En mazarin, älskling?

„Das war’s“, grinste Per und schlug seinen Freunden Clarence und Christoffer dankend auf die Schulter. „Mazarin“ war fertig. Pers erste Soloplatte seit sechs Jahren und noch dazu endlich wieder in schwedisch. Er war stolz auf sich und seine Jungs. Mehrere Wochen lang hatten sie sich im tiefsten Winter bei Minusgraden im schonischen Niemandsland bei Christoffer eingenistet und diese CD produziert. Unterstützung hatten sie in der Zwischenzeit von MP erhalten, Jens Jansson hatte die Drums eingespielt und auch ihre Familien waren zwischendurch immer wieder zu Besuch gewesen. Per hatte sich immer gefreut, wenn er seinen kleinen Sohn um sich hatte. Es gab nichts und niemanden, das er mehr liebte als ihn.

Die drei Musiker gönnten sich zum Abschluss ein Glas Sekt und verabschiedeten sich. Per nahm seine Tasche, als er sah, dass Åsa bereits in die Hofeinfahrt bog, um ihn abzuholen. Er öffnete die Tür, bevor sie klingeln konnte und begrüßte sie mit einer innigen Umarmung. „Hey“, sagte sie grinsend, „ist es SO gut geworden?“ „Oh ja, wir sind sehr zufrieden. Mal sehen, was die Plattenfirma dazu sagt“, antwortete er. Er hob schnell noch einmal die Hand zum Gruß für seine beiden Freunde und verließ mit seiner Frau das Haus.

Während der Fahrt nach Halmstad sprachen sie nicht viel. Per war in Gedanken versunken und nicht ansprechbar. Åsa kannte das und nahm ihm diesen Zustand nicht übel. Sie wusste, dass sich das nach ein bis zwei Tagen wieder gelegt haben würde. Per war vergeblich damit beschäftigt, herauszufinden, was er vermisst hatte bei den Aufnahmen. Alles war so glatt gegangen, so reibungslos gelaufen. Sie hatten so viel Spaß gehabt. Und doch… „Was hältst du davon, wenn ich Marie frage, ob sie bei einem Song mitsingen will?“, fragte er in die Stille hinein. „Das ist eine sehr schöne Idee“, sagte Åsa und strich ihm sanft über das Bein. Per lächelte. Marie würde es bestimmt machen. Er konnte es kaum abwarten, ihr Gesicht zu sehen, wenn er sie fragte. Doch die guten Gefühle brachten auch die schlechten mit sich. Er war nach wie vor sehr besorgt um sie, obwohl es ihr immer besser ging. Er hoffte, dass sie „ja“ sagen würde, dann wüsste er, dass sie auf dem Weg zurück war. Auf dem Weg zurück ins Leben und in die Musik nach ihrer schweren Krankheit.

Drei Tage später lief Per in seinem kleinen Studio zu Hause in Stockholm umher und sortierte allerlei Unterlagen. Dann dachte er plötzlich an Marie und dass er sie schon längst anrufen wollte. Er grinste in sich hinein und nahm sich vor, das umgehend zu erledigen. Per Kurzwahltaste wählte er ihre Nummer. Freizeichen. Es klingelte. Es dauerte nur eine einzige Minute, bis Per sich für den gleichen Abend bei ihr eingeladen hatte. Am Telefon wollte er sie einfach nicht fragen.

Marie hatte sich zwar gewundert, warum er alleine kommen wollte, doch irgendwie war ihr das auch ganz recht. Sie hatte mit ihrem alten Freund lange nicht mehr unter vier Augen gesprochen. Nun bot sich das förmlich an. Josefin und Oscar waren auf einem zweitägigen Schulausflug und Micke würde abends in der Stadt sein, um ein paar Auftritte für seine Band zu organisieren. Ursprünglich wollte sie zwar mitkommen, aber große Lust hatte sie von Anfang an nicht dazu gehabt und nun hatte sie einen Grund, zu Hause zu bleiben. Sie fragte sich, was er von ihr wollte. Er tat so geheimnisvoll und wollte partout nicht verraten, was los war.

Um 19.15 Uhr klingelte es bei Marie. Eine Viertelstunde später als erwartet, so und nicht anders kannte sie ihn. Sie drückte den Summer für die Eingangstür, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass er es wirklich war und kam ihm in der Eingangshalle entgegen. Er breitete seine Arme aus und empfing sie mit einem breiten Lachen. Sie umarmten sich lange und fest und Per konnte über die Tatsache, dass sie keine Haare hatte, leicht hinwegsehen. Sie roch so gut und gesund, dass seine Sorge um sie schlagartig geringer wurde.

„Wie geht’s dir?“, fragte er, als sie das Esszimmer betraten. Pers Blick fiel auf den Tisch, auf dem ein kleiner, von Marie zubereiteter Snack stand. „Besser“, sagte sie. „Viel besser. Willst du was trinken?“ „Oh, ein Glas Wein wäre nicht schlecht. Oder darfst du keinen Alkohol trinken?“ „Ich denke, gegen ein Glas Wein ist nichts einzuwenden“, lächelte sie. Sie sprachen über Gott und die Welt, ihre Kinder, die ihnen so viel Freude bereiteten. Per erzählte, wie Gabriel seinen ersten Zahn verloren hatte und Marie berichtete von dem Schulausflug ihrer beiden Kleinen. Nach einem Augenblick der Stille kam Per auf sein Album zu sprechen.

„Wir sind mittlerweile fertig damit und ich wollte dir ein Angebot machen.“ Marie wurde hellhörig. „Ich habe da einen netten Song über Halmstad geschrieben und möchte gerne, dass du ihn mit mir zusammen singst.“ Marie strahlte. Er hatte also an sie gedacht. Sie griff nach seiner Hand, die mit dem Hals des Weinglases spielte, drückte kurz zu, ließ wieder von ihr ab und sagte: „Gerne. Das wäre toll.“ Per lächelte. „Ich habe die CD dabei, willst du mal reinhören?“, fragte er sie.

„Na klar doch, lass uns ins Wohnzimmer gehen. Er folgte ihr in den großen Raum und reichte ihr die CD, die sie sogleich in den CD-Player legte. Als sie sich hinsetzten folgten die ersten Töne von „Vilket håll du än går.“ „Schon wieder ein Sommeralbum“, grinste Marie Per an, der daraufhin eine Fratze zog. „Vermutlich ja.“

Bei den Zeilen von „Om du bara vill“ wurde Marie ruhig. Irgendwie fühlte sie sich angesprochen und sie versuchte, Pers Blick auszuweichen. Er bemerkte ihre Unsicherheit und griff ihr sanft an die Schulter. „Keine Sorge, der Song handelt nicht von dir. Konzentriere dich lieber auf das nächste Lied, das ist die süße kleine Ode an unser voller Erinnerungen steckendes Halmstad.“ „Willst du tanzen? Mir ist gerade danach und du weißt ja, dass man Kranken jeden Wunsch erfüllen soll.“ Sie hatte ihren Humor trotz der Schwere des Schlages, den sie erlitten hatte, nicht verloren, er bewunderte das an ihr, er selbst wäre vermutlich eingeknickt und hätte sich zurückgezogen, hätte jeglichen Lebensmut verloren. Zumindest am Anfang.

Im Hintergrund dudelte immer noch „Om du bara vill.“ „Hmm, warum nicht?!“ Sie standen auf und stellten sich zwischen Stereoanlage und Wohnzimmertisch. Hier war der Sound viel besser. Per umgriff ihre schlanke Taille…jag kann vara din vän…während Marie ihre Arme um seinen Hals schlang…när mörkret faller. Sie ließ sich komplett fallen…och börjar andas...vertraute ihm blind…och släpper någon in...und auch er konnte sich in ihrer Umarmung entspannen. „På promenad genom stan“ erfüllte den Raum. „Das ist ein toller Song“, flüsterte sie ihm sanft ins Ohr, während sie sich sanft im Takt wiegten und leise shalalala mitsummten. Sie vergaßen Raum und Zeit, konzentrierten sich nur auf die Musik. Das Letzte was Per von Marie vernahm, war der Kommentar: „Ich mag den Text und das Intro ist sehr sexy“, als „Gungar“ gerade zu Ende ging.

Als Marie merkte, dass „Födelsedag“ zu schnell war, um langsam dazu zu tanzen, unterbrach sie die Umarmung und führte Per wieder zur Couch. „Ich mag die CD. Sie ist toll geworden. Glückwunsch“, sagte sie. „Warte erst einmal den Rest ab“, lachte Per und nahm einen Schluck Wein. Bei „Sakta mina steg“ kicherte Marie etwas und Per zwickte sie aus Rache in die Seite, was sie mit noch mehr Kichern bedachte.

Aufmerksam lauschte sie den Zeilen von „Tycker om när du tar på mej“ und sagte am Ende: „Das ist das schönste Lied, das du je geschrieben hast. Åsa muss froh sein, einen Mann zu haben, der so eine wunderschöne Liebeserklärung machen kann.“ Sie schaute auf und sie tauschten einen intensiven Blick aus. „Ich mag es auch“, sagte er und strich ihr geistesabwesend über die Wange. Marie wurde rot, da sie nicht wusste, wie sie die Situation deuten sollte. Sie senkte ihren Blick wieder und sortierte während der nächsten drei Lieder ihre Gedanken.

„Jag tror du bär på en stor hemlighet“ erklang und ihr wurde mulmig. Diesmal wusste sie, dass der Song von ihr handelte. Ergriffen stand sie auf und ging zu der Stelle, an der sie eben noch mit Per getanzt hatte. Einen Arm stützte sie in ihre Hüfte, mit dem anderen spielte sie mit ihrer Halskette, während sie den Kopf gesenkt, einen sorgenvollen Blick aufgesetzt hatte und aufmerksam dem Lied lauschte. Per war irgendwie verlegen, was er sich eigentlich nicht erklären konnte, da er sich für nichts schämen musste. Er versuchte, seine Verlegenheit irgendwie wegzuschlucken, was ihm aber nicht gelang.

Nun sah sie ihn an: „Du willst mir jetzt nicht erzählen, dass es in diesem Lied nicht um mich geht?“ Per riss die Augen auf. Sie las wie in einem Buch in ihm, das war schon seit eh und je so und auch diesmal hatte sie Recht. „Nein, das will ich natürlich nicht.“ Doch sie reagierte anders als erwartet: „Danke“, sagte sie schlicht und lächelte sanft.

Dann ging sie in die Küche und holte sich etwas zu trinken. Sie hatte kurzzeitig das Gefühl, sie müsste seiner Nähe entweichen und der Vorwand mit dem Getränk kam ihr gerade recht. Sie wählte den längsten Weg zur Küche und ging so langsam wie es ihr möglich war zum Kühlschrank. Wenn sie heute noch einmal in seine Augen schauen musste, würde sie ihren Gefühlen vermutlich nicht mehr standhalten können. Für ihre Kinder war sie immer stark gewesen und auch vor Micke zeigte sie nicht all ihre Gefühle, wenn es um ihre Krankheit ging…det blev vamt igen..Marie seufzte...när du kom du stod i blom…när jag sa att jag alltid vill vara kvar.

