HÄTTE JA SEIN KÖNNEN....................

1. KAPITEL

Marie und Stefan fuhren auf den Parkplatz vor dem Volkspark in Halmstad. Viele junge Leute sassen schon drin, Bier trinkend, singend und picknickend auf dem Rasen.

Sie suchten sich ein freies Plätzchen. Es war schön warm für Juni, ein leises Lüftchen wehte und die Sonne ging hinten im Meer langsam unter.

Während Stefan zwei Flaschen öffnete, wickelte seine Freundin die mitgebrachten Sandwiches aus. Sie hörten den Bands zu und assen gemütlich zu Abend.

Marie dachte für sich, wie schön es hier war. Sie mochte die Stadt und bereute es nicht zu Stefan gezogen zu sein. Er hatte nette Freunde, von denen sie gleich akzeptiert worden war.

„He, Träumerin“, flüsterte Stefan und küsste sie auf den Mund. Sie schlang die Arme um seinen Hals.

„Ich glaube, ich mache ein Nickerchen“, sagte sie schläfrig und kuschelte sich an ihn. Stefan lächelte, sie war ein süsses Mädchen. Er hatte das sofort gewusst, als er sie auf dem Tanzfest in Ängelholm traf.

Sie lebten glücklich in ihrer 2-Zimmerwohnung. Marie hatte zur Zeit leider keine Arbeit und das Geld war knapp, aber sie ass eh wie ein Spatz.

Stefan weckte Marie, als die Band Gyllene Tider auf die Bühne kam. Marie kannte nur Anders, der zu Stefans Freunden gehörte.

„Flickorna pa TV2“ war der erste Song, den sie zu hören bekamen. Der Sänger hiess Per Gessle, ein richtiger Rock’n Roll – Typ, sehr selbstsicher. Das Publikum, vorher eher unaufmerksam, war voll in seiner Hand.

Marie liess Per nicht eine Sekunde aus den Augen. Wow, der wusste was er tat und er tat es echt gut, mal abgesehen davon, dass er eine etwas merkwürdige Stimme hatte. Er hopste wild rum, animierte die Leute zum Mitmachen.

„Verrückt“, murmelte Marie vor sich hin.

Nach dem Konzert trafen sie die Band an der Bar. Anders stellte sie allen Mitgliedern vor. Jetzt entdeckte Marie zu ihrem Erstaunen, dass dieser Per Gessle höflich war und ein bisschen scheu.

Du bist Stefans Freundin, oder?“ fragte er lächelnd.
„Ja. Ich fand Eure Show toll“, antwortete Marie und erwiderte sein Lächeln.
„Danke. Du kannst ja mal bei Proben dabei sein nach den Sommerferien, wo doch Stefan und Martin ab dann mit uns das Lokal teilen.“
„Gerne.“
„Interessiert Dich Musik?“
„Und wie, ich singe und spiele Klavier.“
„Hattest Du Unterricht?“
„Ja, ich war auf der Musikhochschule in Ängelholm.“
„Mit Diplom?“
Marie nickte. „Und Du? Hast Du eine Ausbildung?“
„Nö, alles selbst beigebracht. Ich jobbe, um Geld zu verdienen, aber nachdem wir nun einen Plattenvertrag bei EMI haben, dauert es wohl nicht mehr lange und ich kann damit aufhören und nur noch Musik machen.“
„Da könnt ihr stolz sein.“ Marie sagte es ohne jeglichen Neid und erntete ein weiteres Lächeln von Per.
„Darf ich Dir ein Bier spendieren?“
„Mhm, lieb von Dir.“
Sie stiessen gemeinsam an, wünschten sich Glück. Da kam Stefan und holte Marie, weil er noch andere Kumpels getroffen hatte, denen er sie vorstellen wollte.

Per sah ihnen hinterher. Irgendwas berührte ihn an Marie. Nicht, dass er sie hübsch fand oder, dass sie etwas Besonderes gesagt hatte....... Nein. Wahrscheinlich waren es ihre Augen........ Sie war jedoch überhaupt nicht sein Typ.

Wochen später klingelte das Telephon bei Marie und Stefan.
„Hallo?“ brummte Marie in den Hörer. Sie mochte es gar nicht, wenn man sie beim Komponieren störte.
„Hej, hier ist Per Gessle. Erinnerst Du Dich an mich?“
„Oh, hej, klar. Wie geht’s Dir?“
„Prima und Dir? Bist Du gerade beschäftigt? Du klangst leicht genervt.“
Sie musste lachen. „Mir geht’s bestens und ja, ich war mitten in einem neuen Lied.“
„Entschuldige. Ich wollte fragen, ob Du nun mal Lust hast in den Übungskeller zu kommen.“
„Sicher. Wie wär’s mit morgen abend, da sind Martin und Stefan dort?“
„Okay, fein. Also, bis dann!“
„Ja, bis dann.“
Sie hängten auf, Marie mit einem Lächeln, Per mit einem Stirnrunzeln. Er hatte gehofft, sie würde allein kommen. Er wurde noch ärgerlicher, als er sich bei diesem Gedanken ertappte.



2. KAPITEL

Marie fand leicht einen Platz in Halmstad’s Musikszene. Sie passte dazu und wurde bald Sängerin bei Strul. Stefan hatte sie dazu ermuntert und sie immer wieder vors Mikro geschoben. Martin war damit sehr einverstanden. Er dachte, dass Marie eine hervorragende Stimme hatte.

Per und Marie waren inzwischen Freunde. Sie kam oft, auch wenn sie selber gar nicht probten. Meistens fuhr sie mit Per zurück in die Stadt und diese Gespräche im Auto dehnten sich auf eine Kneipe aus. Sie wussten immer, was sie reden sollten. Sie hatten viel gemeinsam und doch nicht alles. Es war herrlich, richtig mit jemandem diskutieren zu können. Sie formten dabei ein Band zwischen sich, das niemals zerstört werden würde.

Gyllene Tider wurden immer erfolgreicher, bekamen links und rechts goldene Schallplatten und Preise. Sie waren „die“ Teenieband und wöchentlich in der Presse.

Strul kamen nirgends hin. Sie vertrugen sich nicht mehr, dass heisst, Stefan und Martin hatten Krach. Marie hielt aber zu Martin, weil er vernünftiger war. Logisch beeinflusste das ihre Liebesbeziehung und das Ende vom Lied war, dass Stefan sich gleichzeitig von Strul und Marie trennte.

Martin war da, um Marie aufzufangen. Er liebte sie schon lange. Sie gründeten zusammen „MaMa’s Barn“. Sie nahmen eine LP auf, die grottenschlecht war und fast keine Verkaufszahlen erreichte.

Dann starb Marie’s Vater an einer Herzattacke. Marie, die Papa’s Mädchen gewesen war, drehte beinah durch. Sie verlor die Lust am Leben, nur die Musik, die sie mit ihm geteilt hatte, hinderte sie daran abzustürzen. Er hätte gewollt, dass sie weitermachte und so tat sie es.

Martin sah es nicht besonders gern, wenn Marie mit Per unterwegs war. Stefan hatte ihm nämlich mal erzählt, dass ihm diese Beziehung nicht ganz geheuer vorkam. Sie gingen vertraut und liebevoll miteinander um, so wie Bruder und Schwester. Wenn sie zusammen waren hätte die Welt um sie herum untergehen können, sie hätten es vor lauter reden nicht gemerkt.

Als Marie eines Abends im November 1981 in den Proberaum kam, lag eine Kassette mit einem Brief von Per auf ihrem Klavier. Er bat sie eine zweite Stimme zu einem Lied zu komponieren.

Sie war gerührt und freute sich. Sie wusste, Per hatte es getan, um sie aufzumuntern und sicher auch, weil er von ihrem Können überzeugt war.

Nach Per’s und M.P.‘s Rückkehr aus dem Urlaub, war Marie bereit zu arbeiten. Sie erzählte nicht, dass Martin richtig gemotzt hatte.

Diese erste Zusammenarbeit zog andere nach sich. Martin kam sich zur Seite gestellt vor. Marie warf ihm vor, keinen Ehrgeiz zu haben, nicht kreativ zu sein. Schliesslich machte sie entnervt Schluss, als sie es satt hatte, ständig seinen Beschuldigungen ausgesetzt zu sein.


3. Kapitel

Marie wurde nun ganz offiziell als Backgroundsängerin bei Gyllene Tider eingesetzt. Sie kam mit allen zurecht, verbrachte auch ihre Freizeit mit den Jungs.

Per war ihre Bezugsperson. Sie war oft bei ihm zu Hause. Sie experimentieren herum, schrieben Musik und Texte, kochten gemeinsam und quatschten sich dusslig.

Marie dachte öfters, dass sie sich eigentlich wie ein platonisches Liebespaar verhielten. Ihr gefiel es gut so, sie fühlte sich beschützt und sicher bei ihm. Per verstand sie einfach.

Per dachte nicht über ihre Beziehung nach. Er war sowieso kein Gefühlsmensch, wollte keiner sein und war der Ansicht, dass er so auch weniger Schwierigkeiten kriegte.

Eines Abends im Winter setzte ein heftiger Schneesturm ein. In Per’s Haus gab es einen Stromunterbruch. Glücklicherweise hatte er schon Kerzen brennen, so dass sie nicht von der plötzlichen Dunkelheit überrascht wurden.

„Schlaf hier auf der Couch heute nacht. Schlimmstenfalls würde ich mit dem Auto im Schnee stecken bleiben“, sagte er.
„Ist gut“, antwortete Marie und gähnte.
„Komm, ich bring Dir Bettzeug.“

Er half ihr das Lager zu richten und gab ihr im Bad eine neue Zahnbürste.

Während dem sie sich die Zähne putzten, begegneten sich ihre Augen automatisch im Spiegel.

Per traf die Erkenntnis wie eine Faust in den Magen.

Er liebte Marie. Gleichzeitig fragte er sich, warum ihn das körperlich schmerzte. Etwa weil er noch nie so empfunden hatte?

Sie sagten Gute Nacht.

Per konnte sich nicht beruhigen. Nach einer Stunde umherwälzen stand er wieder auf und sah nach Marie.

Sie schlief wie ein Engel. Er kniete sich neben die Couch und liess seinen Blick über ihren zierlichen Körper rauf zu ihrem Gesicht wandern. Ihre Wimpern waren ganz dunkel und ihre Lippen ein bisschen geschwollen vom Schlaf.

Jetzt bewegte sie sich und drehte sich voll zu ihm hin, die Fäuste an ihre Brust ziehend. Er wollte sie nicht wecken und küsste ganz leicht ihre Stirn.

„Per?“ wisperte sie undeutlich.
„Alles ok“, flüsterte Per zurück, aber da hatte sie schon ihre Hand auf seine Wange gelegt.

