte sie und trank den Rest ihres Weines. Sie zog ihre Schuhe an. „Willst du nicht bleiben?“, fragte er. “Ich bin müde, es war ein langer Tag”, gähnte sie. “Ich meinte, ob du nicht über Nacht bleiben willst. Du kannst hier schlafen.“ Er stand nun auch auf. „Per…nur weil, ich das vorhin zu dir gesagt habe…du musst mich nicht fragen, zu bleiben, ok?“ Er ging zu ihr rüber. „Was sagst du da? Willst du mich nicht? Was ist das? Ein Spiel? Fang mich?” Ihr Herz wurde schwer. “Nein”, flüsterte sie. “Ich dachte, du bräuchtest mehr Zeit..um mir zu glauben. Oder interessiert es dich gar nicht?“ „Hör dich an!!!!“, schrie Per. “Immer zweifelst du an mir.” “Ich hab solche Angst,” schrie sie zurück, “dass du mir wieder weh tust. Du hast mein verdammtes Herz gebrochen. Und jetzt gibst du dir alle Mühe, das wieder zu tun. Und der Ärger ist: ich liebe dich wirklich, das habe ich immer getan, das werde ich immer tun. Scheisse.“ Plötzlich erinnerten sich beide lebhaft an die letzte Szene im Studio, wie sie sich fast an die Gurgel gegangen wären, sich körperlichen Schaden zugefügt hätten.
„Weißt du Marie, ich werde jetzt etwas tun“, sagte Per mit gesenkter Stimmer, „ich hätte es schon tun sollen, als wir unseren Streit vor zwei Jahren hatten.“ „Und das wäre?“ Sie fühlte sich immer noch, als würde ihr gleich schlecht werden. Er streckte die Hand aus und nahm sie in die Arme, er hielt sie so fest, dass sie kaum noch atmen konnte. Er strich über ihr Haar, küsste ihren Kopf. „Bleib, ok?“ Sie nickte gegen seine Brust. Sie lagen zusammen auf seinem Bett, immer noch angezogen und redeten, bis sie einschliefen, ließen den anderen nicht los. “Guten Morgen”, murmelte Marie und streckte sich. “Guten Morgen”, antwortete Per, lehnte sich über sie und küsste ihren Mund. Sie lachte. Es war noch nicht einmal sieben Uhr. „Willst du mit uns frühstücken?“ „Ja, aber die Kinder..werden sie sich nicht wundern?“ “Nicht Josefin....”
Auf dem Weg zum Auto erzählte sie ihm den kleinen Zwischenfall von gestern. Per lachte. “Sie ist unglaublich. Ich habe die beiden so vermisst, speziell sie. Ich wollte auch eine Tochter haben.“ Marie legte ihre Hand in seine. „Sie wird zustimmen.“ Sie gaben sich schnell einen Kuss und stiegen in ihren BMW. Josefin kam runter in die Küche, wie jeden Morgen. Diesen Morgen sprangen ihre Augen weit auf. Sie sah ihre Mutter Brot schneiden und Per hatte seine Hand auf ihrem Hintern, während er fragte, wo der Honig steht. „Über der Spüle, da stehen verschiedene Sorten, such dir eine aus. Ich werde Josefin wecken.“ Per tätschelte sie, bevor er zum Regal ging. Da sah er Josefin. „Ah, Josefin ist auf“, sagte er. Marie drehte sich um, sah den Blick ihrer Tochter und kicherte. „Guten Morgen Liebling“, sagte sie. „Hej Mamma, hej PG. Also..hatte ich Recht.” Sie kam in den Raum und half Per, den Tisch zu decken. „Wirst du wirklich bei uns bleiben?“ Marie und Per tauschten einen kurzen, aber offensichtlich liebevollen Blick aus. „Ja, Josefin.“ Sie schoss herüber, umarmte ihn schnell und ging, um ihren Bruder zu holen.