Sie redete sich gut zu und beschwor sich, jetzt nicht die Fassung zu verlieren. Noch langsamer als sie die Küche betreten hatte, ging sie ins Wohnzimmer zurück. Erstaunt stellte sie fest, dass Per nicht mehr da war. „Verdammt“, fluchte sie, als sie merkte, wie vor dem Haus ein Auto gestartet wurde und davon fuhr.

Ratlosigkeit machte sich in Marie breit. Hatte sie jetzt etwas falsch gemacht oder war er es, der nicht wie erwartet reagiert hatte? Sie schaute auf die Uhr: 22.30 Uhr. Zu spät, um etwas zu unternehmen und zu früh, um schlafen zu gehen. Sie suchte ihr Handy und versuchte sich zu entscheiden, ob sie Per eine SMS schicken oder ihn anrufen sollte. Oder ob sie gar nichts unternehmen und die Sache auf sich beruhen lassen sollte. Aber sie wollte unbedingt wissen, wieso er so plötzlich verschwunden war. Sie entschied sich für die SMS.

Per war gerade auf der E18 unterwegs, als sein Handy brummte. Warum bist du gegangen? Was ist los? Lass mich bitte nicht im Unklaren. Die knapp 100 Stundenkilometer, die er drauf hatte, hielten ihn nicht davon ab, ihr zu antworten. Ich möchte nicht, dass du dich meinetwegen schlecht fühlst. Du hast genug durchgemacht. Marie wartete schon auf seine Antwort, die sie, als sie kam, nicht verstand und tippte ihre Antwort: Ich fühle mich nicht schlecht, ich habe nur Angst, dass ich anfangen könnte, mich mit mir selbst zu befassen und ich weiß nicht, wie ich das bewältigen soll. Ohne Dich!

Als Per die SMS bekam, musste er schlucken. Nun war er es, der nicht wusste, wie er ihre Reaktion einschätzen sollte. „Ohne dich?“ Was sollte das heißen? Als er das Auto abgestellt hatte und Richtung Haustür ging, schrieb er ihr nur kurz: Lass uns morgen darüber reden, ok? Ich komme gegen elf Uhr vorbei und hoffe auf einen gedeckten Frühstückstisch. :-) zurück. Seine Antwort brachte sie etwas runter und ließ sie entspannt ins Bett sinken. Beruhigt waren beide dennoch keineswegs.

Pünktlich um elf Uhr stand Per wieder in Maries Eingangshalle. Er begrüßte Marie diesmal nur mit einer kurzen Umarmung und reichte Micke freundlich die Hand und schenkte ihm ein Lächeln. Irgendwie hatte er erwartet, dass Micke gar nicht da sein würde. Und eigentlich wusste er auch gar nicht, was er mit Marie genau besprechen wollte, wo er nicht dabei sein sollte, aber trotzdem wäre es ihm lieber gewesen, wenn er nicht da gewesen wäre. So wurde aus dem Frühstück eine ziemlich verspannte Angelegenheit. Zwar verstanden sie sich gut und machten Scherze, doch die Luft zwischen Marie und Per war eindeutig nicht so rein, wie sie sein sollte. Auch Micke schien dies zu spüren.

„Ich lasse euch zwei mal in Ruhe bereden, wann und wie ihr den Song aufnehmen wollt. Ich gehe ein Stündchen joggen.“ Mit einem Kuss verabschiedete er sich von Marie und verließ den Raum.

Marie hatte ihre Arme aufgestützt und ihr Kinn hatte sie in ihren Händen vergraben. Sie lächelte verlegen in Pers Richtung. „Nimm dir doch noch etwas Tee, Per“, forderte sie ihn auf. Als Per die Tür ins Schloss fallen hörte, sanken seine Schultern langsam wieder etwas nach unten. „Marie, es tut mir leid wegen gestern. Ich hätte nicht so schlagartig verschwinden dürfen.“ Marie seufzte. „Du hast mir einen ziemlichen Schrecken eingejagt. Und die Sache mit dem Lied ist ja eigentlich halb so schlimm.“ Sie versuchte zu lächeln.

„Ich habe eine andere Frage an dich“, nahm er den Gesprächsfaden wieder auf. „Was hatte deine letzte SMS gestern genau zu bedeuten?“. „Was meinst du genau?“ „Du weißt genau, was ich meine.“ Natürlich wusste sie, was er meinte. Er kannte sie zu lange, als dass sie ihm irgendwas hätte vormachen können und entschied sich, bei der Wahrheit zu bleiben. Nur wollte sie ihm dabei nicht in die Augen sehen. Sie stand auf und stellte sich mit dem Rücken zu ihm, schaute aus dem Fenster und beobachtete, wie der Wind mit den Ästen spielte. „Ich habe Angst davor, mich mit meiner Krankheit zu intensiv zu befassen, ich habe Angst, dass ich noch mehr Angst bekomme und wenn ich sehe, dass die Menschen, die mir wichtig sind, sich so viele Sorgen um mich machen, dann weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll. Und du gehörst eben zu den Menschen, die mir wichtig sind. Ich will euch keine Sorgen bereiten. Ich bin auf einem guten Weg und möchte nach vorne sehen. Ich will dich auf diesem Weg nicht verlieren, nur weil du besorgt bist und ich das nicht ertragen kann.“

Per schwieg eine Weile, bevor er antwortete. „Was kann ich also für dich tun? So, dass du dich gut fühlst.“ Marie drehte sich um und schaute ihn an. „Ich weiß es nicht so recht. Ich freue mich darauf, mit dir wieder ein Lied zu singen. Wann machen wir das?“ Per lächelte. So und nicht anders kannte er sie. „Nun, das Album soll vermutlich Mitte Juni erscheinen. Also viel Zeit bleibt nicht mehr.“ „Wie wäre es mit nächster Woche?“ „Ich werde es einrichten. Danach verschwinde ich für das Fotoshooting erstmal für eine Woche nach Italien und dann werde ich mich wieder bei dir melden, ok?“ Sie nickte nur zustimmend.

Per stand nun auf und stellte sich vor Marie. Sie lehnte sich nun mit ihrem Po gegen die Fensterbank und hatte die Arme vor sich verschränkt. Er strich ihr sanft mit seinen flachen Händen über ihre Oberarme und lächelte. Dann zog er sie zu sich und umarmte sie. Nur widerwillig ließ Marie das passieren. Erst nach einem ganzen Augenblick öffnete sie ihre Arme und drückte ihn fest an sich. Erstaunlich fest, wie Per fand. Er löste die Umarmung, nahm ihr Gesicht in beide Hände und setzte einen Kuss auf ihre Wange. Marie hatte die Augen geschlossen. Er konnte nicht widerstehen und küsste sie nun auf ihren weichen Mund. Marie zuckte zusammen, ließ aber zur Pers Erstaunen die Augen geschlossen. Er küsste sie noch einmal und diesmal erwiderte sie den Kuss. Ihre Münder öffneten sich und ihre Zungen trafen sich. Es war ein liebevoller Kuss. Ihre Hände strichen langsam über seinen Rücken, hoch und runter, das Gleiche taten seine Hände mit ihrem Rücken.

Per fand nach einer ganzen Weile zuerst den Weg in die Realität zurück und ließ geschockt von Marie ab. Er starrte sie an. Sie sah so gut aus. Marie öffnete die Augen. „Und nun?“, fragte sie, die ebenfalls nicht unbeeindruckt war. "Lass uns den Song nächste Woche einspielen.“ Er strich ihr noch einmal über die Wange und verabschiedete sich.

Dank ihrer Professionalität dauerte es nicht lang, bis der Song fertig war. Mit Maries Stimme hörte er sich perfekt an. So dauerte die ganze Aufnahme nur wenige Stunden und Marie konnte schnell wieder nach Hause fahren, um sich zu erholen. Zeit für ein privates Gespräch blieb während der Aufnahme nicht und so fragten sich beide, wie sie diesen Kuss, der sie nun schon eine ganze Woche beschäftigt hatte, einzuordnen war. Doch im Studio ergab sich überhaupt keine Gelegenheit, um darüber zu reden.

Und so mussten sich beide noch eine weitere Woche gedulden. Eine Woche, die Per mit seiner Familie in Rom verbrachte, bei eiskalten Temperaturen. Er konnte sich während des langen Shootings nun vorstellen, wie Marie bei diversen Videodrehs gefroren haben musste. Es verging kein Tag, an dem er nicht an diesen langen, liebevollen Kuss dachte. Zu gern hätte er mit ihr darüber gesprochen. Das musste nun warten, bis er wieder zurück war.

Marie konzentrierte sich indes auf ihre Familie, versorgte ihre Kinder und begann, an einem neuen Song zu schreiben.

Als die Gessle-Familie wieder zurück war, schickte Per Marie eine kurze SMS und weitere drei Kurznachrichten hatten zum Ergebnis, dass sich die beiden zu einem Spaziergang am übernächsten Tag treffen wollten. Der Frühling brach nun an und an der frischen Lust konnte man dieses heikle Thema wie den "Kuss unter Freunden" und seine Bedeutung sicher unbefangener besprechen als in einem Haus.

Es war bereits Ende März und trotz strahlendem Sonnenschein immer noch ziemlich kühl. Marie trug eine dicke Wollmütze, Handschuhe und eine Sonnenbrille. Sie wartete auf der Straße vor ihrem Haus auf Per, der mit etwas Verspätung eintraf. Nachdem sie sich begrüßt hatten, deutete Marie in eine Richtung, die sie daraufhin einschlugen.

Per erzählte von Corbijn, ihrem gemeinsamen Freund, von den Fotos, die er gemacht hatte und wie sehr bei diesem Shooting gefroren hatte. Von seinem Urlaub sprach er nicht, das Versprechen hatte er sich vorher selbst abgerungen. Marie fragte auch nicht danach, sondern lauschte seinen Erzählungen und gab ihm mit einem Lächeln und kurzen Zwischenkommentaren zu verstehen, dass sie ihm aufmerksam zuhörte. Die Abwechslung tat ihr gut, sie freute sich, ihn zu sehen und auf andere Gedanken zu kommen. Über den eigentlichen Grund ihres Spaziergangs sprachen sie eine ganze Weile nicht.