Er konnte nicht mehr anders, als sie voller Zärtlichkeit zu küssen. Marie verstand nicht was passierte. Nach all den Jahren begehrte er sie? Und wie er sie begehrte. Sein Mund war heiss und verlangend. Sie empfand eine angenehme Schwäche in ihren Gliedern. Ihre ehemaligen Liebhaber waren wirklich lieb und aufmerksam gewesen, aber Per schien richtig wild nach ihr zu sein. Er berührte sie überall und bald klammerte sie sich lusterfüllt an ihn.

Er hatte keine Eile zum Akt zu schreiten, obwohl er sehr erregt war und sie das auch spüren liess. Sie streichelte und küsste ihn ebenso leidenschaftlich. Er mochte ihr leises Stöhnen und wäre fast so gekommen, als sie ihn mit Worten aufforderte, sie zu nehmen.

Als er in sie eindrang, schrie sie auf und Per fragte sie entsetzt, ob er ihr weh getan hätte, aber Marie lachte bloss und zog ihn noch tiefer in sich hinein.

Sie verloren beide die Fassung und hätten im Orgasmus fast die Couch gestürzt.

„Darf ich Dir was verraten?“ fragte Marie, nachdem sie wieder einigermassen bei Atem waren.
„Mhm?“
„Es war noch nie so für mich.“ Sie seufzte.
Per errötete. „Äh, freut mich, dass es Dir gefallen hat. Du bist sehr schön, Marie, ich meine alles an Dir finde ich schön. Es hat nichts mit Romantik zu tun, es ist nur eine Feststellung. Willst Du mit mir duschen?“

Marie hätte fast gekichert. Per war verlegen....
„Klar“, antwortete sie und gab ihm einen Kuss auf die Schulter.

In der Dusche zeigte sie ihm dann, was sie mit ihm machen konnte. Per dachte, er müsste in Ohnmacht fallen, er zitterte derart unter ihrer Schmetterlingszunge und den zarten Lippen, die ihn geradewegs ins Paradies führten.

Natürlich schlief Marie den Rest der Nacht bei ihm, wenn sie schliefen....... und am nächsten Morgen verbarg Per seine Freude nicht, mit ihr an seiner Seite aufzuwachen.

In den folgenden Wochen waren Per und Marie nach aussen hin weiter Freunde. Nur M.P., der Per sehr gut kannte, merkte, dass die beiden ein Liebespaar waren. Er hatte eine schreckliche Ahnung, dass Per Marie sehr verletzen würde. M.P. wusste, dass Per eigentlich Angst hatte, einer Frau zu nahe zu kommen. Bei Marie hatte er sich wohl einfach nicht länger beherrschen können, war die Sehnsucht nach ihr zu gross geworden. Per liebte Marie und Marie liebte Per, dessen war er sich sicher.

Per versuchte es Marie zu erklären. Sie sassen in seinem Auto, direkt am Strand.
„Du bist die allerwichtigste Person in meinem Leben, mit M.P.. Ich könnte mir nie vorstellen ohne Dich zu sein, Marie, aber eine Beziehung hält meistens nicht. Deshalb denke ich, es wäre das Beste, wenn wir wieder nur Freunde sind. Ich will Dich niemals verlieren. Ich brauche Dich. Ist es möglich für Dich? Verstehst Du was ich meine?“

Marie starrte ihn an. „Ja, ich verstehe, aber wieso denkst Du, dass wir nicht glücklich bleiben?“
„Schau Dich um, überall nur Schmerz und Trennung. Ich will das nicht, ich will Dich behalten.“
„Aber Du trennst Dich gerade von mir!“ Sie fing an zu weinen.
„Oh, nein, ich liebe Dich, Marie!“ Er nahm sie in seine Arme. Er hatte so gehofft, dass es funktionieren würde.


In dieser Nacht liebten sie sich mit mehr Innigkeit und Intensität denn je zuvor.

Als Per erwachte, war Marie weg. Ein Brief lag auf dem Nachttisch.

„Mein Liebling,
ich gehe zu meiner Mutter für einige Zeit, um Abstand zu gewinnen. Was Du gestern gesagt hast, macht tatsächlich Sinn. Ich will Dich auch nicht verlieren. Gib uns Zeit uns an die neue Situation zu gewöhnen.

Immer,
Deine Marie“


4. Kapitel


Marie hatte Lasse Lindbom, den Produzenten von Gyllene Tider schon oft getroffen.

Als dieser dann eine Duett-Partnerin für einen Song suchte, empfahl ihm Per Marie. Wie jede Sängerin musste sie zuerst Vorsingen, wobei sie äusserst nervös und zappelig war, 50x auf’s Klo raste und sich verzweifelt weg wünschte.

Den Job bekam sie, weil sie am Berührendsten sang. Lasse war echt begeistert von ihr. So begeistert, dass er mit ihr eine ganze Platte aufnehmen wollte.

Marie bekam einen Vertrag mit EMI Svenska AB und zog um nach Stockholm.

Sie hatte Per nur ein paar Mal noch gesehen, bevor sie Halmstad verliess. Sie hatten versucht Spass zu haben und wie früher zu diskutieren, aber es funktionierte nicht. Gerade das, was sie hatten vermeiden wollen, war nun zwischen ihnen. Eine vergangene Beziehung. Schlimmer war, dass sie sich wieder geküsst hatten. Marie war völlig durcheinander und Per ging es nicht besser. Sie entschuldigten sich beieinander, jedem brach es das Herz.

Per kam mit an den Flughafen, sagte dabei gleich M.P. , der dort arbeitete, hallo und umarmte Marie ganz fest zum Abschied.

Lasse merkte Marie an, dass sie Kummer hatte, aber er fragte nie nach dem Grund. Er lenkte sie mit Arbeit ab und er ging viel mit ihr aus. Er war ziemlich schnell verliebt in sie, aber es dauerte über ein halbes Jahr, bis sie ihn erhörte.

Per war natürlich zur Release-Party für die Platte eingeladen. Als er in Begleitung von Anders das Lokal betrat, fiel sein erster Blick auf Lasse und Marie, die in einer Ecke standen und sich fest hielten. Am liebsten wäre er hingestürmt und hätte Lasse einen Kinnhaken verpasst. Was zum Teufel tat er da mit Marie? Aber Marie lächelte Lasse an und streichelte seine Wange. Sie hatte sich schnell getröstet, dachte Per ungerechterweise.

Marie war darauf gefasst, dass Per etwas zu ihr sagen würde wegen Lasse, aber Per spielte (Marie wusste, dass er spielte) den perfekten Freund und Gentlemen. Ein einziges Mal ertappte sie ihn, wie er sie ansah, mit einer Mischung aus Wut und Schmerz. Sie wurde rot und wandte sich ab. Danach verabschiedete Per sich ziemlich rasch. Er ertrug es nicht mehr mit ihr in einem Raum zu sein.

Die Platte wurde ein voller Erfolg. Lasse und Marie beschlossen sofort nach Ende der Promotion-Tour mit der Arbeit am 2. Album zu beginnen. Sie flogen nach Gran Canaria und verbrachten herrliche 5 Monate dort.

Das Material, das sie mit zurück nach Schweden brachten, war so gut, dass die neue Platte noch grösseren Anklang fand, als das 1. Album.

Weniger toll war, dass Marie und Lasse ihre Beziehung beendeten, nachdem die Platte fertig war. Sie waren sich zum Schluss richtig auf die Nerven gefallen, hatten zu eng aufeinandergeklebt, praktisch im Studio übernachtet, keine Zeit mehr für anderes und auch Ihre Beziehung gehabt.


Per erfuhr von Lasse, dass mit Marie Schluss war. Natürlich musste er so tun, als wenn ihn das nicht sonderlich interessieren würde. In Wahrheit war er aber in einem richtigen Dilemma. Er hatte eine neue Freundin. Sie hiess Åsa Nordin und er war ihr in einem Lokal von Freunden vorgestellt worden. Er hatte sie hinreissend gefunden und Åsa schien es bei ihm ähnlich zu gehen, denn schon nach zwei Wochen hatten sie beschlossen zusammen zu sein.

Åsa war jemand, der keine Ansprüche stellte, eine ruhige, aufgeräumte Persönlichkeit mit einem stillen Sexappeal, der sich hauptsächlich auf ihrem schönen Gesicht widerspiegelte. Sie liebte Per einfach wie er war und unterstützte ihn in allem, obwohl sie sich nicht sonderlich für seine Art von Musik begeisterte. Für den stolzen Per eine Aufgabe, seinen Schatz vom Gegenteil zu überzeugen, die er gern in Angriff nahm.

Und nun hörte er, dass Marie wieder allein war. Die Sehnsucht nach ihr überfiel ihn heftig. Er wollte mit ihr reden, in ihre Augen sehen und sie...... trösten. Es kam gar nicht in Frage. Er würde wie ein Volltrottel da stehen. Er war sich nicht mal mehr sicher, ob sie ihn noch mochte.

Wochen später, Marie hatte ihre Promotiontour für „den 7de vagen“ beendet. Es war grässlich gewesen mit Lasse zusammen zu reisen. Sie waren sich aus dem Weg gegangen wo es nur ging.

Als Marie heimkam, war sie seelisch und körperlich auf dem Tiefpunkt. Per wusste das nicht und glaubte sogar, es wäre ein guter Zeitpunkt, seiner alten Freundin einen Besuch abzustatten.

Er klingelte und musste eine ziemliche Weile warten, bis sie öffnete. Sie sah aus wie ein gerupftes Huhn, die Augen verquollen, ein alter Baumwolltrainer schlotterte um ihre schmale Figur.

„Was tust Du hier?“ fragte sie ihn mit noch vom Schlaf belegter Stimme.
„Nach Dir sehen! Darf ich reinkommen?“
Sie nickte fast unmerklich und tapste zurück in die Wohnung, geradewegs in ihr Schlafzimmer. Per sah wie sie sich unter die Decke kuschelte und setzte sich ohne zu denken neben sie.
„Hältst Du mich fest?“ fragte sie leise.
Per streifte sich die Schuhe von den Füssen und legte sich neben sie. Wie ein kleines Kind schmiegte sie sich an ihn, ihre Fäuste in seinen Pulli gekrallt. Er merkte erst nach ein paar Minuten, dass sie schon wieder eingenickt war. Er lächelte. Sie vertraute ihm nach wie vor. Er schnupperte an ihrem Haar und dachte, wie er früher seine Hände darin vergraben hatte. Irgendwann schlief er selbst ein.


Marie erwachte in der Morgendämmerung. Ihre Nasenspitze war eisig kalt, aber der Rest ihres Körpers lag fest eingepackt in Pers Arme und die Decke. Schnell überlegte sie, was gestern abend passiert war. Nichts! Erleichtert schloss sie die Augen wieder, schlummerte weiter.

