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Hätte ja sein können Autor: Bluesue Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7 | Seite 8 | Seite 9 | Seite 10 | Seite 11 | Seite 12 | Seite 13 „Er hat mich gekickt“, erklärte Per lächelnd. Sie erwiderte sein Lächeln, kuschelte sich an ihn. „Ich bin das schon so gewöhnt, ich merke es nicht mal mehr.“ „Na, dann, schlaf schön weiter. Komm in meine Arme.“ Sie legte sich zurecht, ihre Hände über seine.
Per hörte, wie sie gleich darauf wieder friedlich atmete. Er empfand so viel, dass sein Herz weh tat.
Sie nahmen ihre Freundschaft auf, langsam mit Sorgfalt. Sie schickten sich E-Mails, riefen einander an und fühlten sich viel besser.
Ein paar Wochen bevor Oscar zur Welt kam, wurde Åsa endlich schwanger. Sie freuten sich wie verrückt, obwohl sich Per immer noch nicht vorstellen konnte, ein Vater zu sein, doch er erinnerte sich an Marie’s Worte. Sie hatte ihn immer richtig eingeschätzt.
Der Hausbau in Tylösand ging voran. Sie hatten einen spanischen Architekten engagiert und eifrig bei der Planung mitgewirkt. Es sollte ihr Traumhaus werden.
Zur gleichen Zeit wie das Baby- und das Bauprojekt musste Per natürlich noch ein Solo-Album aufnehmen, sein erstes in englisch. Es klang sehr rockig und die Kritiken waren positiv, was für Per ein Wunder war.
Marie sang Background zu „I’ll be alright“, dem traurigsten Lied. Er hatte es geschrieben, als er glauben musste, sie für immer verloren zu haben. Als sie den Text zum ersten Mal hörte, musste sie zu ihm hingehen und ihn in die Arme nehmen.
Marie hatte Oscar mit zu den Aufnahmen gebracht. Per trug ihn rum und freute sich an seinem Lächeln. „Stillst Du ihn?“ fragte er Marie. „Natürlich, er bekommt so den besten Schutz gegen Infektionen und Bakterien.“ „Mhm, Åsa hat mir davon schon was erzählt. Ich hab für heute abend ein Babybuch auf dem Nachttisch. Sag mal, dürfte ich zusehen, wenn Du ihn fütterst?“ „Willst Du nicht lieber warten, bis es bei Åsa soweit ist?“ Marie war leicht verlegen. „Nee, es ist ja nicht so, dass ich Dich noch nie nackt gesehen hätte... ausserdem bist Du schöner denn je.“
Er sah sie so an, mit seinen grossen braunen Augen und da nickte sie. Sie knöpfte ihre Bluse auf. Oscar, der auf Per’s Arm sass und das Ritual kannte, fing an mit den Händchen zu fuchteln und wollte zu seiner Mutter. Per reichte ihn, berührte Marie dabei und beide holten erschrocken Luft. Dann mussten sie lächeln.
Per setzte sich gegenüber von Marie, in den anderen Sessel, schwieg und rührte sich nicht. Ein einziges Mal wagte er den Blick in ihr Gesicht zu heben. Sie schaute ihn zärtlich an. Er lächelte, aber seine Lippen zitterten. Marie legte Oscar in sein Reisebettchen. Er war an ihrer Brust eingeschlafen, was er meistens tat. Per hatte sich neben Marie gestellt und als sie sich aufrichtete, zog er sie an sich. Sein Kuss war so liebend, so tief und sinnlich, dass Marie ihn ohne Bedenken erwiderte. Ihrer beider Lippen waren danach feucht und geschwollen, ihre Herzen schlugen viel zu schnell, aber keiner wollte den anderen wirklich loslassen. Sie schmiegten sich aneinander in einer sanften Umarmung, bis Marie zurücktrat. „He, Du musst gehen“, flüsterte sie. „Ich weiss. Es, es ist schön, dass Du hierherkamst. Wir sehen uns in Stockholm, ja?“ „Ja. Mach’s gut und bis bald, grüss Åsa.“ „Tschüss.“ „Tschüss.“ Marie sah dem davonfahrenden Auto nach und berührte gedankenverloren ihren Mund.
Am 5. August 1997 erblickte Gabriel Titus Gessle in Stockholm das Licht der Welt.
Per beschloss ein halbes Jahr freizunehmen, seinen Sohn richtig kennenzulernen und alles mit Åsa zu teilen. Wie Marie das genau gewusst hatte, liebte er es Vater zu sein. Gabriel hatte einen positiven Einfluss auf seine Eltern.
Anfangs 1998 suchten Roxette ein Aufnahmestudio in wärmeren Gefilden als Schweden.
Sie fanden „il Cortijo“ in den Hügeln von Malaga. Es war ein Aufnahmestudio und zugleich eine Villa mit über 20 Zimmern.
Jeder konnte seine Familie und Kindermädchen mitnehmen. Sie gründeten eine Riesen-WG.
Die üblichen Streitereien über Musik, Text und Aufmachungen stellten sich ein, die Freude etwas zu schaffen und die Zufriedenheit, wenn ein Song perfekt war.
Ausserhalb des Jobs versuchten sie etwas vom herrlichen Wetter zu erwischen, zu schwimmen, Grill-Partys zu feiern und auszuspannen. Natürlich gelang ihnen das nicht immer.