Als Per seine Erzählungen beendet hatte, liefen sie sehr lange schweigend nebeneinander her. Per deutete auf eine Bank, zu der sie langsam schlenderten und sich setzten. Marie beugte sich nach vorne, stützte erst ihre Ellbogen auf die Beine und begrub dann ihr Gesicht in ihren Händen. Sie spürte eine Hand auf ihrem Rücken und vernahm die Worte „geht’s dir gut?“ aus seinem Mund. Sie setzte sich nun wieder auf, schaute nach links, sah direkt in seine Augen und antwortete knapp: „Ja, ich glaube schon.“ Sie fügte noch ein kurzes Lächeln hinzu, um nicht zu kühl zu erscheinen. „Was machen wir nun?“, fragte sie. Per wusste, dass sie nicht vom weiteren Tagesablauf sprach. „Ich weiß es nicht. Alles, was ich weiß ist, dass ich es nicht bereue.“ „Ich auch nicht.“ Nun lächelte sie aufrichtig. „Vielleicht sollten wir einfach nicht mehr darüber sprechen“, fügte sie noch hinzu. „Ich will nur, dass du weißt, dass es aufrichtig war und ich damit keine falschen Gefühle verbinde. Es ist wohl aus der Situation heraus einfach passiert“, warf Per noch schnell ein, bevor er zustimmte, über die Sache nicht mehr zu sprechen, da ihr einfach soviel Bedeutung zukam. „Ich weiß das. Von meiner Seite war es auch aufrichtig.“ Dann schwiegen sie wieder.

Nach einer Weile standen sie auf und gingen zum Haus zurück. Marie bat Per zwar noch auf einen Kaffee hinein, aber er wollte gleich nach Hause fahren, was sie irgendwie auch verstand, selbst wenn ihr das ein komisches Gefühl bereitete. Das war das Letzte, was sie von ihm bis Mitte Juni, als er bekannt gab, dass er auf Tour gehen würde, hörte.

In der Zwischenzeit kämpfte sie mit einigen Rückschlägen, mit Fortschritten, sehr guten und sehr schlechten Tagen und hatte den Kuss mit Per schon längst wieder – so wie sie es abgemacht hatten – vergessen.

Per hatte allerhand um die Ohren, bereitete sich auf die Veröffentlichung des Albums, das er „Mazarin“ nannte und der ersten Single „Här kommer alla känslorna“ vor. Dazwischen brachte er noch eine Veröffentlichungsparty in Leif’s Lounge im Hotel Tylösand hinter sich, die ein großer Erfolg wurde. Speziell an diesem Abend vermisste er Marie und dachte das erste Mal seit knapp drei Monaten wieder intensiv an sie. Zwar hatte er jede Menge Spaß an diesem Abend, aber irgendwie fehlte sie an seiner Seite. Es kam ihm extrem ungewohnt vor, dass sie nicht da war. Während ein wichtiger Funktionär von EMI auf ihn einsprach, nickte er nur abwesend vor sich hin und war mit seinen Gedanken bei Marie. Er nahm sich vor, sie gleich morgen anzurufen. Warum wusste er selbst nicht genau, aber nach so langer Zeit war klar, dass er sich ohne Hintergedanken bei ihr melden konnte. Als ihm das Wort „Hintergedanken“ in den Sinn kam, verfinsterte sich sein Blick etwas. Schade, dass es überhaupt so weit gekommen war, dass er erst über „sowas“ nachdenken musste, bevor er sie anrufen konnte. „Per?“, rief Marie Dimberg aus einer anderen Ecke. Er drehte sofort den Kopf und verbannte die unangenehmen Gedanken aus seinem Kopf. „Ja“, antwortete er mit einem Lächeln und wandte sich ihr zu. Doch bereits eine Minute später war er mit seinen Gedanken wieder bei Marie.

Gegen halb drei verließ er mit seiner Frau etwas mehr als nur leicht betrunken seine eigene Party. Er schaffte es gerade noch, die nötigen paar Schritte zu gehen, sich auszuziehen, halbherzig Zähne zu putzen, um den fauligen Geschmack des Bieres in seinem Mund loszuwerden und sich dann ins Bett zu legen. Åsa sah noch einmal nach Gabriel, während Per schon eingeschlafen war.

Nach einer Dusche und einem ausgiebigen Frühstück rief er am nächsten Morgen gegen elf Uhr bei Marie an. Ihm war nicht wohl bei der Sache, doch das Gespräch verlief freundlich. Sie verabredeten sich für Freitag zum Mittagessen mit ihren Familien, da die Bolyos-Familie ab morgen für zwei Wochen in Halmstad war und sich das somit anbot.

Irgendwie hatte Marie gehofft, dass sie sich alleine treffen würden, aber es ging nicht anders. Vielleicht fanden sie im Laufe der nächsten zwei Wochen noch etwas Zeit, um sich privat zu unterhalten.

Als Per Marie am Freitag mit ihrer Familie im Restaurant ankommen sah, wurde ihm flau im Magen. Er hatte den Kuss einfach weggedacht und gehofft, dass es wirklich nur aus dem Affekt passiert war, aber in diesem Moment wusste er, dass es mehr war. Ihre Begrüßung sah für Außenstehende aus wie immer. Doch bei ihrer kurzen Umarmung zog er Marie etwas näher als sonst an sich, vergrub seinen Kopf in ihrer Schulter, atmete sie ein und griff mit seiner rechten Hand sanft aber bestimmt an ihre Taille. Marie war zwar überrascht, ließ sich aber nichts anmerken. Auch für sie war es komisch, ihn wieder zu sehen, auch sie hatte den Kuss nicht vergessen können und versuchte immer noch, ihn einzuordnen und aus ihrem Gedächtnis zu verdrängen.

Nachdem sie bestellt hatten, erzählte er seinen Freunden von seinen Plänen. „Wir werden wohl auf Tournee gehen im Sommer“, sagte er. Marie riss erstaunt die Augen auf. „Wirklich? Das freut mich für euch. Es wird bestimmt ein großer Erfolg.“ Sie zwinkerte ihm zu, doch er wusste, dass es ihr wehtat, selbst nicht gesund genug zu sein, um wieder intensiv Musik zu machen. „Wenn du willst, dann kannst du gerne für ein oder zwei Songs auf der Bühne erscheinen.“ Marie lachte. „ Vielleicht.“

Nach der Vorspeise entschuldigte sich Marie auf die Toilette. Per wusste nicht, was ihn antrieb, aber er musste ihr einfach hinterher, wollte nicht länger warten. Er wartete vor der Tür der Damentoilette, bis sie wieder heraus kam. „Per“, sagte sie erschrocken, als sie die Tür öffnete und direkt vor ihm stand. „Ich musste dich einfach sehen, so alleine.“ Marie schluckte. Ihr ging es genauso und irgendwie war sie froh, dass er ihr zuvor gekommen war und sie somit wusste, dass es ihm ähnlich ging, aber andererseits erfüllte sie die Situation mit Unbehagen, was Per an ihrem Gesichtsausdruck bemerkte. „Vielleicht ist der Gang hier ein schlechter Ort“, antwortete sie zögerlich. „Dann geh’ doch einfach wieder einen Schritt zurück.“ Marie wurde rot: so kannte sie ihn gar nicht. Doch sie tat, was er sagte. Kaum waren sie wieder in der Damentoilette, hatte Per schon die Tür geschlossen, sie an den Schultern gepackt und sanft gegen die Tür gedrückt. Beide wussten nicht, wie ihnen geschah. Er nahm ihren Kopf zwischen seine Hände und sagte: „Viel Zeit haben wir jedenfalls nicht.“ Sie sah, wie er sich langsam vorbeugte und schloss die Augen. Beiden war klar, was nun passieren würde. Ihre Lippen berührten sich und Per entfuhr ein leiser Seufzer. Beide öffneten ihre Lippen und ihre Zungen trafen sich. Diesmal war es Marie, die mit einem leisen Stöhnen auf den Kuss reagierte. Sie schlang ihre Hände um seinen Hals, um ihn näher zu sich zu ziehen und drückte ihren Körper gegen seinen. Mit einem Bein schob er ihre Beine auseinander und drückte sich als Reaktion auf ihre Bewegung gegen sie. Sie spürte seine Erregung in seiner Hose und wurde noch erregter. Per brach den Kuss jedoch abrupt ab und legte seinen Kopf auf ihre Schulter. Er atmete schnell, ebenso wie sie.

„Was ist das?“, fragte er verwirrt. „Ich bin verrückt nach dir“, brachte er noch hervor, dann drückte er sie fest an sich. Als er die Umarmung wieder löste, sah Marie ihn an. „Ich weiß nicht, was es ist. Aber ich will dich.“ „Ich glaube, wir müssen jetzt zurück“, war alles, was Per antworten konnte. Sie ließen voneinander ab und gingen wieder zurück zu ihrem Tisch, in der Hoffnung, dass keiner etwas bemerken würde.

Während des restlichen Essens und der Unterhaltung versuchten sie, sich nicht anzusehen, um nicht auffällig zu erscheinen. Doch immer, wenn sich ihre Augen trafen, dauerte der Blickkontakt eine Sekunde länger als es üblich war. Per zog sie förmlich aus mit seinen Blicken und Marie merkte, wie ihr heiß und kalt wurde. Sie wollte ihn. Am liebsten sofort. Es war ihr, als hätte sie noch nie etwas mehr gewollt als das. Es fiel ihr schwer, ihre Gedanken wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Kaum hatten sie das Restaurant verlassen und saßen im Auto, brummte Maries Handy. Wann sehen wir uns wieder?, fragte Per in einer SMS. Marie wurde rot und versuchte das vor Micke mit einem Lächeln zu verbergen. „Viele Grüße von Per, er wünscht noch einen schönen Abend“, sagte sie, um Micke zuvor zu kommen. Dann antwortete sie ihm: Ich werde heute Nacht von Dir träumen. Vielleicht geht es morgen. Werde gegen 15 Uhr am Hotel sein. Pers Herz schlug schneller, als er das las.


Im Eingangsbereich des Hotels wartete Per in einem der Sessel. Es war noch nicht annähernd 15 Uhr, aber er hatte es einfach nicht mehr ausgehalten und hatte sich unter dem Vorwand, im Hotel nach dem rechten sehen zu wollen, von zu Hause verabschiedet.

Pünktlich um 15 Uhr betrat Marie die Eingangshalle. Sie trug eine enge hellblaue Jeans, ein enges Top und darüber eine leichte Jeansjacke. Ihre Augen bedeckte sie mit einer dunklen Sonnenbrille. Sie entdeckte Per nicht gleich und ließ ihren Blick durch die Halle wandern. Per wusste bei ihrem Anblick wieder genau, warum er hier war. Das machte sich auch in seiner Hose bemerkbar.

Er stand auf, stellte sich in ihr Blickfeld, kam ihr aber nicht entgegen. Es trennten sie nun noch etwa zehn Meter, doch schon über diese Entfernung konnte er sie riechen. Er drehte sich langsam um und ging Richtung Aufzug, als er gemerkt hatte, dass sie ihn bemerkt hatte. Marie folgte ihm langsam. Vor dem Lift trafen sie sich, sprachen aber kein Wort.

Die Türen öffneten sich und beide traten ein, nachdem zwei Hotelgäste den Lift verlassen hatten. Per drückte beim Einsteigen auf den obersten Knopf und als die Türen schlossen, ging er einen großen Schritt auf Marie zu, die an der Wand gelehnt stand. Noch bevor er etwas gesagt hatte, hatte sie bereits ihre Augen geschlossen. Sie spürte seinen Atem, als er ihr ins Ohr hauchte: „Ich will dich.“

Im obersten Stockwerk angekommen, vergewisserte Per sich, dass die Flure leer waren. Er führte Marie zu einem mittelgroßen Apartment. Das maue Gefühl in ihrer Magengrube wich einem Verlangen, wie sie es lange nicht mehr gespürt hatte.