Das zweite Aufwachen liess sie sofort erstarren. Pers schneller Atem löste ein gefährliches Schwächegefühl in ihr aus und als sie seinen unwiderlegbar erregten Penis an ihrem Po spürte, wurde ihr Atem genauso schnell.
„Schläfst Du?“ wisperte sie mühsam, in der Hoffnung auf Rettung.
„Nein“, antworte Per und seine linke Hand wanderte auf ihren Bauch, den er vorsichtig rieb und massierte.
Etwas Unbeschreibliches ging in ihm vor, als er spürte wie sich ihre Muskeln zusammenzogen und Marie aufkeuchte.
Er schob mit der rechten Hand ihr Haar im Nacken hoch. Marie liess ihn das tun. Sie konnte es kaum erwarten, dass er sie auch dort berührte. Er leckte die empfindliche Stelle, die nur er kannte und Marie presste sich näher an ihn.
Dann drehte sie sich um und ihr Mund überraschte ihn mit einem sinnlichen, versprechenden Kuss. Das tat so gut, dass sie beide stöhnten.
„Fass mich an“, forderte sie ihn auf; „überall, bitte!“
Per liess sich das nicht 2x sagen. Sekunden später lag sie nackt vor ihm und er sah ihr in die Augen, damit sie begriff, was es für ihn bedeutete. Sie wurde rot und sagte tonlos seinen Namen.
Mit aller Beherrschung die er aufbringen konnte, streichelte er ihren Körper. Sie küssten sich immer wieder und die Küsse wurden verzweifelter.
„Jetzt Marie“, bettelte er, weil ihm schon alles wehtat vor Anspannung.
„Ich will Dich haben“, sagte die. Nun brauchte er nicht mehr zu warten. Mit einem zufriedenen Grollen stiess er tief in sie hinein und lächelte als sie zusammenfuhr und den Kopf in den Nacken warf. Bald schlangen sich ihre Beine um seinen Po und sie kam ihm mit jeder Bewegung entgegen. Er liebte es wie ihr Orgasmus begann. Sie holte dann immer einmal tief Luft, ihr Rücken bog sich durch und er konnte hören, wie intensiv sie kam. Es war doppelt schön, weil Pers Welle Marie nochmal mitriss.

Sie lagen zueinander gekehrt und schauten sich an. Marie lächelte und brachte Per auch dazu.
„Was?“ fragte er.
„Es geht mir viel besser als gestern und das ist Dein Verdienst. Danke, ich fühle mich wieder wie eine richtige Frau.“
„Mhm. War’s so schlimm?“
„Am Schluss schon und die anschliessende 3-wöchige Promotour half nicht eben. Wir könnten uns die Augen auskratzen im Moment, aber nun werden wir uns Gott sei Dank lange nicht mehr sehen. Sag mal, willst Du Kaffee? Ich bin hungrig und durstig. Du nicht?“ Sie krabbelte vom Bett.
„Doch. Hast Du alles im Haus?“
„Ja, komm, steh auf!“
Sie marschierte in Richtung Dusche und liess einen reichlich verwirrten Per zurück.

Sie tat, wie wenn es die coolste und normalste Sache gewesen wäre mal eben mit ihm Sex zu haben. Keine Tränen, kein Seufzen, nur ein freches Lächeln. Natürlich hielt Per die Klappe und fragte nicht.

Marie war lang nicht so unberührt wie es für ihn schien, aber sie wollte Per nicht in die Bredrouille bringen mit einer herzzereissenden „Bleib bei mir“-Szene. Zwar wäre es die Wahrheit gewesen, der Gedanke, dass er am Abend wieder bei Åsa sein würde, schnürte ihr die Kehle zu, aber sie dachte an ihre Freundschaft. Sie wollte sich, trotz dieses Ausrutschers an ihre Vereinbarung halten.

Einige Wochen später war Marie wieder in Halmstad. Sie hatte dort noch viele Freunde und besuchte sie reihum. Bei der Gelegenheit stellte Per Åsa und Marie einander vor. Beide wollten sich verstehen und beide waren überrascht, wie einfach das war und wie sehr sie sich spontan mochten. Marie hörte, wie „plop“ der Stein von Per’s Herzen fiel. Sie lächelte ihn an und er grinste zurück.

Per hatte ein neues Lied geschrieben für sein 3. Soloalbum. Es hiess „Svarta glass“ und war ein richtiger Ohrwurm. Jeder dem er es vorspielte war begeistert, auch Marie.

Sie sassen bei einer Flasche Bier im Pub und Marie erzählte ihm glücklich von ihrem neuen Freund Pelle Andersson, den sie eigentlich schon eine Weile kannte. Pelle war der Drummer in der Band seit ihrer letzten Platte „Den sjunde vagen“. Sie erzählte Per nicht, dass Pelle sie schon kurz nach der Nacht mit ihm besucht hatte. Sie wusste, dass Pelle in sie verknallt war und sie hatte es genutzt. Sie mochte Pelle und er war kein schwieriger Mann. Per hörte aufmerksam zu. Er fragte sich innerlich, wann dieses blöde Gefühl verschwinden würde, dass ihn jedes Mal überkam, wenn Marie von einem anderen Mann redete.

Um auf ein anderes Thema zu kommen, fragte er Marie, ob sie nicht Lust hätte mit ihm das Lied in Englisch zu singen.
„Auf deiner schwedischen Platte?“
„Nein, nur so, eine Singel, könnte doch ein Sommerhit sein, oder?“
„Ah, und hast du einen Text?“
„Bis morgen hab‘ ich einen. Aber ich gebe dir zwei Wochen Zeit zum Überlegen, ok? Denk gut nach. Ich habe so eine Ahnung, als wenn wir bei einem Meilenstein angelangt wären.“
„Du meinst, wenn wir gross rauskommen, machen wir zusammen weiter?“
Per schenkte ihr ein zärtliches Lächeln. „Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen. Du?“
Sie schüttelte schnell den Kopf. „Wir haben doch früher schon davon geträumt...“
„Genau. Und wer sagt, dass Träume nicht wahr werden können?“
Marie stimmte ihm zu und dachte an einen ganz anderen Traum.


Die meisten ihrer Freunde und Bekannten fanden die Sache mit dem Duett höchst riskant. Marie war in Schweden ein Star und falls sie mit Gessle floppte, würde es auf ihre Solo-Karriere Schatten werfen.

Sie liess sich nicht beirren und als die zwei Wochen um waren, traf sie sich mit Per zum Essen in einem feinen Stockholmer Restaurant. Es war ihr Vorschlag gewesen und Per befürchtete, dass dies kein gutes Zeichen war.

Natürlich kam er wie immer zu spät und sie sass an einem 2-er Tisch, ein Glas Wodka-Orange vor sich. Als sie ihn erspähte, strahlte sie ihn an.
„Hej, nur 15 Min! Du wirst immer besser“, begrüsste sie ihn.
„Hej“, antwortete Per und zog seine Jacke aus.
Die Bedienung kam und er bestellte das Gleiche wie Marie.
Marie öffnete den Terminkalender und nahm einen Kuli zur Hand.
„Wann fangen die Aufnahmen an?“ fragte sie.
„Oh Gott“, entfuhr es Per, „Du machst es! Ich schwöre Dir, das wirst Du nie bereuen!“
Sie kicherte. „Wie süss, das zu sagen. Ich habe Hunger. Was isst Du denn?“

Schlussendlich hiess der Song „Neverending Love“ und Marie fand, dass er englisch noch besser klang. Sie mochte den Text und sie mochte das Gefühl ihn mit Per zu singen. Als Bandnamen wurde „Roxette“ verwendet, der gleiche Name, den Gyllene Tider in Amerika gebraucht hatten, als sie dort „heartland café“ rausbrachten.

Sie überzeugten ganz Schweden mit diesem Lied und wurden Nr. 1 in der Hitparade.

In den darauffolgenden Monaten schrieb Per wie verrückt, um Material für ein Album zusammen zu tragen.

Auch Jahre später noch waren viele Lieder populär von dieser ersten Roxette-Platte, nicht zuletzt „from one heart to another“ oder „i call your name“.

Als die Promotiontour begann, waren es zwei happy Paare (Marie+Pelle, Åsa+Per) und diverse Musiker, die den stressigen Ablauf auf sich nahmen. Nicht alles funktionierte auf Anhieb, doch sie lernten aus ihren Fehlern und hatten eine gute Zeit.

Im Sommer 87 traten sie das erste Mal live auf. Wieder eine Gelegenheit Erfahrungen zu machen und zwar hinsichtlich der Liederfolge......

Marie hatte währenddessen eine Solo-Platte im Kopf, für die sie während ihren Reisen komponiert hatte. Jetzt rief sie Lasse ihren Ex-Freund an und bat ihn, sie zu produzieren. Sie redeten inzwischen wieder miteinander und ihre alte Freundschaft stellte sich ein.

„Efter stormen“ war ein Meisterstück und katapultierte Marie wieder an die Spitze in Schweden. Im Februar 88 machte sie allein eine Tour, die viele Menschen begeisterte. Privat ging es ihr mit Pelle gut. Sie waren schon mehr als 3 Jahre zusammen.

Per sass nie untätig rum. Sofort nach der Sommer-Tour begann er wieder für die nächste Platte zu planen. Er nahm ständig Rücksprache mit Marie. Sie telephonierten täglich und manchmal redeten sie nur über das Glück, dass sie erlebten.

Mitte des Jahres kamen sie ins Studio und nahmen auf. Der Produzent war ein gewisser Clarence Öfwerman, ein Neuling, jedenfalls für Per und Marie. Er brachte seine eigenen Musiker mit Pelle Alsing an den Drums und Stefan Öfwerman, an der Gitarre, der auch noch zufällig sein Bruder war.


Nun hatte Marie ein richtig schlimmes Problem. Der Vertrag von Pelle war nicht verlängert worden. Marie konnte sich nicht für ihn wehren, sie war einfach überstimmt worden. Trotzdem gab Pelle ihr die Schuld. Nach ein paar Wochen fruchtloser Diskussionen, Tränen und Versuchen, ihre Beziehung zu kitten, verliess er Marie.
Diesmal jedoch, anders als bei Lasse, hatte Marie so gut wie keinen Liebeskummer. Sie fand Pelle bloss doof.

Die Arbeit am neuen Album ging zügig voran. Das Cover und auch die Hülle für die Scheibe waren ein Kunstwerk. Marie wirkte sehr sexy auf dem Photo. Sie und Per waren begeistert vom Resultat.



Automatisch wanderte „The Look“ an die Spitze der schwedischen Hitparade.
Aber wirklich nur in Schweden. Es fand sich jedoch ein amerikanischer Student namens Dean Cushman dort, der die Platte mit heim nahm und sie dort an die lokale Radiostation schickte. Der Rest ist Geschichte.

Am 28. März 1989 rief Per Marie spät abends an. Sie war allein zu Hause, lag im Bett und las, als das Telephon auf dem Nachttisch klingelte.