Am 30. Mai 1998 wurde Marie 40. Zu diesem Anlass waren sie alle nach Stockholm zurückgeflogen. Ein riesiges Festzelt wurde aufgestellt, leckeres Essen, Champagner und Musik den Gästen geboten. Das Geburtstagskind war happy und zufrieden mit Familie, Mann und Kindern. Sie bekam tolle Geschenke und wurde gefeiert. Logisch waren die meisten nach Mitternacht längst unter den Tischen. Schweden!
Ende des Sommers hatten sie das Album fast fertig.
Per war stolz und auch etwas eifersüchtig auf Marie. Mit „Waiting for the rain“ und „Beautiful things“ hatte sie bewiesen, dass sie Roxette-Lieder allein schreiben konnte. Sie standen genauso raus wie Pers Songs. Er verstand nun besser, wie sie sich gefühlt hatte, wenn er die Hits nur so aus dem Ärmel schüttelte.
Er hatte eine neue Art Respekt für sie. Zugleich fing er an Gedanken zu haben, Gedanken über sein Leben und was er sich wirklich wünschte, was er brauchte. Er gab innerlich zu, dass dies seit dem Abend in Frösakull in ihm arbeitete und das alles viel schlimmer war seit dem Kuss. Nur, ihre Situation war so aussichtslos.
Per versuchte dagegen anzukämpfen. Marie spürte es trotzdem. Er verhielt sich schon seit Wochen anders. Er war gern in ihrer Nähe, berührte sie öfter und zeigte ihr wie ernst er sie nahm. Sie sagte nichts dazu. Es machte sie glücklich, zuerst und dann erschrak sie, über sich selbst, weil sie wollte, dass er so fühlte. Sie versuchte Scham zu empfinden, aber es gelang nicht. Er schien jedoch okay so, friedlich, liebend zu Åsa und Gabriel. Sie dachte schliesslich, dass dies nur eine Phase war. Doch diesmal war es keine.
Die Photoaufnahmen für das Album-Cover und Promotion wurden geschossen. Sie hatten sich für grelle Farben entscheiden, gelb, blau, pink und bei ihrer Garderobe schwarz und blau.
Irgendwie war Per froh, dass auf dem Album keine gemeinsamen Bilder waren. Er hatte Angst, dass man in seinen Augen lesen könnte. Marie kriegte einen zusätzlichen Thrill, weil sie es begriff.
Mitte Januar, kurz nach Per’s 40. Geburtstag, welchen er im Hotel Tylösand grossartig gefeiert hatte, begann ihre Promotion-Reise. Die Band kam mit, jedoch ihre Familien nicht. Es war ähnlich wie früher, als sie zusammen anfingen als Roxette, ausser, dass sie sich heute noch besser verstanden, es weniger unangenehme Spannungen gab. Sie wussten heute was Kompromisse sind und das Diskussionen meistens einen positiven Ausgang haben. Ausserdem trugen die Ereignisse der letzten Jahre dazu bei.
Eines Abends waren sie allein in einer Hotelbar in Berlin. Die anderen waren schon ins Bett gegangen. Es war spät. Per hatte eine Flasche Wein bestellt und teilte sie mit Marie.
Sie redeten über den Tag, über EMI und sich selbst natürlich auch. „Hast Du Angst, dass HAND ein Flop wird?“ fragte Marie ihn. „Ja und nein. Einem Teil von mir ist das auch Wurst. Roxette ist ein Hobby. Wir haben genug Geld für den Rest unseres Lebens. Aber der andere Teil hat nichts von seinem Ehrgeiz verloren. Also falls wir scheitern, gibt’s ne Revanche!“ Sie grinste ihn an. „Das hab ich mir doch gedacht...“ „Ach ja?“ „Mhm, Du sollst Dich nicht zu sehr verändern.“ „Hab ich mich denn verändert?“ Er sah sie an. „Das weisst Du doch selber“, antwortete sie leise. „Komm, ich glaub’ wir reden lieber oben weiter.“ „Warum?“ „Ich würde mich wohler fühlen“, sagte Per ernst. „Gut, gehen wir.“ Sie bezahlten und fuhren zu Per’s Suite rauf. Im Lift hielten sie einen Meter Abstand...
Sie setzen sich auf das weisse riesige Sofa und schauten durch das Panorama-Fenster in die sternenklare Winternacht. „Wie genau hab ich mit eigentlich verändert?“ wollte Per wissen. Marie konzentrierte sich auf einen besonders schönen hellen Stern. „Vielleicht bist Du netter geworden, weniger egoistisch und Du benimmst Dich wie ein Gentleman. Man kann besser mit Dir reden. Hattest Du Angst, ich würde etwas Negatives sagen?“ Sie warf ihm einen Blick zu und er lächelte. „Nein, Du weichst bloss der Realität aus, aber das ist auch besser so.“ Marie beschloss darauf nicht zu antworten. Sie gähnte hinter vorgehaltener Hand und stand auf. „Tut mir leid, ich schlaf schon fast. Gute Nacht, Per. Danke für den Wein.“ „Gute Nacht.“
Sie hätte sich nicht nochmal umdrehen sollen. Per schaute ihr nach und als sich ihre Augen trafen, war es zu spät. „Was ist?“ fragte Per und räusperte sich. „Eigentlich möchte ich heute nacht nicht allein sein. Kann ich bei Dir bleiben?“ „Ja.“ Per hatte weiche Knie, als er sich erhob und auf sie zutrat.
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