Als sie die Suite betreten hatten, schloss sie die Tür hinter sich und zog Per, der schon weitergegangen war, wieder zurück. Sie hatte in der Zwischenzeit ihre Sonnenbrille abgenommen und er sah ihr direkt in die Augen. In der nächsten Sekunde drückte er sie sanft gegen die Tür und küsste sie. Marie schloss ihre Augen, öffnete ihre Lippen und empfing Pers Zunge in ihrem Mund. Ihre rechte Hand wanderte um Pers Hals und zog ihn noch näher zu sich. Beide schnauften angestrengt. Mit zwei Handgriffen entledigte sich Per seiner leichten Sommerjacke, während Marie mit ihrer linken Hand langsam die Knöpfe seines Hemdes öffnete. Per strich ihr langsam die Jeansjacke von den Schultern. Er unterbrach den Kuss, schaute kurz hinab und begann, ihre Jeans zu öffnen. Dann schaute er wieder hoch und sah sie an. Ein Knopf nach dem anderen löste sich. Er beugte sich leicht nach vorn und strich mit seinen Händen über den Bund ihrer Hose, ehe er mit den Fingern darin verschwand, langsam nach hinten wanderte und ihren Po umgriff. „Nun können wir da weiter machen, wo wir gestern aufgehört haben“, sagte er und küsste sie sanft auf den Hals. Er drückte erneut ihre Pobacken zusammen, was Marie nur mit einem leisen Stöhnen beantworten konnte. Sie spürte ein lange nicht gekanntes Verlangen und wollte nichts mehr, als endlich Liebe mit ihm zu machen.

Als seine Hände ihre Hose verließen, nutzte sie die Gelegenheit, ihm das Hemd von den Schultern zu streichen. Mit den Armen schüttelte er es ab, während er gleichzeitig damit beschäftigt war, Marie ihres Tops zu entledigen. Sie reckte ihre Arme nach oben, um ihm dabei behilflich zu sein.

Sie standen immer noch an der Tür, Marie mit dem Rücken zur Tür gelehnt, Per stand vor ihr und stützte sich nun mit den Händen an der Tür ab. „Ich will dich, Marie. Jetzt und hier“, sagte er und schaute ihr tief in die Augen. „Dann lass’ es uns endlich tun“, forderte sie ihn auf.

Per ging leicht in die Knie, liebkoste ihre Brüste mit seiner Zunge und spielte mit ihren Brustwarzen. Marie schauderte, ihr ganzer Körper bebte. Per strich ihr die Jeans von der Hüfte und zog sie sanft bis zu den Knien. Mit weiteren zwei Bewegungen hatte Marie sich von ihrer Jeans befreit. Während Per seine Hose auszog, entledigte sie sich ihres Slips. Mit einem Bein drückte er ihre Beine auseinander und stellte sich zwischen sie. Sie spürte erneut seine Erregung gegen ihren Bauch drücken, nur diesmal konnte sie sie auch sehen.

Per schaute ihr erneut tief in die Augen, um sich zu vergewissern, dass sie es wirklich wollte, doch ihre Augen schenkten ihm den gleichen Blick wie schon eben. Sie wollte es und es sah so aus, als konnte sie es kaum noch erwarten, so wie er.

Er hob ihre Beine an, stellte sich noch näher an sie heran und drückte sie nun mit seinem ganzen Gewicht gegen die Tür. Marie ächzte leise und hatte die Augen geschlossen. Mit seinem Finger spürte er, wie feucht sie war und konnte sich nicht mehr zurückhalten. Mit einem kräftigen Stoß drang er in sie ein. Erneut entfuhr Marie ein Stöhnen, diesmal etwas lauter. „Alles ok?“, fragte er keuchend. „Ja, bitte, hör nicht auf damit.“ Dies bedachte Per mit einem weiteren Stoß. Er merkte, wie Marie sich dem Rhythmus anpasste und setzte seine Bewegungen in ihr fort. Marie zog sein Gesicht näher zu ihrem und sie tauschten einen tiefen Kuss aus.

„Lange kann ich hier nicht mehr stehen“, ächzte er mit einem verwegenen Grinsen im Gesicht. Mit einer Bewegung forderte sie ihn auf, zum Bett zu gehen. Mit seinen Händen unter ihrem Po und immer noch tief in ihr, trug er sie langsam ins Schlafzimmer. Sanft legte er sie hin und setzte seine Stöße fort.

Als er merkte, dass Marie kam, forcierte er die Geschwindigkeit. Dann wurde er wieder langsamer und widmete seine Aufmerksamkeit ihren Brüsten und ihrem Mund. Mit einem kräftigen Stoß entlud er sich mit einem lauten Stöhnen in ihr. Er vergrub sein Gesicht neben ihrem Kopf und sie strich ihm durch das nassgeschwitzte Haar. Beide lachten leise und umarmten sich daraufhin fest.

„Ich muss gleich gehen“, sagte sie nach einer ganzen Weile. „Ich weiß“, antwortete Per, der mittlerweile auf dem Rücken lag, Marie neben ihm, mit ihrem Kopf auf seiner Brust und seinem Herz lauschte, das nun wieder mit normaler Geschwindigkeit schlug.

„Bereust du es?“, fragte er. „Nein, niemals! Vergiss das bitte nie.“ Per fragte sich, ob es eine Wiederholung dessen geben würde oder nicht. Ob es nun Liebe war oder nur Verlangen? Er dachte an Åsa, seinen Sohn, an Micke und auch an Maries Kinder und wurde still. „Marie, meinst du, wir haben eine Chance?“ Sie musste schlucken, denn sie wusste genau, was er meinte. „Ich weiß es nicht. Lass uns etwas Zeit gewinnen. Ich weiß nur eines: du bist näher als jemals zuvor und das möchte ich nie wieder aufgeben.“ Sie kuschelte sich noch enger an ihn heran und sie genossen die letzte halbe Stunde zu zweit in vollen Zügen. „Ich hoffe, wir können uns in der nächsten Woche noch einmal sehen“, sagte er leise. „Danach werde ich keine Zeit mehr haben bis Mitte August schätze ich.“

„Ich schaue, was sich machen lässt und jetzt geh ich duschen“, sagte sie schelmisch und grinste ihn an. Damit stand sie auf und ging Richtung Badezimmer.

Bevor sie die Suite verließen tauschten sie noch einen innigen, liebevollen Kuss aus und umarmten sich fest. Per wollte diese Frau einfach nicht mehr loslassen. Es machte ihm Angst, dass er so dachte, dieses Gefühl ihr gegenüber kannte er nicht, aber er konnte sich einfach nicht dagegen wehren. Marie war ebenfalls ziemlich verwirrt, doch andererseits auch sehr glücklich. Sie fühlte sich in seinen Armen so geborgen wie bei keinem anderen Mann zuvor, auch Micke nicht.

In der Hotelhalle warfen sie sich noch einen tiefen Blick zu, ehe sie getrennte Wege gingen.

Während der folgenden Tage versuchten beide, etwas Abstand zu gewinnen und verzichteten sogar auf den gewohnten SMS-Kontakt. Doch der Abstand wollte sich nicht einstellen. Marie bereute nach wie vor nichts und konnte es kaum erwarten, ihn endlich wieder zu spüren. Sie verbrachte die Tage damit, ihren Kindern beim Rumtollen mit ihrem Vater im Meer zuzuschauen, während sie selbst auf einer Düne am Strand von Haverdal saß und gedankenverloren mit dem Sand spielte.

Per versuchte, sich mit Arbeit abzulenken, was ihm nur bedingt gelang. Immer noch war er auf der Suche nach einer Erklärung für diese ganze Geschichte, aber ihm fiel einfach keine ein. Anscheinend war es einfach so passiert. Und anscheinend hatten beide nach Maries Krankheit nun eine ganz neue Sicht auf das Leben und die Dinge, die passierten oder passieren konnten.

Erst am Abend des dritten Tages meldete sich Per bei Marie. Als das Telefon läutete, dachte Marie zunächst, dass es bestimmt Mickes Mutter sei, die sich nach ihren Enkeln erkundigen wollte. "Ja?", sagte sie fröhlich in den Hörer. "Ich bin's." Als sie seine Stimme hörte, zuckte sie zusammen und wurde unwillkürlich leiser. "Per. Schön, dass du anrufst. Ich…" "Ich weiß, geht mir genauso", antwortete er, ohne zu wissen, was sie eigentlich sagen wollte. "Wann sehen wir uns?", fragte er. "Du weißt, dass das nicht an mir liegt, ich bin im Urlaub." Er konnte sich das Lächeln auf ihrem Gesicht, als sie das sagte, genau vorstellen und sein Herz bedachte diesen Gedanken mit einer Beschleunigung des Schlages. "Micke fährt mit den Kindern morgen nach Helsingborg, um entfernte Verwandte zu besuchen. Komm' doch einfach gegen 13 Uhr vorbei, ja?" "13 Uhr, das müsste zu schaffen sein. Ich kann es kaum erwarten." "Und ich erst", antwortete sie. "Dann sehen wir uns morgen. Schlaf gut. Ich liebe dich." Ehe sie antworten konnte, hatte er schon aufgelegt. Hatte er wirklich gerade "ich liebe dich" gesagt? Sie fragte sich, wann Micke das das letzte Mal zu ihr gesagt hatte.

Per war unpünktlich. Und er wusste es. Er war schon immer unpünktlich gewesen, immer der Letzte, der irgendwo auftauchte und er hasste sich dafür. Als es 13.10 Uhr war, donnerte er mit 110 km/h über die Landstraße, um wenigstens halbwegs pünktlich anzukommen. Mit einer harten Bremsung stoppte er das Auto vor Maries Sommerhaus, sprintete aus dem Auto, verriegelte es mit seiner Fernbedienung und joggte los. Gerade wollte er klingeln, da öffnete sich auch schon die Tür. "Tut mir leid", sagte er, und unterstützte die Worte mit einer entschuldigenden Geste, indem er die Arme anhob und den Kopf etwas neigte. "Komm rein", war alles, was Marie sagte.

"Geht es dir gut?", fragte er etwas scheu, als er die Tür hinter sich schloss. "Na ja, ich habe wohl heute einen der schlechteren Tage, tut mir leid." Sie sah blass aus und erschöpft. Er ging einen Schritt auf sie zu und umarmte sie fest. Darauf hatte sie so gewartet. Sehnsüchtig ergriff sie seine Schultern und hielt sich fest. "Komm' erstmal rein", hauchte sie ihm ins Ohr.