„Hallo?“
„Hi, ich bin’s. Sitzt Du?“
„Hi! Nein, ich liege im Bett. Was ist passiert? Doch nichts Schlimmes?“
„Marie, wir sind auf Platz 1 in den Billboard Charts.“
„Wie bitte?“
„Wir sind Nr. 1 in Amerika!“
„Oh Gott!“
„Bist Du okay? Du fällst jetzt nicht in Ohnmacht?“
„Nein, nein, obwohl mir schwindlig ist. Per!“
„Ja, mir geht’s auch so! Morgen gleich mit dem ersten Flieger komm ich nach Stockholm und dann fangen wir an zu planen.“
„Kannst Du nicht jetzt kommen? Ich steh auf und rufe alle an. Dann schmeissen wir eine Party im Opera!“
Das klang wunderbar. „Ich versuch’s, ok?“
„Bitte! Und... ich liebe Dich, tschüss!“ Sie hängte den Hörer auf, bevor er noch was sagen konnte. Sie war heftig errötet. Wieso war ihr das jetzt rausgerutscht? Seit ein paar Wochen war sie doch mit Thomas Erdtman zusammen, der ihr Manager geworden war und eigentlich war sie zur Zeit richtig verknallt.


Die Fete war in vollem Gang, als Per morgens um 2.00h eintraf. Jeder umarmte und küsste ihn, stiess mit ihm an. Marie sass zwischen Per und Thomas, über dem Erdboden schwebend.

“Ich möchte mit Dir allein reden“, flüsterte Per Marie unter all dem Krach zu.
„Ja, ich auch”, antwortete sie.
Sie gingen raus zu Per’s Auto.
“Sollen wir eine Runde fahren?” fragte er.
“Na, das wäre nicht so gut, Du bist halb betrunken!”
Er grinste. “Du hast Recht, komm, setzen wir uns nach hinten!”

Marie wusste nicht, warum ihr Magen einen komischen Hopser machte, fand das aber gleich heraus, als Per sie sofort an sich zog und ihr einen langen, berauschenden Kuss gab.

Sie starrte ihn danach sprachlos an und er musste lachen.
„Ich bin einfach so glücklich!“
„Ja“, sagte Marie, „ich auch.“
„Jetzt werden wir berühmt.“
„Und reich“, spöttelte sie.
Sein Blick wurde ernst.
„Nicht über Geld reden, ok? Das Wichtigste sind die Menschen, die unsere Musik mögen, oder?“
„Aber Per, ich meinte das wirklich ironisch.“ Sie legte begütigend eine Hand auf seine Brust.
„Hm. Und, äh, was hast Du da eigentlich am Telephon zum Schluss gesagt? War das auch ironisch gemeint?“
Marie schüttelte den Kopf. „Hörte sich das so an?“
Er legte seine Hand über ihre. „Warum hast Du es gesagt?“
„Aus dem Moment heraus. Können wir jetzt zurück zu den anderen gehen? Die vermissen uns. Ich will nicht, dass Thomas auf falsche Gedanken kommt.“
Die ängstliche und zugleich verlegene Hast in ihrer Stimme löste ein derart blödsinnig seeliges Gefühl in ihm aus, dass er sich schämte.
„Komm, auf ein weiteres Glas Champagner“, antwortete er ohne sie anzusehen.
Sie stieg vor ihm aus und konnte so ganz schnell ein paar Tränen wegwischen.

Nach den diversen Feiern wurde schnell eine Promotion-Tour arrangiert. Dementsprechend lausig waren die Hotels. Sie traten in albernen Shows auf, aber der Effekt war ausschlaggebend. Jeder halbwegs trendige Teenager und so mancher Erwachsene wusste danach wer Roxette ist.




Der Vertrag mit Thomas Erdtman, ihrem Manager, der zugleich auch immer noch Marie’s Freund war, stand kurz vor dem Ende.

Als Per der neue Entwurf zugesandt wurde, sass er gerade in der Badewanne. Åsa brachte ihm die Papiere und ein paar Minuten später hörte sie ihn schallend lachen.

„He, Åsa. Der ist völlig übergeschnappt! Wo sind wir denn hier, im Wilden Westen?“

Sie kam wieder herein. „Was ist?“

„Lies mal.“ Sie vertiefte sich in die Lektüre.
„Knebelvertrag“, sagte Åsa dann und sah ihren Liebsten an.
„Bring mir doch bitte das Telephon, ich muss Marie anrufen!“

Marie war allein daheim, Thomas war noch im Büro.
„Hast Du schon gelesen?“ fragte Per sie.
„Ja“, sagte sie ärgerlich.
„Es tut mir so leid für dich.“
„Er ist ein Arsch. Ich mach’ noch heute abend Schluss mit ihm.“
„Besonders schlimm ist das aber nicht für Dich, wenn ich das richtig mitkriege, oder? Ich habe eh nicht verstanden, warum Du überhaupt mit ihm zusammen bist. Du hast einen besseren Mann verdient!“
Am anderen Ende der Leitung blieb es für einen Moment sehr still.
„Ach und Du kannst das auch tatsächlich beurteilen, Per?“ fragte sie sanft. Eine Ohrfeige hätte nicht effizienter wirken können.
„Entschuldige“, erwiderte Per und wurde knallrot.
„Also, was machen wir wegen dem Vertrag?“
„Lass uns das von Angesicht zu Angesicht besprechen. Kann ich rüberkommen?“
„Okay“, antwortete sie widerwillig.
Per seufzte innerlich. Warum hatte er bloss seinen Mund nicht halten können?

Als er bei ihr ankam stand die Spannung greifbar im Raum. Er suchte nach einem Weg sie um Verzeihung zu bitten, ohne sie dabei noch mehr zu verletzen.

Sie sassen schweigend beim Kaffee, als Per plötzlich nach ihren Händen griff.

„Ich verspreche Dir, dass ich nie mehr so etwas sagen werde! Es war nur, weil ich mich um Dich sorge. Aber jetzt verspreche ich es Dir. Bist Du mir wieder gut, ja?“

Marie versuchte sich loszumachen, aber er liess sie nicht.

„Ist schon gut“, murmelte sie schliesslich.
„Lächle mich an!“
Statt dessen brach sie in Tränen aus.
„Mist, oh, Mist“, rief Per und kam um den Tisch herum.
„Fass mich nicht an, wage es nicht mich anzufassen! Ich hasse Dich! Warum haltet ihr Männer mich immer für euren persönlichen Fussabtreter? Steht auf meiner Stirn „DOOF“ geschrieben? Hm?“
„Hör sofort auf! Erstens weisst Du genau, wie intelligent Du bist und zweitens verbiete ich Dir, mich in den selben Topf mit Deinen Ex-Freunden zu werfen!“ brüllte Per jetzt auch.

Marie stürmte aus dem Zimmer, Per hinterher. Sie knallte ihm fast die Schlafzimmertür ins Gesicht. Er sah nur noch rot.

Marie hatte sich bäuchlings aufs Bett geworfen und Per drehte sie mit einem Griff auf den Rücken.

„Ich rede mit Dir!“ herrschte er sie an, über ihr aufragend wie ein Riese verglichen mit einer zarten Waldelfe.

„Fahr zu Hölle!“ krächzte sie und schubste ihn.
„Du kommst mit dahin!“ versetzte er.

Marie wusste sofort was er im Sinn hatte, wollte schnell aufstehen, aber er stiess sie aufs Bett zurück, kletterte zu ihr, hielt ihr die Arme über dem Kopf fest.

„Ich will das Du mich ansiehst, schau mir in die Augen und sag nein!“

„Wie ich Dich hasse!“ flüsterte sie und verfluchte ihren betrügerischen Körper, der unmissverständlich auf Per reagierte.
„Du wiederholst Dich!“

Er senkte den Kopf und küsste die blosse Haut zwischen ihren Brüsten, die er so gut erreichen konnte, weil sie nur ein Top trug. Die Leidenschaft durchfuhr sie wie ein Feuerblitz. Warum war das hier nur so wundervoll, egal wie die Umstände aussahen?

„Ich möchte Dich berühren“, murmelte Marie nach einer Weile zärtlicher Tortur. Ein bisschen misstrauisch befreite er eine Hand und diese krallte sich sofort in sein schwarzes Strubbelhaar. Sie zog ihn damit hoch, um ihn endlich richtig küssen zu können.

„Autsch“, jammerte er an ihren Lippen und sie biss ihn auch noch und liess dann ihre Zunge in seinen Mund gleiten. Er merkte nicht mal, dass er ihre andere Hand ebenfalls losliess, seine Knochen waren wie Gelee. Marie verwöhnte ihn sehnsüchtig.

Alle Gedanken an Rache und Überlegenheit waren wie weggeblasen. Es war einfach nur schön, einander langsam auszuziehen, sich zu lieben und zusammen einen nötigen, heftigen Höhepunkt zu erreichen.



„Willst Du darüber reden, Marie?“ fragte er sie, die noch immer an ihn geschmiegt lag.
„Nein“, antwortete sie.
„Bist Du mir böse?“
„Sicher nicht! Was passieren muss, passiert.“
Per barg sein Gesicht in ihrer Halsgrube. „Ich fühl mich nicht so gut.“
Jetzt lachte sie leise. „Du Spinner, brauchst wirklich kein schlechtes Gewissen zu haben!“ Sie gab ihm einen Kuss.
Er sah sie an. „Ich versuch’s.“

Später gingen sie noch auf ein Bier und am Abend warf Marie Thomas raus. Er wollte mit ihr reden, aber sie lächelte ihn bloss an und wartete, dass er endlich verschwand.



Roxette begannen am neuen Album zu arbeiten.

Die Aufnahmen verliefen störungsfrei. Jedoch die richtigen Songs rauszupicken war schwierig. Per hatte so viele tolle Lieder geschrieben.

Marie war zur Zeit etwas überrascht, aber glücklich mit ihrem neuen Freund. Er hiess Johan Kinde und war auch Sänger. Sie hatte nicht gedacht schon so bald wieder jemanden zu finden, der zudem auch noch wirklich nett war. Er hatte ein fröhliches Temperament und verstand Marie in ihrem Wesen.

Ihre Beziehung blühte während der Zeit im Studio auf. Sie waren beide aktiv und sich durch den gemeinsamen Beruf unheimlich nah. Sie hatten gemeinsame Freunde und Per mochte ihn auch.

Manchmal besuchte Marie Johan bei seinen Bandproben, doch auf den dunkelhaarigen, feschen Klavierspieler namens Mikaël Bolyos wurde sie nicht besonders aufmerksam. Klar merkte sie, dass er ein Virtuose am Piano war und gut aussah, mehr aber auch nicht. Einmal spielte sie am Keyboard und er lobte sie. Marie schenke ihm daraufhin ihr schönstes Lächeln. Dass sie ihm damit eine schlaflose Nacht bescherte, konnte sie nun wirklich nicht ahnen.

Johan und Marie lebten sich auseinander, als Roxette auf Promotion für Joyride ging. Johan konnte nicht mit und das Telefon reichte nicht, um ihre Beziehung zu halten.

Johan verliess Marie für ein junges Fotomodell.

Ihr Herz kriegte einen Riss und Marie Depressionen. Sie fühlte sich alt und hässlich. Sie trank über den Durst, rauchte mehr denn je und weinte sich nachts in den Schlaf. Ihre ganze Umgebung war sehr besorgt um sie, allen voran Per und Åsa.

