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Fanfiction

Hätte ja sein können
Autor: Bluesue

„Du hörst mir ja gar nicht zu, Micke. Ich will bei Dir bleiben, ich hab doch gar keine Zukunft mit Per. Unsere Ehe und die Kinder bedeuten mir alles. Wir werden es gemeinsam schaffen, wenn Du mich wirklich so liebst, wie Du sagst.“

„Ich glaube nicht. Ich verstehe Dich, denk nicht, dass ich Dich nicht verstehe, aber es geht nicht. Ich würde Dich verdächtigen, auch wenn ich das gar nicht will. Ich hab Angst, dass ich beginnen würde Dich zu hassen. Du bist die Mutter meiner Kinder. Wir müssen uns gut verstehen.“

„Das heisst, dass Du mich verlässt? Wie kannst Du bloss? Ich brauch Dich doch!!!“ Sie schluchzte untröstlich und Micke wurde einfach sauer.

„Jetzt hör aber auf......ich bin doch nicht Dein Trostpreis, noch weniger ein verdammter Ersatz für Per. Du wirst Dich schön allein behaupten müssen. Per wird Åsa niemals verlassen. Und das ist der wahre Grund, warum Du bei mir bleiben willst, oder?“

„Ich will bei Dir bleiben, weil ich Dich liebe, aber um es mal klarzustellen. Ich KANN allein leben, ich hab die Kinder, meine Freunde, meine Arbeit und genug Geld. Vielen Dank für Deinen Vortrag.“ Sie hatte aufgehört zu weinen und stand von der Couch auf.

„Was wirst Du jetzt tun?“ fragte Micke.
„Darauf warten, dass Du die Scheidung einreichst“, sagte sie und ging aus dem Zimmer.

Ihre Welt war aus den Angeln gehoben worden.

Micke kochte. Sie hatte immer das letzte Wort. Aber als sein Ärger verraucht war, kam die Traurigkeit zurück, die er schon eine Zeit lang fühlte. Sie war so perfekt gewesen, seine Marie, seine Traumfrau.

Es war ihm nie in den Sinn gekommen, dass in Wirklichkeit kein Mann ausser Per eine Chance hatte. Diese Wirklichkeit ging selbst an ihr vorbei. Sie weigerte sich störrisch und auch aus Selbstschutz dies einzusehen. Sie würde Per niemals bekommen, niemals. Sie war fest davon überzeugt.

Micke versprach sich selber, seine zukünftige Ex-Frau genau im Auge zu behalten. Er hatte keine Lust seine Kinder bei einer Mutter aufwachsen zu lassen, die die Freunde im Vierteljahres-Takt auswechselte.


Ja, die Kinder. Was würden sie ihnen sagen?

Sie beschlossen keine grosse Sache daraus zu machen. Marie würde nach der letzten Arbeit mit Roxette ins Ausland ziehen. Micke würde, aus geschäftlichen Gründen in Schweden bleiben und einmal im Monat zu ihnen fliegen.




Per und Marie sagten nicht auf Wiedersehen, als sie nach dem Auftritt in einer Galashow in verschiedene Autos und verschiedene Flieger stiegen. Sie hatte ihm nicht erzählt, dass sie mit Micke die Scheidung plante, geschweige denn, dass sie vorhatte mit Josefin und Oscar Schweden zu verlassen.

Roxette unterschrieben die Auflösungsverträge weit getrennt voneinander, Per in Halmstad und Marie in Stockholm. Das Pressekommunique betrug 10 Zeilen und keiner von beiden war erreichbar für Reporter.

Per hatte seine Familie in die Karibik evakuiert, bevor der Artikel in den Zeitungen erschien. Sie blieben für 2 Monate und Åsa begann zu glauben, dass sich alles wieder einrenkte. Ihr Mann war guter Laune, die Alpträume verschwunden und sie verbrachten die Abende mit stundenlangen Gesprächen und Liebe machen. Åsa machte nicht den Fehler Marie oder Roxette zu erwähnen. Sie hoffte, dass die Zukunft immer so schön war wie die Gegenwart.

Marie hatte sich selbst beschäftigt, indem sie ein neues Zuhause suchte. Sie fand es in Südfrankreich, in einem kleinen Dorf oberhalb der Côte d’Azur.

Das Haus lag 15 Min. vom Zentrum entfernt, eingebettet in eine Mulde. Sie hatten Baumbestand, einen richtigen Garten und einen kleinen Pool. Innen gab es 6 Räume, eine Küche und 2 Badezimmer. Alles war hell, frisch renoviert und in tadellosem Zustand. Das Dachzimmer war höchst geeignet für ein Atelier und dies wurde dann auch daraus.

Josefin kam in die 2. Klasse und Oscar in die Ecole enfantine (Kindergarten) Beide Kinder lernten innerhalb 6 Monaten französisch. Marie brauchte etwas länger, aber auch sie kriegte es hin, schon allein weil wirklich keiner schwedisch oder englisch redete.

Das Leben war leicht. Der Winter brachte zwar Feuchtigkeit, aber keine schreckliche Kälte wie in Schweden. Marie wollte kein Personal. Sie machte den Haushalt allein, fuhr die Kinder rum und hatte ausser mit ihren engsten Freunden und Micke keinen Kontakt mehr zur Heimat.

Den Schmerz, der sie immer wieder befiel, versuchte sie in vielen Nächten mit ihrer Malerei zu überwinden.