Sie führte ihn ins Wohnzimmer, wo sie sich ein kleines Lager eingerichtet hatte. Auf dem Tisch türmten sich Getränke, Fernbedienungen, Medikamente und Tassen. Der Zustand der Couch ließ erahnen, dass sie hier schon länger gelegen haben muss. "Hast du denn wenigstens gut geschlafen?", wollte er wissen. "Letzte Nacht kaum, aber heute Morgen konnte ich mich etwas ausruhen, nachdem meine Familie weg war." Ein "tut mir leid" fügte sie noch hinzu, als ob sie sich dafür entschuldigen wollte, dass sie heute nicht die wilde Liebhaberin spielen konnte. Per verdrehte die Augen und verzog das Gesicht. Marie musste lächeln. "Das sieht doch schon besser aus", sagte er mit einem Zwinkern. Dann setzte er sich auf die Couch und machte eine Handbewegung, die bedeutete, dass sie sich zu ihm setzen sollte.

Langsam ließ sie sich auf das Sofa fallen und legte sich mit ihrem Kopf auf seinen Schoß. Unwillkürlich begann er, sanft über ihren Kopf zu streichen und mit seinen Fingern ihre Gesichtszüge nachzuziehen. Marie schloss die Augen und genoss die Berührungen sichtlich. Schon nach ein paar Minuten war sie eingeschlafen.

Als sie wieder aufwachte, war er weg. Sie lag nun auf einem Kissen und jemand hatte sie zugedeckt. Erst langsam erinnerte sie sich daran, dass Per da gewesen war und sie war nun geschockt und traurig zugleich, dass er gegangen war, ohne sie zu wecken. Dann hörte sie, wie Geschirr in der Küche klapperte. Sie zog sich die Decke um die Schultern, stand auf und ging langsam los, um nachzusehen. Es ging ihr schon viel besser als noch vorhin. Wie viel Uhr war es eigentlich, fragte sie sich. Sie warf einen Blick auf die Uhr, die auf dem Fernseher stand und stellte fest, dass es erst halb vier war. Dabei hatte sie das Gefühl, Stunden geschlafen zu haben.

Als sie um die Ecke in die Küche schaute, sah sie, wie Per Tee kochte und ein paar Brote schmierte. Mit einem noch halb verschlafenen Lächeln lehnte sie sich an den Türrahmen, zog die Decke noch enger um sich und beobachtete ihn. "Du bist ja noch da", sagte sie schließlich. Per erschrak so heftig, dass er sich den Kopf an einer geöffneten Tür eines Küchenschranks stieß und vor Schreck und Schmerz kurz aufschrie. "Autsch." Reflexartig begann er, sich die Stelle am Kopf mit einer Hand zu reiben.

"Natürlich bin ich noch hier. Meinst du, ich lasse dich einfach hier liegen und schlafen, ohne, dich geküsst zu haben?" Marie grinste. Per lehnte nun gegen die Arbeitsplatte und rieb sich immer noch die schmerzende Stelle am Hinterkopf.

"Den Kuss sollst du haben", sagte sie kaum hörbar, hielt ihre Decke fest und kam ihm entgegen. "Tut es denn sehr weh?", fragte sie ihn schelmisch und streichelte mit einer Hand sanft über seinen Kopf, während sie mit der anderen Hand verzweifelt versuchte, die Decke festzuhalten. "Jetzt nicht mehr." Er schlang seine Arme um sie und zog sie zu sich. "Geht es dir etwas besser?", fragte er und küsste sie sanft auf den Hals. "Ja, ich glaube schon, danke." Marie breitete die Decke aus und versuchte, sie um seine Schultern zu legen, schaffte es aber nicht. Per half ihr dabei. "Mmh, schön warm." Er zog sie noch näher an sich. Marie beugte sich vor und küsste ihn sanft auf den Mund. Dann noch einmal und dann noch einmal. Und dann küssten sie sich endlich richtig. Marie keuchte leicht, als sie seine Erregung spürte. Der Kuss wurde noch intensiver und Per fuhr mit seinen Händen unter ihrem T-Shirt entlang. Sie trug keinen BH, was er jetzt erst bemerkte und was ihn noch mehr erregte.

Zärtlich spielte er mit ihren Brustwarzen und öffnete während des Kusses seine Augen, um zu beobachten, wie sie darauf reagierte. Er merkte, dass sie erregt war, was seine Lust noch mehr steigerte. Er stöhnte leise auf. "Marie", unterbrach er den Kuss. "Wenn wir jetzt nicht aufhören, kann ich für nichts garantieren." "Das musst du ja auch gar nicht", antwortete sie verwegen und deutete ihm mit einer Kopfbewegung, den Kuss fortzusetzen.

Er stieß sich von der Arbeitsplatte ab, an der er immer noch lehnte, schnappte sich schnell mit der einen Hand noch ein geschmiertes Brot und führte sie langsam aus der Küche ins Wohnzimmer zurück. Noch einmal unterbrach er den Kuss. "Iss wenigstens noch etwas, dass du zu Kräften kommst" und hielt ihr das Brot vor den feuchten Mund. Ihr Blick ließ Erstaunen, Leidenschaft, Hunger und angenehmes Wohlgefühl erahnen. Dann biss sie in das Brot und versuchte, so schnell wie möglich zu kauen, ohne jedoch den Blickkontakt zu unterbrechen.

Mit einer unbedachten Handbewegung legte er den Rest auf den Wohnzimmertisch und drückte Marie sanft auf das Sofa. Sie hatten immer noch die Wolldecke um sich gewickelt und begannen, zu schwitzen. Per strich sich das T-Shirt über die Schultern, während Marie sich ebenfalls ihr T-Shirt auszog. Er lag nun auf ihr und begann, mit seiner Zunge an ihren Brustwarzen zu spielen. Sie warf das Gesicht nach hinten und stöhnte leise.

Per trug eine luftige Shorts, die er sich, in einem Zug mit der Unterhose, schnell ausgezogen hatte. Marie hatte immer noch die Augen geschlossen und genoss, seine Berührungen in vollen Zügen. Sie hatte sich morgens eine gut sitzende Jogginghose angezogen und war froh, dass man sie nicht nur schnell an, sondern auch schnell wieder ausziehen konnte, was Per gleich bemerkte, als er sie ebenfalls entkleidete. Beide waren nun nackt und Per zog sich ein Stück nach vorne, um auf Augenhöhe mit Marie zu sein. Ihre Augen waren immer noch zu. "Willst du es wirklich?", fragte er zaghaft. Langsam öffnete sie ihre Augen und sah ihn an. Mit beiden Händen hielt sie sein Gesicht fest und strich mit den Daumen über seine Wangen. "Ja", war alles, was sie sagte.

Sie tauschten einen innigen Kuss aus und Marie spreizte sanft ihre Beine. Langsam drang er in sie ein, was sie mit einem Stöhnen bedachte.

Sie fühlte sich so gut an, dachte er und keuchte kurz auf. Er begann nur mühselig damit, sich schneller zu bewegen. Er wollte sie nicht unnötig strapazieren und er selbst hatte noch nie so sehr wie in diesem Moment gefühlt, wie schön es war, diese Art von Liebe zu machen. Er wollte sich auch gar nicht schneller bewegen. Bedächtig rieb er sich auf, an und in ihr und spürte, wie ein tiefes Gefühl von Liebe über ihn kam.

Marie hatte die Augen wieder geschlossen, den Kopf in den Nacken geworfen und ihre Arme hinter sich gelegt. Per streckte seine Arme ebenfalls aus und suchte mit seinen Händen nach ihren. Als er sie fand, verschlang er seine Finger mit ihren und beide drückten fest zu, als ob sie sich damit ihre Liebe zeigen wollten.

Als er spürte, dass Marie kam, forcierte er kurz die Geschwindigkeit etwas, wurde aber langsamer, als er merkte, dass ihr Orgasmus ihn so beben ließ, dass er beinahe die Kontrolle über seinen eigenen Körper verlor und das wollte er noch nicht. Er wollte sie so lange wie möglich spüren. "Dreh' dich um"; sagte er sanft, aber bestimmt. Vorsichtig glitt er aus ihr heraus und wartete, wie sie auf seine Forderung reagieren würde. Sie öffnete ihre Augen und drehte sich langsam auf den Bauch. Per hatte sich hingehockt, um ihr das zu erleichtern und war bedacht, die Wolldecke, die immer noch unter ihr und über ihm lag, nicht zu verlieren. Als sie sich auf den Bauch gedreht hatte, strich er langsam über ihren Rücken und massierte ihn leicht. Dann legte er sich auf sie und drang wieder in sie ein.

Marie keuchte jetzt bei jedem Stoß, den er machte und er hatte Angst, dass es ihr zuviel wurde. "Ok?", fragte er nur, zu mehr war er nicht in der Lage. "Nicht aufhören", war ihre Antwort. Beide hatten wieder ihre Arme über Maries Kopf ausgestreckt und ihre Hände krallten sich ineinander fest.

Gegen seinen Willen stieß Per nun etwas fester zu und keuchte Marie ins Ohr. Bevor er komplett die Kontrolle verlor und nicht mehr aufhören konnte, löste er eine Hand aus der Umklammerung, legte sie unter Maries Bauch und brachte sie mit einer weiteren Bewegung an ihre intimste Stelle. Mit zwei Fingern begann er, sie vorsichtig zu reiben. Marie stöhnte auf. Im gleichen Takt mit der Bewegung setzte er seine Stöße fort und als sie erneut kam, konnte auch er sich nicht mehr zurückhalten und erlöste sich mit einem tiefen Stoß. Erschöpft ließ er sich auf sie fallen. Beide atmeten schnell und lachten leise.

Nach ein paar Sekunden hockte sich Per erneut hin, damit Marie sich wieder umdrehen konnte. Kurzerhand legte er sich selbst mit dem Rücken auf die Couch, so dass er sie nicht mit seinem Gewicht belasten musste. Marie ließ ihren Kopf auf seiner Brust ruhen. Per strich ihr langsam über den sanften Haarflaum, der mittlerweile etwa einen Zentimeter maß.

"Bist du müde?", fragte er sie. "Nein, im Gegenteil." Sie kuschelte sich noch näher an ihn heran. "Ich verstehe immer noch nicht, was mit uns passiert", sagte er. "Ich auch nicht, aber anscheinend tut es uns beiden gut. Nur schade, dass wir uns jetzt so lange nicht sehen." Sehnsucht machte sich jetzt bei beiden breit. "Wann spielt ihr in Halmstad?", fragte sie nach einer kurzen Weile. "Vermutlich Ende Juli. Willst du kommen?" "Auf jeden Fall, aber nicht auf die Bühne", grinste sie. "Die sechs Wochen gehen doch schnell vorbei", versuchte er, sich und sie aufzumuntern. Die letzten gemeinsamen Minuten sogen sie auf wie eine ausgetrocknete Blume das Wasser.

"Ich hoffe, dass wir nach der Tournee irgendeine Entscheidung finden, Marie. Ich liebe dich." Er sprach die Worte, als er schon an der Tür stand und strich ihr sanft über die Wange. "Ich liebe dich auch." Sie nahm seine Hand in ihre, küsste ihn sanft auf die Innenfläche und verabschiedete ihn.