Als sie wieder daheim waren, begann Marie eine Therapie, in der sie ihre Probleme bezüglich Männern und ihrer Karriere zu lösen versuchte.

Der Psychologe war fähig ihr zu helfen. Marie ging es langsam besser. Das einzige Tabu-Thema war Per. Sie weigerte sich über ihn, ihre Gefühle für ihn und ihre Beziehung zu reden. Ihr Therapeut warnte sie jedoch, dass sie irgendwann in ihrem Leben mit den Tatsachen konfrontiert werden würde. Welche, musste er ihr dann aber nicht erklären, das wusste sie natürlich.

Roxette sollten nun eine Welt-Tournee machen. Vorbereitungen und Proben begannen.

Die Tour wurde ein voller Erfolg. Das Publikum begrüsste sie überall mit Jubel und wärmstem Applaus.

Backstage und in Hotelräumen war das Leben natürlich Chaos. Per und Åsa hatten einander. Sie halfen sich mit dem immensen Druck fertigzuwerden. Åsa war sein ruhender Pol, seine Stütze mit ihrer liebenden, beruhigenden Art.

Marie hatte einen alten Freund aus Halmstad namens Ulf gefragt, ob er ihr Assistent sein wollte. Doch konnte sie ihn nachts nicht festhalten oder ihre Spannungen loswerden.

Wenn es allzu schlimm wurde suchte sie Streit mit Per. Der liess sich nicht lumpen. Es ging nie um wichtige Dinge. Sie kabbelten sich wie ein altes Ehepaar und brachten die anderen zum lachen.

Per beklagte sich bei Åsa über Marie, über ihre Launen, ihr freches Mundwerk und ihr Talent immer das von ihm zu bekommen, was sie sich in den Kopf setze. Sie liess sich von ihm nicht ein X für ein U vormachen.

Åsa hörte zwar zu, gab aber nie einen Kommentar ab. Sie wusste, dass Per seine Freundin Marie liebte, komme was da wolle. Auf Marie konnte er sich verlassen, was eine Seltenheit war, besonders wenn es um Geld und Erfolg ging.


In Sidney sollte sich Marie’s Leben für immer verändern.

Mikaël Bolyos hatte sich schon in Marie verliebt, als sie noch mit Johan ging. Sie war so eine grosszügige, feine Frau in seinen Augen. Er mochte wie sie redete, wie sie sich bewegte, lachte und ihr Gesang ihm Gänsehaut verursachte. Neidisch hatte er zugesehen, wenn Johan sie zärtlich küsste. Innerlich knurrte er. Sie gehörte zu ihm.

Doch irgendwie hatte er gewusst, dass seine Zeit kommen würde. Marie war wieder Single und er hatte Kinde’s Band verlassen. Nichts stand ihnen mehr im Weg.

Zufall war es, dass er Pelle Alsing, den Drummer von Roxette sehr gut kannte. Pelle lud ihn ein, auf seinem Australien-Trip doch beim Gig vorbeizuschauen. Das musste man Micke nicht 2x sagen.

Er hoffte nur, dass Marie sich freuen würde ihn zu sehen.

Sie machten grade den Soundcheck. Marie sang, wanderte auf der Bühne herum, als sie plötzlich ein bekanntes Gesicht entdeckte. Was machte Micke Bolyos hier? Und warum fühlte sie sich unbehaglich und verlegen?

Er lächelte sie an, sagte hi, mit seinen warmen Augen und guckte ihr aufmerksam zu.
Als die Musik aufhörte ging er rüber zu Pelle.

Marie stand am Buffet und nahm sich was zu trinken.
„Hallo“, sagte Micke plötzlich neben ihr.
„Hallo! Möchtest Du auch Wasser?“ fragte sie schüchtern.
„Klar, danke. Wie geht’s Dir?“
„Prima und Dir?“ Marie reichte ihm einen Becher Eiswasser.
„Australien ist toll, ich war vorher nie hier.“ Er trank schnell und durstig aus. Marie merkte, wie sie ihn anstarrte. Er war so gut gebaut und männlich.
„Für mich ist es auch der erste Aufenthalt hier“, sprach Marie hastig weiter.
„Sag mal, hast Du Lust mit mir später auf Sightseeing-Tour zu kommen? Bei meinem Hotel kann man private Fahrer mieten, die einem wirklich individuell die Gegend und Plätze zeigen.“ Micke hielt förmlich den Atem an, als er auf Marie’s Antwort wartete.

„Kommt sonst noch wer mit?“ Ihre Stimme war nicht ganz sicher.
Micke sah sie an. „Nein, nur Du und ich, wenn Dir das recht ist.“
Jetzt wurde Marie rot. „Okay.“
„Ich hol Dich um 7 Uhr vor dem Hotel ab.“
„Gut.“

Sie schaute ihm nach und er drehte sich noch ein paar Mal um. Jedes Mal klopfte Marie’s Herz schneller.

Die Proben gingen weiter. Marie befand sich in einer Art Schwebezustand. Sie sang the big love und dachte bloss an Micke. War er etwa auch wegen IHR nach Australien gekommen?

Bevor er wieder weggegangen war, hatte er mit niemand anderem mehr geredet, ausser mit Pelle.

Jeder der Band hatte voll mitgekriegt, was da zwischen Marie und Micke abgelaufen war.

Per machte sein Pokergesicht und war hin- und hergerissen, zwischen Angst, Eifersucht, Wut und widerwilliger Hoffnung, Marie könnte nun Mister Right gefunden haben.

Marie und Micke verbrachten eine himmlische Zeit. Sie redeten Non-Stop, lachten, flirteten. Dies alles mit instinktivem Wissen, dass sie nun nicht mehr allein durchs Leben gehen mussten.

Micke brachte Marie ins Hotel, bis vor die Zimmertür.
„Es war genauso wie ich es mir vorgestellt hatte“, sagte er leise.
„Wie meinst Du das?“ fragte sie verwundert.
„Du bist immer noch die Frau, die ich in meiner Erinnerung habe.“
„Was immer das heisst“, witzelte sie.
„He, mir ist das ernst. Ich möchte Dich in Schweden wiedersehen, bald.“
Enttäuschung stand Marie mitten ins Gesicht geschrieben, aber sie nickte.
„Sicher“, murmelte sie.
„Es wird mir wie eine Ewigkeit vorkommen, weisst Du.“ Er nahm ihre Hand in seine, schaute sie wieder an.
„Wie lange bist Du in Sidney?“ fragte sie und ihr wurde ganz warm von seiner Berührung.
„Bis ihr hier fertig seid.“
„Das ist ja wirklich schon morgen abend.“
„Es war auch so abgemacht mit Pelle. Ich miete mir ein Auto und fahre in den Outback und in andere Regionen. Mein Flugzeug nach Stockholm geht erst in 3 Wochen.“
„Na, mir ist schon klar, dass Du lieber als Tourist rumreist, als mit mir auf eine anstrengende Konzerttour zu kommen.“
„Und was wäre, wenn ich hier und jetzt meine Pläne ändere?“
„Warum würdest Du das tun?“ platzte sie heraus. Micke kicherte. Sie war so süss. Schwupps lag eine verblüffte Marie plötzlich in seinen Armen.
„Damit ich bei Dir sein kann natürlich.“
Sie umschlang seinen Hals ohne jegliche Scheu.
„Das würde mir gefallen....“
„Weiss ich, deshalb biete ich Dir das auch an......“
„So, weisst Du? Wirklich?“ Sie küsste ihn auf den Mund, worauf ihm ein unkontrolliertes Stöhnen entschlüpfte. Er wurde jetzt rot und Marie küsste ihn wieder, inniger und dann küsste er zurück.

Und so fand Marie einen Platz für ihr Herz und ihre Seele. Mikaël war der Mann, der ihr alle Liebe schenkte und ihre im Gegenzug erhielt.


Per brauchte sehr lange um Micke zu vertrauen. Er war sehr höflich zu ihm, aber persönliche Gespräche führten sie nicht.

Marie hatte ja selbst Zweifel anfangs, doch Micke war so wahnsinnig verliebt in sie, voll Zärtlichkeit, Verehrung und trug sie förmlich auf Händen.

Sie beschlossen sich zu verloben. Micke strebte keinen Weltruhm und Reichtümer an. Er war ein Familienmann, Musiker mit Leib und Seele, jedoch vor allem Marie’s Ein und Alles.

Sie hatte nicht mehr daran geglaubt, dass eine solche Beziehung wie sie und Micke sie führten existierte.

Als sie erfuhren, dass Marie schwanger war, konnten sie sich kaum fassen, so glücklich waren sie. Ihr ging es auch sehr gut während der Schwangerschaft.

Inez Josefin wurde am 29. April 1993 geboren, ein niedliches Baby, das schon jetzt beiden Eltern ähnlich sah.

Per und Åsa besuchten sie natürlich im Krankenhaus. Es war nicht einfach für Åsa, Marie mit Josefin zu sehen. Sie ging auch vor Per. Er fühlte sich gemein und egoistisch. Er wusste, dass sie sich schon seit einer Weile ein Kind wünschte. Er hatte damit nun gar keine Eile. Er mochte Kinder auch nicht besonders.

Marie legte ihm Josefin in die Arme. Instinktiv hielt er sie richtig und die Gefühle überfielen ihn geradezu. In seinem Gesicht erschien ein weicher, liebevoller Ausdruck. Er streichelte die samtige Wange des Baby's und küsste ihre Fingerchen.

„Hm, ich glaube, ihr beide werdet euch gut verstehen“, meinte Marie ruhig.
Er nickte und schaute unverwandt auf die schlafende Josefin. Marie war so gerührt von Per’s Verhalten. Er fragte sie wie sie sich nach dem Kaiserschnitt fühlte, ob sie ok war. Irgendwann nahm sie seine Hand und drückte einen warmen Kuss hinein. Per wurde richtig verlegen.
„Wofür war das denn?“ wollte er wissen.
„Das weisst Du ganz genau. Du wirst ein hinreissender Vater sein, Per.“

Er fand Åsa zu Hause im Wohnzimmer bei einem Buch. Sie sah zu ihm auf und ihr fiel die Kinnlade runter. Da stand er mit Rosen und Champagner und einem idiotischen Lächeln.

„Was meinst Du, mein Woody-Mäuschen; wollen wir im August heiraten und auch so einen süssen Frosch wie Josefin produzieren?“

Åsa hatte ihn noch nie so umarmt und sie weinte vor Glück dabei. Sie küssten sich wie die Verrückten und schafften es knapp ins Schlafzimmer, wo sie sich dann die ganze Nacht liebten.

Die Hochzeit wurde schlicht und einfach wunderbar. Marie sang wie ein Engel in der Kirche für ihre Freunde. Alles war so gut, fühlte sich so leicht an, so richtig.