Sie brachten die Kinder in die Schule. Oscar verhielt sich, als wäre Per nie aus ihrem Leben verschwunden gewesen. Als sie zurückkamen, fing es an zu schneien. Beide waren mit Schneeflocken bedeckt, als sie zum Haus rannten. Per fiel in Marie, sie stolperte. Er fing sie auf, bevor sie zu Boden fiel. „Ups, tut mir leid.“ Sie sagte nichts, die Situation hatte sich innerhalb von wenigen Sekunden drastisch verändert. Seine Hände bewegten sich, sein Mund berührte ihren Nacken.
Marie lehnte sich gegen ihn. „Jetzt?“, fragte sie. „Jetzt.“ Er trug sie die Stufen hoch, seine Augen wichen nicht von ihren. „Ich habe ein neues Schlafzimmer, nur dass du es weißt“, informierte sie ihn. Er musste grinsen. „Wir hätten den Flur nehmen können“, antwortete er. “Ja.” Per lag auf ihr und sie küssten sich wie verrückt, ohne damit aufhören zu müssen. Neues und sehr altes Verlangen durchfuhr sie beide. Sie zogen sich aus, zu ungeduldig für eine langsame Verführung. „Willst du etwas Spezielles? Lieblingsposition?“, keuchte er in ihr Ohr, eng auf ihr liegend. Sie stöhnte, spürte wie seine Erregung gegen ihren Bauch drückte, was einen Donnersturm in ihr auslöste. „Sei einfach nur in mir.“ Per setzte sich auf und hob sie mit beiden Händen auf sich. „Ja? So?“ Sie keuchte nur und biss sich auf die Lippe, um nicht loszuschreiben als sich ihre Körper in schneller Bewegung auf Per’s Hüften vereinigten. Er stöhnte, die Bewegungen wurden immer schneller.
Sie rief seinen Namen, umklammerte das Bettlaken mit ihren Fäusten. „Mehr, bitte, mehr“, drängte sie ihn. Er kam ihrem Wunsch nach und sie flogen in den Himmel, explodierten in tausend Stüken der Glückseligkeit. Gebadet im Schweiß, der Geruch von Sex in der Luft, kamen sie auf die Erde zurück. „Ich dachte, ich wäre zu alt, um solche Gefühle zu haben“, sagte Per. „Welche Gefühle?“ “Dass ich das nächste Jahr nur mit dir im Bett verbringen will.” Sie war sehr erfreut, das zu hören. „Wunschvolles Denken“, seufzte Marie.
„Ja. Die Tour startet zwei Tage nach meinem Geburtstag und morgen haben wir schon Proben.” „Ich könnte dein Assistent sein.“ „Bist du verrückt? Keine Geschäfte mehr. Erinnerst du dich?“ “Du bezahlst mich nicht, blöd.” Per sah sie an. “Und..was ist mit den Leuten?” “Unsere Freunde, Presse und Fans, meinst du? Lass es sie herausfinden. Ich denke, wir sind zuerst dran.”
„Micke“? Marie wurde etwas rot. “Er wusste es..in der Tat..ich wollte nicht, dass du das weißt, aber wir haben uns getrennt, weil ich diesen Song für dich geschrieben habe. Er hat mir ins Gesicht gesagt, dass es ein Liebeslied ist. Ich habe es abgestritten, er versuchte mich zu erpressen, wieder zur Therapie zu gehen, ich weigerte mich und finito.“ Per versuchte, nicht zu lachen, aber scheiterte. Er lachte und Marie schlug ihm auf die Brust.
„Hör auf“, murmelte sie. Er küsste sie. “Ok, komm, Assistent, lass uns eine Dusche nehmen und dann setzen wir uns hin und klären die Details.” „Kommandier mich nicht rum“, scherzte Marie. Dieses Mal küsste er sie intensiver. „Das war ein Test.“ Sie verschränkte ihre Arme über ihrer schönen Brust. „Du wirst jetzt nicht schwierig werden, oder?“ Er nickte, spielte gedankenverloren mit ihrem Nabel, küsste ihn. „Per?“ Er hob seinen Kopf. „Du weißt nicht, wie sehr ich dich liebe“, sagte er langsam. „Ich werde es wissen“, antwortete sie. Sie lachten und fielen sich wieder in die Arme. Es war der Ort, wo sie hingehörten.