Dann räumte sie etwas auf und schaltete den Fernseher ein und hoffte, dass sie noch etwas Zeit allein haben würde. Per indes fuhr extra langsam nach Hause, um seine Gedanken zu sortieren. Er hätte nie damit gerechnet, dass ihm so was noch mal in seinem Leben passieren würde.

Der Sommer war nun endgültig über das Land hereingebrochen. "Mazarin" wurde ein größerer Erfolg, als Per es jemals zu träumen gewagt hatte. Er verbrachte die ersten Juliwochen damit, mit der Band zu proben und verschiedene Stücke einzuspielen. Er hatte sich noch nicht entschieden, welche Songs er genau spielen wollte und stellte die Geduld seiner Kollegen auf eine harte Probe.

Eigentlich war er der glücklichste Mann der Welt, dachte er sich. Frau und Kind waren an seiner Seite, es war Sommer, er war in der Heimat und durfte bald auf Tournee gehen. Doch andererseits wünschte er sich, dass alles schnell vorbeigehen würde, damit er endlich in Ruhe nachdenken konnte.

Marie war schon Ende Juni wieder nach Stockholm zurückgekehrt und verbrachte die herrliche Sommerzeit auf ihrem Boot. Sie genoss die leisen Geräusche des Wassers, die warmen Strahlen der Sonne auf ihrer Haut und das vertraute Gefühl, ihre Familie um sich zu haben. Im Gegensatz zu Per hatte sie zwar viel Zeit, nachzudenken, aber das wollte sie eigentlich gar nicht. Sie hatte den Eindruck, dass jeder Gedanke an Per einen neuen Knoten zu Tage förderte, den sie niemals würde lösen können. Und sie ärgerte sich, dass sie nicht mit ihm zusammen über alles reden konnte, was passiert war. Ihr Verhältnis zu Micke hatte sich glücklicherweise nicht verändert. Erleichtert konnte sie feststellen, dass er nicht merkte, dass in der Zwischenzeit etwas passiert war, das ihr Leben vielleicht grundlegend ändern konnte.

Dabei schien doch bereits alles entschieden zu sein. Per war schon seit fast 20 Jahren mit Åsa zusammen und die Krönung ihrer Liebe war die Geburt ihres Sohnes, Gabriel Titus, 1997.
Marie hatte ihren Micke zwar erst viel später getroffen, dafür aber endlich das Gefühl habt, angekommen zu sein.
Sie beobachtete Micke dabei, wie er das Deck schrubbte und erinnerte sich an die frühen Achtziger Jahre, als sie die meiste Zeit mit Per verbrachte. Wie Pech und Schwefel hatten sie damals zusammengehalten. An eine Liebesaffäre hatten sie nie gedacht. Doch eine Antwort auf die Frage, wieso es jetzt passieren musste, fiel ihr nicht ein. Sie vermisste Per.

"Welcher Tag ist heute?", fragte sie in die Stille herein. "Der 20. Juli", keuchte Micke. Neun Tage, zählte sie im Stillen. Sie wollte unbedingt sein erstes Konzert sehen, auch wenn es ihr momentan nicht berauschend ging. Die Medikamente schwemmten sie nicht nur auf, sondern machten sie auch müde und launisch.

Die Nervosität bei Per stieg, je näher die Premiere rückte. Nachts schlug er sich die Stunden mit MP um die Ohren und spielte einige Demos ein. Tagsüber war er zu aufgedreht, um zu schlafen und zu müde, um klar denken zu können. Seine Sehnsucht nach Marie wuchs von Tag zu Tag. Er hatte jetzt schon drei Wochen nichts mehr von ihr gehört und er beschloss, sie auch bis zum 29. nicht anzurufen. Er spielte mit dieser schmerzhaften Lust und genoss es, gleichzeitig zu leiden wie ein Hund und sich andererseits zu freuen wie ein kleines Kind.

Der Flieger mit der Nummer HS358 aus Stockholm landete am Flughafen Halmstad um 13 Uhr. Die Sonne brannte und Marie atmete einmal kräftig ein, inhalierte die frische und altbekannte Luft der Westküste, als sie die Treppen der Gangway herunter stieg. Auch wenn ihr Zuhause jetzt in Stockholm war, Halmstad würde immer eine Heimat für sie bleiben.

Sie verstauten ihr Gepäck in einem Wagen des Hotels, den Per geschickt hatte, fuhren den kurzen Weg nach Tylösand, checkten ein, brachten ihre Sachen in die Suite und gönnten sich im Restaurant einen kleinen Snack. Marie fragte sich, ob sie Per vor dem Konzert noch einmal sehen würde. Sie hatten sich nicht verabredet und sie befürchtete, dass ihm erst Auge in Auge gegenüber stehen würde, wenn sie von 30 anderen Leuten beäugt wurden.

Als sie gegen 18 Uhr das VIP-Zelt hinter der Bühne auf dem riesigen Gelände betrat, ließ sie ihre Augen umher wandern, konnte jedoch weder Per noch sonst eine wirklich vertraute Person ausmachen. Die Kinder hatten in der Zwischenzeit eine Spielecke entdeckt und Micke besorgte Getränke. "Marie", hörte sie es hinter sich. Sie drehte sich mit einem Ruck um und sah Marie Dimberg direkt in die Augen. "Aah, hallo", begrüßte sie ihre Managerin. Sie begrüßten sich mit einer kurzen Umarmung. "Schön, dass du hier bist. Geht's dir gut?", fragte Dimman und versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, dass sie zwar einerseits erfreut war, dass es Marie gut zu gehen schien, sie aber andererseits offensichtlich sehr von den Medikamenten gezeichnet war. "Gute und schlechte Tage, du weißt ja", versuchte Marie, belanglos zu klingen.

"Sag mal", fuhr sie fort, "wo finde ich denn die wichtigste Person des Tages?" und fügte ihrer Frage ein Lächeln hinzu. "Oh, Per war noch kurz zu Hause. Er ist gerade gekommen hat sich etwas zurückgezogen. Åsa und der Kleine kommen wohl gleich nach. Gabriel ging es heute anscheinend nicht so gut und er hat bis eben geschlafen." Marie wusste jetzt immer noch nicht, wo sie Per finden konnte und zögerte erst, nochmal zu fragen, um eine genaue Antwort zu erhalten. Aber sie dachte sich, dass es keinen besseren Moment als jetzt geben würde, bevor Micke wiederkam. "Wo ist Per denn?", fragte sie schließlich mit Nachdruck. "Aus dem Zelt raus, dahinter rechts, ein Stück in den kleinen Wald hinein", zwinkerte sie. "Danke. Sagst du Micke bitte Bescheid? Ich bin gleich zurück."

Mit schnellen Schritten verließ sie das Zelt und schaffte es knapp um die Ecke, bevor Micke sie sehen konnte. Sie hasste sich in diesem Moment dafür, ihn so stehen zu lassen, aber sie konnte einfach nicht anders. Sie konnte sich seinen Blick vorstellen, als Dimman ihm sagte, dass sie kurz zu Per sei. Vermutlich würde er jetzt beide Gläser Sekt alleine leeren. Bei dem Gedanken daran musste sie schmunzeln.

Ihre Augen wanderten durch das leichte Dickicht der Büsche und Bäume. Sie entdeckte Per an einer sehr kleinen Lichtung. Er hatte eine Decke ausgebreitet, saß darauf und spielte gedankenverloren auf der Gitarre.

Ohne ein unnötiges Geräusch zu machen, näherte sich Marie und als sie fast unmittelbar neben ihm stand, flüsterte sie seinen Namen. Per erschrak heftig, drehte sich schlagartig um und der Schreck wich Freude. "Marie", sagte er fast etwas zu laut, als sein Blick ihre Augen fand. Marie grinste. Dann fielen sie sich in die Arme und hielten sich fest. "Ich habe dich so vermisst", flüsterte er in ihr Ohr und alleine schon seinen Atem auf ihrer Haut zu spüren, ließ Marie schaudern. "Frag' mich mal", antwortete sie schelmisch und drückte ihn noch fester an sich. "Du riechst so gut, am besten lasse ich dich nie wieder los." "Das würde den 15.000 Menschen, die da vorne auf dich warten, aber nicht gefallen." Beide mussten lachen. "Wie geht's dir?", fragte er, als sie die Umarmung gelöst und sich auf die Decke gesetzt hatten. Per hatte Maries Hand genommen und streichelte sie sanft. "Das siehst du ja", antwortete sie trocken. "Du siehst toll aus, wie immer." Verstohlen blickte sich Marie um und als sie sicher war, dass sie niemand sehen konnte, bedanke sie sich mit einem Kuss für das Kompliment.

"Ich bin so froh, dich zu sehen. Wird schwer heute für mich, alleine im Rampenlicht zu stehen." "Ich freue mich jedenfalls drauf", grinste Marie. Dann wurde sie ernst. "Aber ich freue mich viel mehr, wenn die Tour vorbei ist. Man sollte meinen, ich hätte ein gewisses Alter der Reife erreicht", und grinste wieder, "aber ich habe das Gefühl, ich verliere mich selbst in uns, wenn wir nicht bald darüber sprechen, was wir nun tun werden. Welche Entscheidungen wir treffen können." "Ich weiß nur eins, Marie. Ich will dich nicht mehr aufgeben. Und das Chaos beseitigen wir gemeinsam." Er strahlte sie an und wollte ihr Zuversicht vermitteln. Marie musste unweigerlich lächeln, stand auf und zog ihn langsam an der Hand hoch. "Lass uns zurückgehen, die warten sicher schon."

Marie hatte sich schon fast umgedreht, als Per sie mit einem sanften Ruck hinter den Baum zog und leidenschaftlich küsste. Ehe Marie wusste, wie ihr geschah, war sie schon mitten in seinem Kuss gefangen und schlang ihre Arme um seinen Nacken. Sanft drückte er mit seinen Knien ihre Beine auseinander und stellte sich dazwischen. Marie musste lächeln, weil er das immer tat und sie fand es so ungeheuer sexy. Langsam rieb er sich an ihr und obwohl sie beide angezogen waren, kam es ihnen vor, als würden sie es wirklich tun. Marie spürte, wie erregt war und hatte selbst Probleme, einen klaren Gedanken zu fassen. Nur mit Mühe konnte sie den Kuss unterbrechen. "Per…Per…wir sollten jetzt besser gehen." Per schloss die Augen und atmete tief durch. "Du hast Recht." Sie umarmten sich noch einmal fest. "Ich werde dich nicht aufgeben, Marie, hörst du?" "Ich weiß. Ich spüre deine Nähe jede Sekunde." Mit seinen beiden Daumen zog er sanft die Linien ihrer Wangen nach. Er platzierte zwei sanfte Küsse auf ihren Augen, einen auf den Mund und zwei auf die Wangen. "Fünf Sterne für Marie."