Per und Åsa verreisten für ein Wochenende nach Paris und dann gings ab nach Capri wo die Aufnahmen für Crash Boom Bang weitergingen.


Obwohl niemand darüber ein Wort verlor, begann sich ihr Leben zu verändern.

Marie fand Roxette nicht mehr so wichtig. Sie überliess viel mehr Per’s Entscheidung. Er hatte das bis anhin übersehen. Nun merkte er, dass sie völlig in ihrer Familie aufging und auch ihn nicht mehr wirklich brauchte.

Micke hatte Per’s Platz mehr als übernommen, was natürlich auch richtig war. Per war glücklich für sie, aber es tat weh. Irgendwie hatte er geglaubt für sie immer die Nummer 1 zu bleiben.

Er konnte nicht zu ihr hingehen und darüber reden, es war zu unsinnig, dachte er. So zog er sich zurück.

Marie war total beschäftigt als Frau und Mutter. Sie schüttelte ihr Unbehagen und den leisen Schmerz ab, wenn Per sich kühl und unbeteiligt verhielt. Sie erkannte ihren Fehler nicht, wollte ihn nicht erkennen, aus Angst vor den Folgen.



Sie entfremdeten sich immer mehr und die neue CD sprach Bände. Der Zauber war weg und die Leute reagierten darauf. Viel weniger Exemplare wurden verkauft.

Beiden nahmen es ruhig hin und sagten sich, dass man nicht immer solche unwahrscheinlich hohen Zahlen erreichen konnte. Es war nicht wichtig.


Marie und Micke heirateten, aber nur im engsten Kreis, ohne Åsa und Per. Sie fanden es (Marie fand das) besser Privates und Geschäft auseinander zu halten.



Per konnte nicht beschreiben, wie es in ihm aussah, als er realisierte, dass Marie ihn nicht mal mehr zu ihren engsten Freunden zählte. Nur Åsa ahnte, wie sehr diese Tatsache ihn verletzte. Nicht mal zu ihr sagte er etwas, aber ein paar Bilder aus seinem Büro waren plötzlich weg.

Trotz allem beschlossen sie auf eine 2. Welttournee zu gehen mit Crash Boom Bang. Diesmal war es ganz anders, viel relaxter, partymässig. Es gab keine Spannungen, weil keine Nähe da war. Marie und Per hielten sich voneinander fern, ganz automatisch. Auf der Bühne spielten sie die alten Spielchen. The show must go on...

Marie hatte jedoch Recht gehabt, als sie damals über Per’s Beziehung zu Josefin spekuliert hatte. Diese zwei verstanden sich blind. Sie waren verrückt nacheinander. Sie brachte ihn zum Lachen, rief „Pietschie“ sobald sie ihn sichtete und ihm ging es gut mit ihr.

Per und Åsa versuchten schon einige Zeit ein Baby zu bekommen, aber bis jetzt ohne Erfolg.

Nach einer sehr erfolgreichen Tour flogen sie heim, machten Ferien und erholten sich langsam.

Die Plattenfirma drängte zu einem Best-Of Album. Per schrieb ein paar Bonus-Tracks für die Fans.

Fast keine Promotion wurde für diese CD gemacht und doch ging sie gut weg. Alle Hits waren drauf und die neuen Lieder fanden Anklang.

Ende 95 begann Marie wieder Lieder für ihr fünftes Solo-Album rauszusuchen. Micke wurde ihr Produzent. Sie arbeiteten das erste Mal zusammen und trotz Bedenken verstanden sie sich auch hier und liebten es gemeinsam etwas zu erschaffen.

Per seinerseits rief Gyllene Tider wieder ins Leben. Eine EP erschien mit dem Megahit Gå och fiska. Dieses Lied gewann sogar einen Grammis. Sie machten eine Tour namens Återtaget in Schweden. Es war das Ereignis des Jahres. Alle redeten von den genialen Konzerten.


Marie wurde mitten in den Aufnahmen für ihr Album wieder schwanger. Sie freuten sich so sehr wie damals über Josefin. Marie schwärmte Micke von 5 Kindern vor, woraufhin er nur grinsend die Augen verdrehte. Josefin war ziemlich neugierig, als Marie’s Bauch anwuchs. Als ihr Marie dann erklärte, dass das Baby schon hören konnte, sang Josefin ihm Lieder und erzählte Geschichten. Sie war ein liebes, wenn auch wildes Kind.

Die Beziehung zwischen Marie und Per hatte fast aufgehört zu existieren. Geschäftliches wurde durch Beimes und Diman geregelt. Für Roxette war überhaupt nichts geplant.

Per rief Marie an, als der Termin für den Auftritt im Brottet in Halmstad feststand. Er fragte sie, ob sie nicht Lust hatte für ein Lied dabei zu sein. Warum ihm das in den Sinn gekommen war, wusste er nicht mehr. Er hatte einfach zum Hörer gegriffen. Als sie dran war, Überraschung in der Stimme und Freude, verlor er etwas von seiner steifen Haltung. Sie sagte einfach zu, ohne wenn und aber.

Sie kam alleine, einen Abend vorher. Er holte sie vom Flughafen ab. Nur ganz wenig Leute waren in der Maschine.

Marie fing an zu lächeln, sobald sie ihn sah und fühlte sich plötzlich ganz glücklich. Er grinste sie an und sie begrüssten sich. Er nahm ihr Gepäck ab und sie gingen zu seinem Auto.

Sie fuhren zu Marie’s Haus in Frösakull. Kaum war die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen, drückten sie sich und die Umarmung wurde ganz eng.

Per versteckte sein Gesicht an ihrem Hals, atmete ihren Duft ein. Marie war durcheinander. Sie hatte nie daran gedacht, dass sie sich noch SO fühlen würde in seinen Armen.

Sie liebte Micke sehr und jetzt erweckte Per’s Berührung Sehnsucht in ihr, Sehnsucht nach ihm, Sehnsucht.........

Sie spürte etwas Nasses auf ihrer Haut. Ohne zu denken, umfasste sie sein Gesicht.
„He, was ist denn? Wieso weinst Du?“ wisperte sie, mit einem Blick, dessen Ausdrucks sie sich nicht bewusst war und der Per noch mehr erschütterte.
„Ich weiss es nicht“, murmelte er kaum hörbar, „entschuldige, ja?“
„Bitte, sprich mit mir, Schatz.“ Sie küsste ihn auf den Mund, mehr um ihn zu trösten, als aus Verlangen. Per zuckte zurück.
„Marie, nicht!“ Er keuchte fast, machte einen unsicheren Schritt zurück, konnte nicht weggucken. Ihre Augen drangen in sein Innerstes ein. Seine Kehle war wie zugeschnürt.
„Sag jetzt was!“insistierte sie und fasste wieder nach seiner Hand.
„Also gut“, meinte er und putzte sich verlegen die Nase. Dann schaute er sie ernst an.
„Warum hast du aufgehört meine Freundin zu sein?“ fragte er und Marie seufzte.

Der Moment der Wahrheit war gekommen. Das war ihr in der Sekunde klar geworden, als sie in seinen Armen lag. Ihr Puls raste, es kostete sie viel, ihm ihre tief vergrabenen Gefühle zu offenbaren.
„Bereust Du es gefragt zu haben?“ wollte sie als sie zuende geredet hatte wissen.
„Nein, überhaupt nicht. Ich versteh' Dich doch, aber so kann es nicht weitergehen. Ich brauche Dich, wir brauchen uns, unsere Freundschaft.“
„Ok, lass es uns versuchen“, antwortete Marie.

Per blieb bei Marie in dieser Nacht und sie redeten bis in den Morgen, holten auf.

Natürlich sagte Per Åsa Bescheid. Sie war nur zu froh über ihre Versöhnung. Sie wusste, dass es Per jetzt besser ging. Er hatte wirklich unter Marie’s Verlust gelitten.

Per wachte auf. Irgendwer hatte ihn in den Hintern getreten. Da, schon wieder. Marie lag hinter ihm auf der Couch. Sie waren in ihren Kleidern eingeschlafen, erschöpft, aber selig.

In der klaren Sommernacht beobachtete er ihren sanft gerundeten Bauch. Er sah den kleinen Fuss. Beruhigend streichelte er die Wölbung. Marie öffnete die Augen, nicht wirklich wach.

„Er hat mich gekickt“, erklärte Per lächelnd. Sie erwiderte sein Lächeln, kuschelte sich an ihn.
„Ich bin das schon so gewöhnt, ich merke es nicht mal mehr.“
„Na, dann, schlaf schön weiter. Komm in meine Arme.“ Sie legte sich zurecht, ihre Hände über seine.

Per hörte, wie sie gleich darauf wieder friedlich atmete. Er empfand so viel, dass sein Herz weh tat.


Sie nahmen ihre Freundschaft auf, langsam mit Sorgfalt. Sie schickten sich E-Mails, riefen einander an und fühlten sich viel besser.

Ein paar Wochen bevor Oscar zur Welt kam, wurde Åsa endlich schwanger.
Sie freuten sich wie verrückt, obwohl sich Per immer noch nicht vorstellen konnte, ein Vater zu sein, doch er erinnerte sich an Marie’s Worte. Sie hatte ihn immer richtig eingeschätzt.

Der Hausbau in Tylösand ging voran. Sie hatten einen spanischen Architekten engagiert und eifrig bei der Planung mitgewirkt. Es sollte ihr Traumhaus werden.

Zur gleichen Zeit wie das Baby- und das Bauprojekt musste Per natürlich noch ein Solo-Album aufnehmen, sein erstes in englisch. Es klang sehr rockig und die Kritiken waren positiv, was für Per ein Wunder war.



Marie sang Background zu „I’ll be alright“, dem traurigsten Lied. Er hatte es geschrieben, als er glauben musste, sie für immer verloren zu haben. Als sie den Text zum ersten Mal hörte, musste sie zu ihm hingehen und ihn in die Arme nehmen.

Marie hatte Oscar mit zu den Aufnahmen gebracht. Per trug ihn rum und freute sich an seinem Lächeln.
„Stillst Du ihn?“ fragte er Marie.
„Natürlich, er bekommt so den besten Schutz gegen Infektionen und Bakterien.“
„Mhm, Åsa hat mir davon schon was erzählt. Ich hab für heute abend ein Babybuch auf dem Nachttisch. Sag mal, dürfte ich zusehen, wenn Du ihn fütterst?“
„Willst Du nicht lieber warten, bis es bei Åsa soweit ist?“ Marie war leicht verlegen.
„Nee, es ist ja nicht so, dass ich Dich noch nie nackt gesehen hätte... ausserdem bist Du schöner denn je.“

Er sah sie so an, mit seinen grossen braunen Augen und da nickte sie. Sie knöpfte ihre Bluse auf. Oscar, der auf Per’s Arm sass und das Ritual kannte, fing an mit den Händchen zu fuchteln und wollte zu seiner Mutter. Per reichte ihn, berührte Marie dabei und beide holten erschrocken Luft. Dann mussten sie lächeln.