Aus Schweden hatte sie nichts mitgenommen, keine Photos, Briefe, keine Musik. Sie wollte stark sein und einen neuen Anfang machen. Es gelang ihr überall, nur im Schlaf.....ihre Träume waren so reell, dass sie tränenüberströmt oder stöhnend vor Lust erwachte, seinen Körper suchte und nur Leere fand.



In diesen Momenten, überwältigt von Empfindungen, kurz bevor sie sich wieder fasste, wieder Frau über sich selbst wurde, war die Verzweiflung riesengross.

Marie kannte inzwischen wirklich nette Menschen, hauptsächlich Eltern von Josefin's und Oscars Schulkameraden. Nach den ersten Sprachbarrieren fand sie guten Anschluss und schätzte ihn. Jedoch kannte keiner ihren Ursprung, wusste niemand, dass sie früher im öffentlichen Leben gestanden hatte. Sie war nur zu froh darüber.

Natürlich wurden Versuche gemacht, sie auf Partys oder Essenseinladungen mit Männern zusammenzubringen. Als sie aber so überhaupt kein Interesse zeigte und sich nie verabredete oder gar ein längeres Gespräch führte, gaben sie es auf.

Micke kam regelmässig um die Kinder zu sehen. Er und Marie waren tatsächlich Freunde geblieben. Sie war nicht mehr sauer, weil sie ihn verstand und er konnte ihr nicht böse bleiben, weil er wusste und sah, dass es ihr sehr schlecht ging. Manchmal waren sie nah dran wieder in einem Bett zu schlafen, aber die Vernunft hielt sie davon ab.

An einem Sonntagnachmittag brachte Josefin ihren Vater vorne ans Tor.
„Pappa? Liebt ihr euch gar nicht mehr?“
„Doch. He, wir sind schliesslich eure Eltern, natürlich haben wir uns noch lieb.“
„Aber, wie geht das denn? Ihr küsst euch nie mehr und Du schläfst im Atelier..“
„Ist Mamma traurig deswegen, was meinst Du?“
Sie dachte einen Moment über diese Frage nach. „Nein.“
„Siehst Du und das ist auch in Ordnung so. Frag sie. Ich hoffe nur, mein Schatz, dass Du weisst wie sehr ich Dich und Oscar liebe. Und das, darauf geb ich Dir mein Ehrenwort, wird sich niemals ändern.“
Sie warf sich in seine Arme. „Klar weiss ich das, ich wünschte nur, Du könntest immer hier sein mit uns.“
„Aber Du verstehst, warum das nicht möglich ist.“
„Mhm. Lasst ihr euch scheiden?“
„Das ist schon fast geschehen. So sind Mamma und ich frei, jemand neuen kennen- und lieben zu lernen eines Tages.“
„Mamma sagt, dass sie so sehr glücklich ist mit uns.“
„Das ist doch prima.“
Josefin sah ihn an, sie hatte noch was auf dem Herzen.
„Pappa...? Siehst Du PG manchmal?“
Micke fühlte sich, als hätte seine kleine Tochter ihm in den Magen geboxt. „Nein, gar nie. Warum fragst Du? Vermisst Du ihn?“
Sie nickte. „Ich glaube Mamma vermisst ihn noch viel mehr. Manchmal, wenn ich nachts aufs Klo muss, hör ich sie im Schlaf reden. Als ich ihr das gesagt hab, guckte sie ganz komisch und meinte, sie würde sich nicht daran erinnern und dann ist sie ganz schnell in den Garten gegangen.“ Sie sah Micke fragend an.
„Schatz, ich hab keine Ahnung, was ich Dir darauf antworten soll.“
„Ich versteh das einfach nicht.“
„Es ist auch schwierig Erwachsenen zu verstehen, vor allem wenn sie selbst nicht wissen, was da gerade vorgeht. Der einzige Trost hier ist, dass es mit Dir und Oscar nichts zu tun hat.“
„Schon, aber, ich mach mir Sorgen um Mamma.“ Micke gab ihr einen Kuss und drückte sie ganz fest.
„Ich liebe Dich, Josefin, Du bist ein gutes Kind. Aber jetzt hopp, geh rein, es ist kalt draussen.“
„Tschüss, Pappa und ruf an, wenn Du daheim bist, ja?“
„Ok.“ Lächelnd stieg Micke ins Taxi.

Auf dem ganzen Heimflug dachte er an Marie und Per. Er hasste ihn mit einer Heftigkeit, die er nie für möglich gehalten hatte. Er war froh, dass er ihn nie wiedergesehen hatte, sonst wäre wohl sein ungarisches Temperament durchgebrochen und in Pers Gesicht gelandet. Das stellte Micke sich mit Genuss vor.


Per war hauptsächlich in Sachen Jimmy Fun Music unterwegs. Er suchte nach neuen Talenten, er kümmerte sich um sein Hotel in Tylösand und war den Rest seiner Zeit mit Åsa und Gabriel zusammen. Åsa war immer noch wachsam, doch er schien wirklich ok zu sein. Er sah gut aus, trainierte regelmässig und war aufmerksamer und liebevoller denn je.

Wenn er von der Presse oder Freunden nach Marie gefragt wurde, lächelte er. Nein, sie waren nicht im Streit auseinander, nein, sie hatten keinen Kontakt, nein, alles war in Ordnung und Gott bewahre, er vermisste Roxette kein bisschen.

Die beiden letzten Aussagen waren natürlich gelogen. Aber, wem machten diese Lügen schon was aus? Ihm jedenfalls nicht. Er, der sich schon so lange selbst belog am allerwenigsten. Er tat was er tun musste.