Micke war gar nicht so aufgebracht, wie Marie es sich gedacht hatte. Er spielte mit den Kindern und war offensichtlich bester Laune, als sie in das Zelt zurückkam. "Tut mir leid", sagte sie mit einer entschuldigenden Geste. "Schon ok", zwinkerte er. "Wir haben in der Zwischenzeit den schiefen Turm von Pisa mit Legosteinen nachgebaut." Er grinste breit und deutete auf ein ziemlich krummes Bauwerk auf dem Boden.

Das Konzert wurde ein voller Erfolg. Per genoss es, von der Menge gefeiert zu werden und seine Stimmung stieg von Lied zu Lied immer mehr. Für zwei Stunden ließ er alles hinter sich und lebte in seiner Musik. Erst als er nach der Zugabe und nach einer kleinen Autogrammstunde kurz nach dem Konzert wieder hinter der Bühne war und mit seinen Kollegen anstoßen konnte, wurde alles wieder real. Er versuchte, Maries Blick auszuweichen, nicht auffällig zu wirken, doch wenn sie sich ansahen, war es dafür umso intensiver.

Die Bolyos-Familie verabschiedete sich recht früh von der Party und Per zwinkerte ihr kurz zu. Beiden war bewusst, dass nun wieder zwei Wochen vergehen würden, bis sie sich sahen.
Erschöpft, aber glücklich stieg Marie am nächsten Mittag in den Flieger. Per hingegen bereitete sich schon auf den nächsten Auftritt in Helsingborg vor, auch wenn er das nur äußerlich tat. Seine Gedanken blieben die ganze Zeit über bei Marie. Vergiss mich nicht. ;-), lautete seine SMS, die sie bekam, als sie in Stockholm gelandet war und ihr Handy wieder eingeschaltet hatte. Wie konnte er glauben, dass sie ihn vergessen würde, fragte sie sich gedankenverloren. Wo er doch die ganze Zeit in ihrem Kopf umher geisterte.

Entnervt legte Marie die Kopfhörer zur Seite. Das hörte sich irgendwie nicht so an, wie es eigentlich sollte. Sie suchte die LÖSCHEN-Taste auf dem Mischpult, um dieses Arrangement sofort wieder aus ihrem Gedächtnis zu streichen. Alleine machte ihr das Aufnehmen neuer Songs eigentlich keinen Spaß mehr, aber bis Micke wieder nach Hause kam, würde es wohl noch ein paar Stunden dauern und so lange hatte sie nicht warten wollen.

Sie ärgerte sich über sich selbst, dass sie nicht gewartet hatte und dieses neue Lied nun einen faden Beigeschmack hinterlassen hatte. Aber sie war sich sicher, dass Micke mit Sicherheit noch eine gute Idee haben würde.

Sie ging in die Küche und setzte einen Tee auf, in der Zwischenzeit begann sie, die Zimmer ihrer Kinder aufzuräumen, die noch in der Schule waren. Josefin hasste es, wenn ihre Mutter in ihrem Zimmer Ordnung schaffte, als Marie daran dachte, musste sie unweigerlich schmunzeln.

Der Gedanke an Per kam wie jeden Tag ganz von alleine. Seit fast einem Monat hatte sie nun nichts mehr von ihm gehört. Sie machte es sich auf dem Sofa bequem, wärmte ihre Hände an der Teetasse, obwohl es Hochsommer war und draußen und drinnen ausreichend warm. Zum Stockholm-Konzert hatte sie nicht gehen können und sie glaubte immer noch, dass Per wohl dachte, dass sie absichtlich nicht gekommen war.

Sie hatte mehrfach versucht, ihn an diesem Tag anzurufen, aber sein Handy war abgeschaltet. Am Ende begnügte sie sich mit seiner Mailbox, auf die sie eine ziemlich wirre Nachricht gesprochen hatte. Kein Wunder, dass er sauer auf sie sein musste und sich nicht meldete.

Jetzt war es Ende August, seine Tournee war schon lange zu Ende und er war in der Zwischenzeit mit seiner Familie im Urlaub, wie sie aus der Presse erfahren hatte. Allein der Gedanke daran, wie er mit Åsa am Strand lag und mit Gabriel Sandburgen baute, versetzte ihr Stiche.

Während sie auf der Couch lag und auf das leblose Handy starrte, überlegte sie, ob sie ihn anrufen sollte. Doch ihr Stolz hinderte sie wieder einmal daran. Es war an ihm, sich zu melden, er war dran, nicht sie, dachte sie trotzig. Und doch hatte sie solche Sehnsucht nach ihm. Nach seinen großen, weichen Händen, seinem warmen Atem, seinen zarten Berührungen. Warum nur meldete er sich nicht?

Sie konnte ja nicht ahnen, dass Pers Leben in der Zwischenzeit eine Wendung erfahren hatte. Er hatte gedacht, dass er vorsichtig genug gewesen sei, doch Åsa war hinter seine Affäre gekommen. Sie wusste nicht, wer sie war, aber sie wusste, dass sie existierte. Sie hatte einen Vermerk des Hotels gefunden, in dem die Nutzung einer kleinen Suite aufgeführt war. Sie hatte ihn gefragt, um was es da ging, doch er log mehr schlecht als recht und Åsa wusste schnell was los war.
Per haderte mit sich, taumelte zwischen Wahrheit und Leugnen. Einerseits war er froh, dass die Sache von alleine aufgeflogen war, aber Åsa nicht wusste, dass es Marie war - das hätte ihr den Rest gegeben. Andererseits war er mehrfach kurz davor gewesen, ihr alles zu gestehen.

Doch sie war großartig gewesen. Hatte ihm verziehen und darum gebeten, sich eine zweite Chance zu geben. Was sollte er anderes tun, als JA sagen? Er war mit ihr immerhin schon fast 20 Jahre zusammen. Seit dem letzten Konzert der Tour war es für beide ein Wechselbad der Gefühle gewesen. Sie hatten sich immer wieder heftig gestritten, danach noch heftiger geliebt und wieder versöhnt. Beide waren so ausgelaugt davon, dass der Urlaub gerade recht kam. Sie nutzten ihn, um sich auszusprechen und kamen sich so wieder näher.

Umso schlechter fühlte sich Per, weil seine Gedanken die meiste Zeit über immer noch bei Marie waren. Er hatte es nicht gewagt, sie anzurufen. Er fühlte sich wie ein mieser Feigling ihr gegenüber. Wo er sich doch nichts sehnlicher wünschte, als wieder ihren schnellen Atem zu spüren und zu hören. Ihre Beine, die sich um ihn schlangen und ihre Finger, die sich in seinen Rücken krallten, wenn die Lust am größten wurde.
Doch viel länger konnte er sich nicht herausreden. Weder seiner Familie, noch Marie gegenüber. Er wollte unbedingt reinen Tisch machen, nur wusste er nicht, wie und zu Gunsten von wem.

Als er die Büros der EMI verließ und sich kurz darüber freute, dass die zwei Auftritte in Norwegen und Finnland klappen würden, entschied er sich, direkt bei Marie vorbei zu fahren. Er sah auf die Uhr. 16.30 Uhr. Hoffentlich würde er sie antreffen. Wenn sie mit ihrem Boot draußen war, war es hoffnungslos, auf sie zu warten. Manchmal kamen sie erst spät abends wieder zurück und er wollte Åsas Geduld nicht zu sehr strapazieren, auch wenn es in ihren Augen "nur" Marie war.

Er parkte den Wagen auf der Straße und schritt die lange Einfahrt hinauf. Er konnte die Autos sehen, vielleicht hatte er Glück und würde sie erwischen. Ihr Gesicht, wenn sie ihn sah, konnte er sich jetzt schon vorstellen und es gefiel ihm nicht wirklich.

Nachdem er drei Mal geklingelt hatte und niemand reagiert hatte, drehte er schon ab. Doch dann entschloss er sich, so weit es möglich war, um das Haus zu gehen. Als er den Blick schweifen ließ, konnte er sehen, dass jemand da war. Und auch, wenn er nur einen Schatten sah, er wusste, dass es Marie war. Und sie musste alleine sein, sonst hätte schon längst jemand geöffnet. Anscheinend wollte sie ihn also nicht sehen. Er konnte es ihr nicht verübeln.

Er ging wieder zur Eingangstür und klopfte. "Marie, ich weiß, dass du da bist. Mach' doch bitte auf", sagte er sehr laut Keine Reaktion. "Ok, wie du willst. Ich werde mich jetzt hier hinsetzen und warten, bis du aufmachst." Er hatte sich kaum hingesetzt, als sich die Tür öffnete. "Glaub' ja nicht, dass ich wegen dir aufgemacht habe. Aber die Nachbarn…du weißt ja. Komm' rein." Sie hielt die Tür auf und deutete ihm mit einer Geste, hinein zu gehen. Er wollte sie umarmen, als sie sie geschlossen hatte, doch sie neigte den Kopf und entzog sich mit einer geschickten Drehung seiner Berührung, nach der sie sich wochenlang so gesehnt hatte.

Sie führte ihn in die Küche. "Du weißt also noch, wo ich wohne. Wie beruhigend", entgegnete sie ihm sarkastisch. Per verzog das Gesicht und Marie wusste, dass etwas nicht stimmte. Aber wenn er nicht selbst damit rausrückte, würde sie ihn auch nicht fragen.

Er legte seine Hände auf die Arbeitsplatte und starrte geistesabwesend aus dem Fenster, während Marie in einigen Metern Entfernung am Türrahmen lehnte. Sie überlegte sich, welches Ausmaß die Nachricht haben könnte, die er ihr mitteilen wollte, aber wohl nicht konnte. Sie versuchte, sich auszumalen, was das Schlimmste wäre, was er ihr sagen konnte, oder auch das Beste. Die Stille kam ihr wie eine halbe Ewigkeit vor.

"Åsa hat einen Zettel vom Hotel gefunden und gut lügen konnte ich noch nie", begann er schließlich. "Das war kurz nachdem wir uns das letzte Mal gesehen haben. Sie weiß, dass es eine "Andere" gibt, aber sie weiß nicht, dass du es bist." Das Wort "Andere" hatte besonders betont und bis der Satz über seine Lippen kam, hatte er noch überlegt, ob er ihn in Gegenwartsform oder Vergangenheit aussprechen sollte. "Was bedeutet das?" "Ich habe harte Wochen hinter mir, wir haben viel gestritten, uns versöhnt, uns ausgesprochen. Ich habe ihr noch nichts versprochen. Sie wollte gar nicht wissen, was mir die "Andere" bedeutet, oder ob ich sie verlassen werde. Sie weiß wohl, dass ich mich auf jeden Fall entscheiden werde. Komische Situation." "Was heißt das?", wiederholte Marie ihre Frage, auf die sie immer noch keine Antwort erhalten hatte.

"Vielleicht heißt das, dass wir etwas Abstand gewinnen sollten und uns überlegen sollten, ob wir unsere Familien wirklich aufgeben können?" Dann erfüllte wieder Stille den Raum.

Marie stieß sich vom Türrahmen ab und ging langsam auf ihn zu. Wenn er es so haben wollte, dann sollte er wenigstens daran zu knabbern haben. Sie riskierte einen Blick auf die Uhr und rechnete aus, dass sie noch mindestens zwei Stunden alleine zu Hause sein würde.