Per setzte sich gegenüber von Marie, in den anderen Sessel, schwieg und rührte sich nicht. Ein einziges Mal wagte er den Blick in ihr Gesicht zu heben.
Sie schaute ihn zärtlich an. Er lächelte, aber seine Lippen zitterten.
Marie legte Oscar in sein Reisebettchen. Er war an ihrer Brust eingeschlafen, was er meistens tat. Per hatte sich neben Marie gestellt und als sie sich aufrichtete, zog er sie an sich. Sein Kuss war so liebend, so tief und sinnlich, dass Marie ihn ohne Bedenken erwiderte. Ihrer beider Lippen waren danach feucht und geschwollen, ihre Herzen schlugen viel zu schnell, aber keiner wollte den anderen wirklich loslassen. Sie schmiegten sich aneinander in einer sanften Umarmung, bis Marie zurücktrat. „He, Du musst gehen“, flüsterte sie. „Ich weiss. Es, es ist schön, dass Du hierherkamst. Wir sehen uns in Stockholm, ja?“ „Ja. Mach’s gut und bis bald, grüss Åsa.“ „Tschüss.“ „Tschüss.“
Marie sah dem davonfahrenden Auto nach und berührte gedankenverloren ihren Mund.


Am 5. August 1997 erblickte Gabriel Titus Gessle in Stockholm das Licht der Welt.

Per beschloss ein halbes Jahr freizunehmen, seinen Sohn richtig kennenzulernen und alles mit Åsa zu teilen. Wie Marie das genau gewusst hatte, liebte er es Vater zu sein. Gabriel hatte einen positiven Einfluss auf seine Eltern.

Anfangs 1998 suchten Roxette ein Aufnahmestudio in wärmeren Gefilden als Schweden.

Sie fanden „il Cortijo“ in den Hügeln von Malaga. Es war ein Aufnahmestudio und zugleich eine Villa mit über 20 Zimmern.

Jeder konnte seine Familie und Kindermädchen mitnehmen. Sie gründeten eine Riesen-WG.

Die üblichen Streitereien über Musik, Text und Aufmachungen stellten sich ein, die Freude etwas zu schaffen und die Zufriedenheit, wenn ein Song perfekt war.

Ausserhalb des Jobs versuchten sie etwas vom herrlichen Wetter zu erwischen, zu schwimmen, Grill-Partys zu feiern und auszuspannen. Natürlich gelang ihnen das nicht immer.

Am 30. Mai 1998 wurde Marie 40. Zu diesem Anlass waren sie alle nach Stockholm zurückgeflogen. Ein riesiges Festzelt wurde aufgestellt, leckeres Essen, Champagner und Musik den Gästen geboten. Das Geburtstagskind war happy und zufrieden mit Familie, Mann und Kindern. Sie bekam tolle Geschenke und wurde gefeiert. Logisch waren die meisten nach Mitternacht längst unter den Tischen. Schweden!

Ende des Sommers hatten sie das Album fast fertig.

Per war stolz und auch etwas eifersüchtig auf Marie. Mit „Waiting for the rain“ und „Beautiful things“ hatte sie bewiesen, dass sie Roxette-Lieder allein schreiben konnte. Sie standen genauso raus wie Pers Songs. Er verstand nun besser, wie sie sich gefühlt hatte, wenn er die Hits nur so aus dem Ärmel schüttelte.

Er hatte eine neue Art Respekt für sie. Zugleich fing er an Gedanken zu haben, Gedanken über sein Leben und was er sich wirklich wünschte, was er brauchte. Er gab innerlich zu, dass dies seit dem Abend in Frösakull in ihm arbeitete und das alles viel schlimmer war seit dem Kuss. Nur, ihre Situation war so aussichtslos.

Per versuchte dagegen anzukämpfen. Marie spürte es trotzdem. Er verhielt sich schon seit Wochen anders. Er war gern in ihrer Nähe, berührte sie öfter und zeigte ihr wie ernst er sie nahm. Sie sagte nichts dazu. Es machte sie glücklich, zuerst und dann erschrak sie, über sich selbst, weil sie wollte, dass er so fühlte. Sie versuchte Scham zu empfinden, aber es gelang nicht. Er schien jedoch okay so, friedlich, liebend zu Åsa und Gabriel. Sie dachte schliesslich, dass dies nur eine Phase war. Doch diesmal war es keine.

Die Photoaufnahmen für das Album-Cover und Promotion wurden geschossen. Sie hatten sich für grelle Farben entscheiden, gelb, blau, pink und bei ihrer Garderobe schwarz und blau.

Irgendwie war Per froh, dass auf dem Album keine gemeinsamen Bilder waren. Er hatte Angst, dass man in seinen Augen lesen könnte. Marie kriegte einen zusätzlichen Thrill, weil sie es begriff.

Mitte Januar, kurz nach Per’s 40. Geburtstag, welchen er im Hotel Tylösand grossartig gefeiert hatte, begann ihre Promotion-Reise. Die Band kam mit, jedoch ihre Familien nicht. Es war ähnlich wie früher, als sie zusammen anfingen als Roxette, ausser, dass sie sich heute noch besser verstanden, es weniger unangenehme Spannungen gab. Sie wussten heute was Kompromisse sind und das Diskussionen meistens einen positiven Ausgang haben. Ausserdem trugen die Ereignisse der letzten Jahre dazu bei.

Eines Abends waren sie allein in einer Hotelbar in Berlin. Die anderen waren schon ins Bett gegangen. Es war spät. Per hatte eine Flasche Wein bestellt und teilte sie mit Marie.

Sie redeten über den Tag, über EMI und sich selbst natürlich auch.
„Hast Du Angst, dass HAND ein Flop wird?“ fragte Marie ihn.
„Ja und nein. Einem Teil von mir ist das auch Wurst. Roxette ist ein Hobby. Wir haben genug Geld für den Rest unseres Lebens. Aber der andere Teil hat nichts von
seinem Ehrgeiz verloren. Also falls wir scheitern, gibt’s ne Revanche!“
Sie grinste ihn an. „Das hab ich mir doch gedacht...“
„Ach ja?“
„Mhm, Du sollst Dich nicht zu sehr verändern.“
„Hab ich mich denn verändert?“ Er sah sie an.
„Das weisst Du doch selber“, antwortete sie leise.
„Komm, ich glaub’ wir reden lieber oben weiter.“
„Warum?“
„Ich würde mich wohler fühlen“, sagte Per ernst.
„Gut, gehen wir.“
Sie bezahlten und fuhren zu Per’s Suite rauf. Im Lift hielten sie einen Meter Abstand...

Sie setzen sich auf das weisse riesige Sofa und schauten durch das Panorama-Fenster in die sternenklare Winternacht.
„Wie genau hab ich mit eigentlich verändert?“ wollte Per wissen.
Marie konzentrierte sich auf einen besonders schönen hellen Stern. „Vielleicht bist Du netter geworden, weniger egoistisch und Du benimmst Dich wie ein Gentleman. Man kann besser mit Dir reden. Hattest Du Angst, ich würde etwas Negatives sagen?“ Sie warf ihm einen Blick zu und er lächelte.
„Nein, Du weichst bloss der Realität aus, aber das ist auch besser so.“
Marie beschloss darauf nicht zu antworten. Sie gähnte hinter vorgehaltener Hand und stand auf.
„Tut mir leid, ich schlaf schon fast. Gute Nacht, Per. Danke für den Wein.“
„Gute Nacht.“

Sie hätte sich nicht nochmal umdrehen sollen. Per schaute ihr nach und als sich ihre Augen trafen, war es zu spät.
„Was ist?“ fragte Per und räusperte sich.
„Eigentlich möchte ich heute nacht nicht allein sein. Kann ich bei Dir bleiben?“
„Ja.“ Per hatte weiche Knie, als er sich erhob und auf sie zutrat.

„Küss mich“, flüsterte Marie. Sie brauchte ihn so sehr, dass ihr alles wehtat und Per ging es genau gleich.

Sie standen ganz lang da, an die Tür gelehnt, hielten einander fest und küssten sich.






Irgendwann hob Per Marie auf seine Arme und trug sie ins Schlafzimmer rüber. Immer noch
voll bekleidet lagen sie sich gegenüber. Jetzt konnten sie einander ansehen, lächeln, sich im Gesicht berühren und noch mehr Küsse tauschen.

„Willst Du wirklich mit mir schlafen?“ fragte Per nach einem besonders langen, aufwühlenden Kuss. Marie lachte leise, rieb ihre Nase an seinem Hals.
„Bitte, ja“, antwortete sie. Damit setzte sie sich hin und knöpfte ihre Bluse auf. Per knipste das Nachttischlämpchen an.
„Ich will Dich sehen“, murmelte er und sie streckte ihm die Zunge raus. Als sie den Büstenhalter auch gleich abstreifen wollte, hielt er sie auf. Grinsend machte er das selbst, aber bloss bis sein Blick auf ihre nackten Brüste fiel. Plötzlich wurde es sehr warm im Zimmer.
„Per!?“ Marie fühlte sich wunderbar, sexy und begehrt. Er öffnete ihre Lederhosen, die eng sassen.
„Du hast so schöne Haut und Du riechst gut. Ich glaub ich würde Deinen Duft unter 1000 Frauen finden können.“ Er verteilte hastige Bussis, hier und da kitzelte er sie mit der Zunge. Und schliesslich trug sie nur ihren Slip und er war noch immer angezogen.
„Ziehst Du Dich nicht aus?“ fragte sie und starrte ihn ziemlich gierig an. Per hatte einen unanständigen Gedanken. Er schüttelte den Kopf. Marie rückte an den anderen Bettrand, weit weg von ihm. Mit den Zeigfingern schob sie ihr Höschen runter. Per biss sich auf die Lippen um nicht laut zu keuchen.
„Wirklich nicht?“ lockte sie ihn weiter und wunderte sich, dass sie nicht aufs Laken tropfte. Dann ging alles sehr schnell. Per hatte seine eleganten Anzughosen förmlich runtergerissen und dann griffen seine Hände nach Marie’s Füssen. Sie schlitterte über den glatten Seidenbezug.
„Hab Dich“, sagte Per mit unsteter Stimme. Marie wimmerte und Per hielt sich nicht mehr zurück. Seine Kleider rieben rauh über ihren Körper. Ihr Innerstes war erfüllt mit seiner Männlichkeit und Stärke. Er wollte in ihr ertrinken. Sie antwortete auf seine Sehnsüchte, wie sie es immer getan hatte. Er machte sich nichts mehr vor. Das hier war es, wonach es ihn verlangte und nur das. Keine andere Frau liess ihn so empfinden wie Marie.
„Ich liebe Dich“, hörte er sie sagen. Er küsste sie sanft.
„Und ich liebe Dich noch mehr.“

Was hier mit ihnen passierte war nicht von dieser Welt. Befriedigung war nur ein Teil davon, das Zusammenkommen, die Unzertrennlichkeit, wenn auch nur temporär, ihrer Körper und das was ihre Seelen sprachen zählte tausendfach.