Per starrte immer noch aus dem Fenster. Mit einer raschen Bewegung war Marie so auf der Arbeitsplatte gelandet, dass sie sich nur ein klein wenig drehen musste, um bequem zu sitzen. Sie zog Per zu sich, der offensichtlich nicht wusste, wie ihm geschah.

Sie sah ihm tief in die Augen, während sie ihm langsam das Hemd aufknöpfte und von den Schultern strich. Es dauerte keine Sekunde, bis sein Erstaunen und seine halbherzige Entschlossenheit extremer Erregung wich. Er schob seine Hände unter ihren Po und drückte sie noch enger an sich.

Marie hatte dadurch etwas Mühe, seine Hose zu öffnen und schob ihn mit einem verwegenen Grinsen wieder ein Stückchen weg. Mit einem Ruck hatte sie sowohl seine Jeans und seine Shorts soweit runtergeschoben, wie es nötig war und hatte gar nicht gemerkt, dass er ihr in der Zwischenzeit ihre Stoffhose ausgezogen hatte.

Innerlich segnete sie den Tag, an dem sie damals beschlossen hatten, die Arbeitsplatte etwas niedriger einbauen zu lassen, als es üblich war. Marie war ja nun nicht die Größte.
Sie streckte die Arme in die Höhe und Per zog ihr das Top aus. Für einen kurzen Augenblick hielt er inne und betrachtete sie. Er liebte ihren verwegenen Blick, wenn sie erregt war. Mit seinen Daumen strich er über ihre Wangen, dann über ihren Hals, ihre Brüste, bis zum Bauchnabel, bis hin zu ihrer intimsten Stelle. Während er mit dem einen Daumen sanft ihre empfindlichste Stelle rieb, befühlte er mit dem anderen das Ergebnis ein Stück weiter unten. Sie war so heiß und feucht, dass sogar schon die Arbeitsplatte nass war.

Er hatte Angst davor, sie zu küssen. Er wusste, dass es dann mehr werden würde als "nur" Sex. Doch er konnte nicht länger damit warten und tastete sich mit seinen Lippen zu ihrem Mund vor. Sie hatte den Mund halb geöffnet und konnte es kaum erwarten, seine Zunge zu spüren. Sie küssten sich so heftig, dass Maries Mund von seiner rauen Haut und dank seines schnellen Bartwuchses ganz rot wurde.

Er schob sie noch näher an sich und stellte sich so dicht wie möglich an die Anrichte. Schnell, aber sanft drang er in sie ein. Sie reagierte mit einem lauten Stöhnen darauf. Während er sich in ihr bewegte, nahm er ihren Kopf zwischen beide Hände und fixierte ihre Augen. Sekundenlang blickten sie sich einfach nur an. Pers Stöße wurden daraufhin heftiger, als ob er ihr damit seine Liebe zeigen wollte.

Dann schob er seine Hände wieder unter ihren Po und zog Marie im Rhythmus mit seinen Stößen immer wieder zu sich. "Oh ja", entfuhr es ihr.

Per wurden langsam die Knie weich und er suchte mit seinen Augen den Raum ab, was nur bedingt möglich war, da er mit dem Rücken zu ihm stand. Kurzentschlossen hob er Marie an, drehte sich um 180 Grad und sah den leeren Küchentisch, auf dem er sie hinlegte. Mit ihren Armen schob sie sich ein Stück hoch, so dass auch er genug Platz hatte.

Sie schlang ihre Beine um ihn, spürte ihn so noch tiefer in sich. Mit wilden Küssen setzten sie ihr Liebesspiel fort, bis Per plötzlich inne hielt. Noch einmal sah er ihr tief in die Augen, als ob er sich erneut vergewissern wollte, dass es wirklich Marie war, mit der er hier lag. Dann drückte er seinen Unterkörper noch enger an sie heran und setzte seine Bewegungen langsam fort.

Als er merkte, dass sie kam, forcierte er die Geschwindigkeit, als ob es alleine das wäre, um ihr zu zeigen, wie sehr er sie wollte. Sie atmete schwer und hatte die Augen geschlossen und stöhnte jedes Mal auf, wenn er mit einem festen Stoß noch tiefer in sie eindrang. Per sah sie mit großen Augen an, als sie endlich ihren Höhepunkt erreichte. Es erregte ihn so sehr, wie sie die Kontrolle verlor, dass er sich selbst nicht mehr zurückhalten konnte und nach ein paar schnellen, tiefen Stößen ebenfalls kam, kurz, aber laut aufstöhnte, ihr Gesicht aber immer noch im Blick hatte.

Immer noch hatte sie die Augen geschlossen, als sich ihre Körper wieder beruhigt hatten. Per sah sie immer noch an. Sie lächelte leicht, hatte ihre Hände immer noch auf seinem Rücken, strich ihn sanft von oben nach unten.

Eine kleine Träne machte sich selbstständig und rollte langsam über ihre Wange. Mit einem Daumen strich Per sie langsam weg, wodurch Marie merkte, dass er sie angesehen haben musste. Sie öffnete die Augen wieder und sah so unendlich verletzlich aus. Per brach fast das Herz vor lauter Zuneigung.

Doch sie hatte ihre Fassung schnell wieder gewonnen und scherzte: "Keine Sorge, das ist nicht, weil es schlecht war, im Gegenteil", flüsterte sie. "War das nun die Abschiedsvorstellung?", fragte er leise. "DU wolltest den Abstand, nicht ich", entgegnete sie trotzig. "Lass uns darüber im Klaren werden, was wir wollen und was wir bereit sind, dafür aufzugeben, oder nicht." Marie dachte über seine Worte nach. Im Endeffekt hatte er Recht. Jahrzehntelang hatten sie sich ein Leben aufgebaut, das sie jetzt über den Haufen schmeißen wollten?

Während Per duschte, räumte Marie die Küche auf. Sie fragte sich, wie sie ohne ihn überhaupt wieder glücklich werden sollte. Aber sie war bereit, auf seine Forderung einzugehen und sagte ihm das auch, als sie sich verabschiedeten. Sie hatten abgemacht, erst einmal gar keinen Kontakt mehr haben, um den Kopf frei zu bekommen. Beide wussten, dass derjenige, der sich zuerst melden würde, kein Gewinner in diesem Spiel sein würde.

NEU

Während Per in den folgenden Wochen damit beschäftigt war, zwei weitere Mazarin-Auftritte hinter sich zu bringen und sich direkt danach in die Arbeit für die neue Gyllene-Tider Cd zu stürzen, konzentrierte sich Marie auf ihre Familie und auf ihre medizinischen Behandlungen, die immer noch in vollem Gange war. Hier und da verfolgte sie in der Zeitung, was er gerade machte, wo er war und was als nächstes geplant war. Auch wenn sie versucht hatte ihn zu vergessen, sie wollte trotzdem wissen was er machte und war froh darüber, dass er momentan noch so viel in der Öffentlichkeit machte.

Es war Mitte Dezember als sie sich das erste Mal wieder begegneten – durch Zufall. Marie machte mit Josefin einige Weihnachtseinkäufe im NK. Ihre Blicke strichen durch die Regale, sie suchte immer noch nach etlichen Geschenken und ärgerte sich, dass sie dieses Jahr so spät mit dem Besorgen derselben angefangen hatte. Josefin sah Per zuerst und begrüßte ihn, obwohl er noch 20 Meter Entfernung zu den beiden hatte, mit einem lauten „PG!“ Per hatte die beiden Bolyos-Frauen noch gar nicht bemerkt und fuhr erschrocken zusammen. Als er sich umsah entdeckte er Marie, die versuchte ein gleichgültiges Gesicht zu machen, und die kleine Josi. „Hallo“, sagte er fröhlich und begrüßte die Kleine mit einer Umarmung, indem er sie kurz hochhob. Dann sah er zu Marie. „Hallo Marie“. Sie lächelte verlegen. „Hallo Per, alles klar bei Dir?“ Sie versuchte, so förmlich wie möglich zu klingen. „Denke ja und bei euch?“ „Wir suchen noch einige Weihnachtsgeschenke, ansonsten alles wie immer. Wo hast du deine Familie gelassen?“ Per wusste einen Moment lang nicht, was er antworten sollte. Er hasste Maries spitze Andeutungen, aber da Josie nun dabei war, musste er sachlich bleiben. „Die sind zu Hause, ich hole hier auch nur schnell etwas ab und dann geht es wieder zurück.“ „Weihnachten in Halmstad?“ Marie zeigte ihm jetzt die kälteste Seite, die sie zu bieten hatte. „Vermutlich ja.“ „Na, dann wünsche ich euch viel Spaß. Viele Grüße von uns. Wir müssen weiter. Man sieht sich….irgendwann.“ Das „irgendwann“ sagte Marie so leise, dass es kaum hörbar war, doch Per war es nicht entgangen. „Irgendwann, ja..“ Es war das erste Mal seit Monaten, dass er seinen Entschluss, auf Abstand zu gehen, bereut hatte. Als die beiden an ihm vorbeigingen und sich langsam entfernten und fast nicht mehr zu sehen waren, entschied er sich, hinterher zu gehen. Er holte sie erst am völlig verstopften Ausgang wieder ein. „Marie“, rief er. Sie blieb stehen, aber drehte sich nicht um. Einige Leute stoppten ebenfalls und erkannten beide, was sowohl Per als auch Marie nicht angenehm war. Er griff sanft an ihre Schulter, was sie zusammenzucken ließ. Per erschrak. „Ja, Per?“, antwortete sie schließlich. Per sah zu Josefin, die ihn mit großen Augen anstarrte, dann sah er zu Marie, die immer noch mit dem Rücken zu ihm stand und die Augen geschlossen hatte, was er nicht sehen konnte. Er suchte nach einer verschlüsselten Botschaft, die nur sie verstand. „Ich weiß es jetzt.“ Nun drehte sich Marie um. Sie lächelte und nahm langsam seine Hand von ihrer Schulter. Sie war immer noch bereit, den Kampf aufzunehmen, kostete es, was es wollte. „Frohe Weihnachten, Per“. Auch er lächelte jetzt. Er hatte verstanden.

Sieben Monate später

„Bist du aufgeregt?“, fragte sie Per. „Du kennst das Gefühl doch.“ Sie nahm sein Gesicht zwischen ihre Hände und küsste ihn sanft. „Wenn ihr das hier hinter euch gebracht habt, dann wird der Rest ein einziger Freudentanz.“ Er umarmte Marie fest. „Ich bin so froh, dass ich dich habe.“ „Ich auch. Und jetzt viel Spaß da draußen.“ Sie gab ihm einen Klaps auf die Schulter mit der einen Hand, strich über seine Wange mit der anderen, ehe er sich augenzwinkernd umdrehte und Richtung Bühne ging. „Ich liebe dich“, war alles was er noch sagen konnte, ehe er mit den Jungs zum allerersten Mal das Halmstader Stadion eroberte.