Sie brauchten eine lange Weile um wieder zur Ruhe zu kommen, auch weil sie sich nicht loslassen konnten. In den Armen des anderen zu sein war zu wichtig.

„Brauchst Du auch was zu trinken?“ fragte Per. Marie drehte den Kopf damit sie ihn ansehen konnte. „Was haben wir da?“ „Lass uns gucken.“ Nackt und Hand in Hand schlenderten sie in den Salon rüber. „Klasse Champagner“, meinte Marie. Er lächelte sie an. „Feiern wir.“
Sie lächelte zurück. „Feiern wir.“

Sie nahmen die Flasche mit ins Bett. Per fand noch eine Schachtel Schokolade hinten im Kühlschrank. Klar spielten sie damit rum und auch mit dem Champagner. Sie wurden aber nicht betrunken, höchstens von ihren Gefühlen. Sie wollten nicht schlafen, jede Sekunde nutzen und wurden früh morgens doch von Müdigkeit übermannt.

Marie lächelte schon, bevor sie richtig erwachte. Sie schnupperte an Pers warmer Haut und öffnete die Augen. Er blinzelte. „Guten Morgen“, flüsterte Marie, küsste seine Wange.
„Guten Morgen selber“, antwortete er und lud sie mit seinem verschlafenen Blick ein...

Die gemeinsame Dusche wurde zu einem neuen Liebesfest. Beide dachten ohne es auszusprechen, dass eigentlich jeder Tag so anfangen sollte.


Das Frühstück nahmen sie in Marie’s Suite ein, damit niemand merken sollte, dass sie bloss ein Bett gebraucht hatten. Wie Kinder tobten sie durch die Zimmer, rangelten miteinander und hätten sich fast nochmal geliebt. Room Service machte ihnen aber einen Strick durch die Rechnung.



Der Flug nach Hause verging rasch und in Stille. Marie und Per sassen in verschiedenen Reihen, aber sie dachten bloss aneinander und ihre Sehnsucht sich wieder zu berühren.

Micke, Åsa und die Kinder warteten auf dem Flughafen in Arlanda. Schuldgefühle und schlechtes Gewissen setzten ein. Die Familie ging vor, wie auch immer sie darunter zu leiden hatten. Die Entscheidungen waren alle getroffen und sie hatten sich daran zu halten.


Die Plattenfirma war in finanziellen Schwierigkeiten und der Warner-Konzern kaufte sie Ende 99 auf. Niemand wusste, was nun geschehen würde.

Roxette hatten schon unter dem schlechten Management gelitten. Die Verkaufszahlen waren dementsprechend lausig. Promotion gab es kaum welche und MTV verbannte sie fast vom Bildschirm, nachdem sie noch bei Joyride jede Single rauf und runter gespielt hatten. So eine Ungerechtigkeit.

Der grösste Hit wurde „Stars“, ein Technostück. Die Fans blieben ihnen trotzdem ziemlich treu. Marie und Per waren entschlossen weiterzumachen.

Im November gingen sie zurück ins Studio. Per war so eifrig das neue Album auf den Weg zu bringen. Er hatte so viele Ideen und Marie auch.

Im Dezember 1999 begann Marie eine Best-Of-CD zusammen zu stellen, für die sie 2 neue Bonus-Lieder schrieb. „Äntligen“, wie die CD und „Det som var nu“. Gleichzeitig fielen ihr auch ein paar englische Songs ein.

Per mochte ihre Stücke und er ermunterte sie ständig. Er wollte sie unterstützen und tat es mit Freude. Ihre Komplimente über seine Sachen und so wie sie sie brachte, mit diesem bewundernden Blick, liessen ihn manchmal in Schweiss ausbrechen.

Am 27. März 2000 fand die Release-Party statt und zwar im Cirkus in Stockholm. Marie trat zu aller Freude live auf. Sie war einfach eine klasse Sängerin.



Per, Åsa und Gabriel waren dort, Eva und Evfa, Patrik Isaksson und natürlich Micke und die Kinder. Josefin und Oscar sahen ihre Eltern das erste Mal richtig auf der Bühne zusammen. Sie applaudierten ihnen kräftig, nur um nach dem Konzert mit den anderen Kindern abzuzuwitschern, Kuchen essen und Limo trinken.

Die Aufnahmen gingen weiter. Sie nahmen hauptsächlich im Atlantis-Studio auf, das in Stockholm liegt. Der Komfort daheim zu sein war gross.

Hier konnten sie lange Nächte zusammen verbringen. Sie arbeiteten näher und besser zusammen als jemals zuvor. Klar gab es Meinungsverschiedenheiten, doch sie hatten wirklich gelernt aufeinander zu hören. Manche Songs waren von eindrücklicher Tiefe und Sinnlichkeit. Sie entsprachen dem, was Marie und Per nicht ausleben durften.


Am letzten Abend, bevor Marie auf ihre Sommertour gehen würde, kam Micke ins Studio, um seine Frau zu holen. Es war eine warme Sommernacht. Klar hatte er einen Schlüssel. Gemurmel vom Innenraum. Er hörte Per und Marie’s Stimmen.

„Ich bin so stolz auf Dich“, sagte Per gerade.
„Und ich auf Dich“, antwortete Marie und gähnte.

Micke lächelte und beschloss sie ein bisschen zu erschrecken. Statt dessen wurde er erschreckt, als er die beiden entdeckte..

Sie sassen am Mischpult. Er sah nur ihre Rücken, aber Marie’s Kopf ruhte auf Per’s Schulter. Per hatte seinen Arm um Marie geschlungen und hielt sie an sich gedrückt.

„Wann hab ich Dir das letzte Mal gesagt, dass ich Dich liebe?“ fragte er jetzt leise.
Marie lachte sanft. „Gestern, bevor ich aus dem Auto ausgestiegen bin, Du Blödmann.“
„Ich weiss, es wird immer schlimmer, Marie.“
„Was sollen wir denn machen?“
„Frag nicht. Es gibt keine Lösung.“
„Das seh' ich auch so. Ich bin so froh habe ich Micke.“
„Diese Worte hätte man jetzt missverstehen können“, meinte Per.
„Ich liebe ihn. Manchmal denke ich, ohne ihn hätte ich es nicht geschafft.“
„Er hat Dich vor mir gerettet.“ Sie runzelte die Stirn.
„Quatsch, er hat mich vor mir selbst gerettet. Er zeigte mir, wie ich Selbstbewusstsein kriege und mich nicht mehr fürchte.“
„Dann verrate mir doch bitte mal, warum Du MICH liebst, Marie? Dazu besteht gar kein Grund.“
Sie mochte es nicht, wenn er so schlecht über sich redete.
„Liebe braucht doch keinen Grund, dass weisst Du doch. Komm, lass uns hier fertig werden. Es ist nutzlos weiterzureden.“ Einen Moment lang fand sein Mund ihren Hals und dann liess er sie los.

Marie drückte auf den Go-Button und als die Musik anging, atmete sie zittrig aus. Per sah das mit einer Mischung aus Begehren und Frust.

Micke war total durcheinander. Er dreht wieder um und verliess das Studio. Von draussen rief er Marie an, um ihr zu sagen, dass er nicht mehr fahren mochte. Da das manchmal vorkam, dachte sich Marie nichts dabei.

Micke raste heim, konzentrierte sich tapfer auf die Strasse und liess ganz laut Radio laufen.
Angekommen musste er unter die Dusche. Das strömende Wasser beruhigte ihn. Was war da eben abgelaufen? Heute morgen noch hatte er mit seiner Frau zärtlich Liebe gemacht. Marie hatte sich glücklich an ihn gekuschelt danach und ihm gesagt, wie sehr sie ihn liebe. Halt, dass hatte sie ja auch im Gespräch mit Per gesagt, dass sie ihn, Micke liebte. Er verstand nichts, aber auch gar nichts.

Als Micke sich eben hingelegt hatte kam Marie ins Schlafzimmer. Sie erblickte ihren Mann und ein freches Grinsen stahl sich in ihr Gesicht. Sie zog sich so schnell aus, dass er kaum gucken konnte. Mit einem Ruck war die Decke vom Bett und schon warf sie sich auf Micke. Er konnte gar nicht anders als sich von ihr verführen zu lassen und von fehlender Leidenschaft ihrerseits hatte er noch nie was gemerkt. Momentan vergass er seine heimliche Beobachtung und genoss seine Frau von ganzem Herzen.




Marie hatte nicht geplant mit ihrem Best-Of-Album zu touren, jedoch hatte sie nicht mit dem Protest der Fans gerechnet. Via Internet entstand eine Initiative sie zu einer Reihe Live-Auftritten zu animieren. Sie war so gerührt und erstaunt, wie viele E-Mails sie bekam. Schlussendlich brachten sie diese auch zu einem positiven Entscheid in diesem Sommer einen Monat durch Schweden zu reisen.



Per hatte Ferienpläne mit seiner Familie, hatte Marie jedoch zugesagt, sie bei ihrem Halmstadauftritt zu unterstützen.

Die Tour wurde mehr als ein Erfolg. Sie war eine Liebeserklärung der Fans an Marie und sie verstand es auch so. Sie bekam einen wahrhaftigen Seelenaufschwung dadurch.

Als Per sein Versprechen erfüllte und im Brottet auf die Bühne kam, flippten die Leute völlig aus vor Freude. Marie und Per sahen sich an und ihr Blick sprach Bände.



Bei der After-Show-Party blieb Micke an Marie’s Seite. Sie unterhielten sich mit den Eheleuten Attling-Dahlgren und später auch mit Åsa und Per. Marie wunderte sich über ihren Mann. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass Micke irgendwas mitbekommen hatte zwischen ihr und Per.

Sie rief Per am nächsten Tag per Handy an, als sie allein zum Schloss in Sölvesborg fuhr. Micke war mit den Kindern noch im Hotel.






Per war in seinem Auto, als das Telephon klingelte.
„Hi, ich bin’s. Wo bist Du denn?“
„Hallo, mein Schatz. Ich fahr' grad nach Stockholm. Und Du?“
Sie lächelte in den Hörer, er war so süss zu ihr.
„Ich komme soeben in Sölvesborg an. Du, hör mal, fandst Du nicht auch das Micke sich komisch benommen hat gestern abend?“
„Mhm, er klebte förmlich an Dir...Wie kann er was bemerkt haben?“
„Vielleicht hab ich im Schlaf geredet?“
„Oh, das könnte mir auch passieren. Wirst Du ihn fragen?“
„Nein. Schau, ich hab ihn keine Sekunde vernachlässigt. Er kann gar nicht zweifeln an unserer Liebe.“
Per blieb einen Moment ganz still und schluckte. „Und wenn er Dich fragt? Was wirst Du sagen?“
„Kommt darauf an, was er fragt.....Oh Per. Ich kriege Angst. Ich will ihm doch nicht wehtun, genauso wenig wie Du Åsa.“
„Das weiss ich doch.“
„Ich fühl m